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Einfachheit ist das größte Wunder
Geschrieben von: Krishna Kloers   
Dienstag, den 14. August 2007 um 11:24 Uhr

Reiki-TuchÜber Einfachheit braucht sich niemand zu wundern. Aber einfach zu sein ist ein großes Wunder. Mit Witz und Ironie erzählt Krishna Kloers von einigen der zahlreichen Erscheinungen, bei denen Reiki nicht mehr einfach ist. Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht im "DAO Sonderheft 2 Reiki" im August 1996. Da das angesprochene Thema weiterhin aktuell ist, entschlossen wir uns zu einer Zweitveröffentlichung im Web.

 

Das größte Wunder

Eine Mahnung, die erinnern soll, sich nicht in psychische Phänomene, Anfälle von Verzückung oder in Wunder zu verstricken. Mißinterpretiere ihr Auftreten nicht als einen Beweis, dass du irgendetwas erreicht hättest. Es gibt nichts zu erreichen. Sei einfach normal und genieße es. (übersetzt aus Sufis: The People of the Path, Vol 1)

Es gab einmal einen Zen-Meister namens Rinzai, und man erzählt sich folgende Geschichte: „Einer seiner Schüler führte eine Unterhaltung mit dem Schüler eines anderen religiösen Meisters, und der sagte: Mein Meister ist ein Mann der Wunder. Er kann alles tun, was er will. Ich habe viele seiner Wunder mit eigenen Augen gesehen. Was gibt es Großartiges über deinen Meister zu berichten? Welche Wunder vollbringt er?' Und der Schüler von Rinzai antwortete: 'Das größte Wunder, das mein Meister vollbringt, ist, keine Wunder zu tun.'" (übersetzt aus: Rajneesh, Neo Tarot)

Auf diese Geschichte stieß ich, nachdem mir eine Frau namens Beate, die ich aus verschiedenen Seminaren kannte, folgendes erzählt hatte: Sie war nach Indien zu Sai Baba gefahren. Sai Baba ist ein bekannter indischer Guru, der Asche, goldene Uhren, Siegelringe etc. manifestieren kann. Er hat eine große Anhängerschaft, die ihn als eine Inkarnation Gottes verehrt. In seinem Ashram befindet sich ein Baum, unter den sich seine Anhänger setzen können, wenn sie einen Wunsch haben. Besagte Bekannte hatte einen Wunsch, den Sai Baba „schlecht aus dem Ärmel schütteln konnte", sie wünschte sich ein Haus für sich und ihr Kind, das auch Platz für ihre therapeutische Arbeit bieten würde. Ihre jetzige Wohnung war ihr gekündigt worden. Also setzte sie sich in Südindien unter Sai Babas Wunderbaum und dachte an ihren Wunsch. Kaum war sie nach Freiburg zurückgekehrt, wurde ihr ein Haus mit Garten zu einem Spottmietpreis angeboten.

Ehrlich gesagt, ich war baff. Dass Sai Baba Asche, Uhren und Ringe hervor zaubern konnte, war mir bekannt, aber jetzt ganze Häuser, und das in Freiburg, wo jedermann günstige Wohnungen oder ein Haus sucht – unglaublich.

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Diese Neuigkeit traf mich umso mehr, als ich gerade selber mit einer Freundin für uns und unsere Kinder auf Haussuche war, und die war bisher recht mühselig und erfolglos verlaufen. Um es ganz deutlich zu sagen: Ich begann mir die Frage zu stellen, ob ich eigentlich den richtigen Meister hatte? Mein Meister hatte mir noch nie etwas gezaubert oder irgendwie das Leben leichter gemacht - im Gegenteil, ich machte die Erfahrung von Trennung und Auflösung und Chaos. Alles bisher Geschaffene, seien es Überzeugungen oder auf der materiellen Ebene unser kleiner Hof im ost-friesischen Hochmoor, den ich zusammen mit meinem damaligen Mann bewirtschaftete und wo unser Kind zur Welt gekommen war, und, und, und ... Alles war in Frage gestellt oder hatte sich aufgelöst.

Jetzt wollte ich auch etwas haben. Alles was ich bekommen hatte, waren Turbulenzen jeglicher Art. Sannyasin zu sein, hatte mir viel Bewegung und Veränderung beschert: Ortswechsel, Berufswechsel, Auflösung der Beziehung. Ich fand, dass ich für mein inneres Wachstum viel aufgegeben hatte. Frei nach Janis Joplin: „Freedom is just another word for nothing left to loose." (Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, nichts zu verlieren zu haben.)

Zugegeben, die Erlebnisse und die Stimmungen, die ich damit erlebt hatte, hatten mir ekstatische Momente beschert und eine enorme Sprengkraft in meinem Leben entfaltet. Aber jetzt wollte ich auch ein schönes Haus mit Garten, pflegeleicht, geräumig und leicht zu bezahlen. Beate hatte sich einfach den besseren Meister ausgesucht, den Zaubermeister.

„Und was gibt es Großartiges über deinen Meister zu berichten? Welche Wunder vollbringt er?"

In meinen Ohren hallte die Aufforderung meines Meisters: „Geh nach innen und sei Zeuge." Wunderbar, nun war ich gerade Zeuge meines Neides. „Meditation heißt, aus den Gedanken, den Wünschen herauszukommen. Meditation heißt, sich in der Gegenwart zu entspannen." (Osho: Das Orangene Buch). Na prima, sowieso nicht zu erreichen - Gedankenlosigkeit, Wunschlosigkeit - welcher Normal-Sterbliche bekommt das hin?

Ich war auf dem besten Weg in einer meine „Lieblingssackgassen" zu stolpern: die Sich-mit-anderen-vergleichen-denen-es-viel-besser-geht-Sackgasse. Und die hieß gerade so: Dieser Sai Baba hatte der Beate doch glatt ein Haus herbei gezaubert, und was tat meiner für mich?! Ich hatte ihm zwar nicht mein ganzes Geld abgeliefert, wie es die Bildzeitung gerne behauptete, aber dafür war mein klein-alternatives Leben total auf den Kopf gestellt worden. Wieso funktioniert Spiritualität nicht nach dem Belohnungsprinzip? Hatte ich denn nicht viel aufgegeben?! Oder hatte ich in meinen vergangenen Leben soviel schlechtes Karma angehäuft?

Die Haussuche ging dann so weiter, dass ich - für spirituelle Grübeleien (sprich Übel-nehmen) - keine Zeit hatte, weil uns der Vermieter im Nacken saß und ... ich mit meiner Freundin ein Haus nach Wunsch fand: groß genug für uns alle, mit Garten und preiswert. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir es aus eigener Kraft „herbeigezaubert" haben.

Jahre später machte ich eine ähnliche Erfahrung auf einem anderen Gebiet, in der Heilkunst Reiki. Die Gemeinsamkeit liegt darin, dass es sich hier auch um eine spirituelle Disziplin handelt und die mündliche Unterweisung in dem Verhältnis Meister zu Schüler eine wichtige Rolle spielt. Inzwischen bin ich seit 1987 als Reiki-Meisterin tätig und betrachte den Zaubermarkt der „esoterischen Erscheinungen" mit größerer Gelassenheit. Zumindest versuche ich es. Die kleine Zen-Erzählung von Rinzai hat über die Jahre für mich an Bedeutung gewonnen.

Das größte Wunder ist Einfachheit, unspektakulär zu sein, keine Wunderheilungen zu versprechen, keine zusätzlichen Symbole und Einweihungen in seine Reiki-Kurse einzubauen. Zugegeben: Nachdem die Fußeinweihungen so gut verkauft werden, sogar mit eingetragenem Markenzeichen, dachte ich ernsthaft über Ohreinweihungen nach. Ist doch das Ohr wie die Fußsohle eingeteilt in Reflexzonen, somit würde ich den ganzen Körper erreichen, „Hände auf die Ohren" - eine Position für eine Ganzkörperbehandlung, wenn das nicht zeitsparend und damit zeitgemäß ist. Die Lauscher würden auf die kosmische Schwingung eingestimmt, und der Ohreingeweihte könnte die feinstofflichen Urklänge direkt empfangen und den Gesprächen in höhere Sphären aufgestiegener Meister lauschen. Er hätte sein Ohr am Puls der Zeit. Alles inklusive, ohne extra Workshops buchen zu müssen - durch Ohren-Reiki!

Im März diesen Jahres habe ich ein Tagesseminar mit Phyllis Lei Furumoto organisiert, in dem sie über das Usui-System der Reiki-Heilung gesprochen hat. Die Absicht dieser Veranstaltung war, über „Reiki im Usui-System" im Jahr 1996 Klarheit zu bekommen - so wie es von Phyllis Lei Furumoto, der Großmeisterin und Trägerin dieser spirituellen Linie definiert und praktiziert wird. Es existieren inzwischen unzählige Reiki-Linien mit sehr individuellen Interpretationen. Viele Reiki-Praktizierende wissen oft gar nicht, dass sie längst etwas anderes als Reiki im Sinne des Usui-System ausüben.

In der Vorbereitungszeit bekam ich einige interessante Anrufe: So vernahm ich mit Staunen, dass eine indische Reiki-Linie existiert. Ein Inder - ich nehme an, er ist als Reiki-Meister eingeweiht - hat aus dem fernen Indien ein zusätzliches Symbol mitgebracht, welches als Meistersymbol gehandelt wird. Es fühlt sich so herrlich an, schwärmte mir eine Anruferin vor, das hätte sie bisher mit den „Reiki-Usui-Symbolen" noch nicht erlebt. So was nennt man auch „bliss attack" (etwa zu übersetzen mit: plötzlicher Anfall von himmlischer Verzückung) und kostet so um die DM 2.000,-. Inzwischen ist das indische Symbol bis an die deutsche Weinstraße vorgedrungen. Wenn es denn die Öchsle hebt!

Die größte Herausforderung im Zeitalter der Superstars, der Mega-Erkenntnisse, der Super-, Super-, Super-Einweihungen ist: Einfachheit. Einfach die Hände auflegen und Reiki fließen lassen. „Sei einfach normal und genieße es!"

Phyllis Lei Furumoto sagt: „Die Symbole und die Einweihungen sind ein Teil der Form des Usui-Systems. Sie stehen im Kontext mit den anderen neun Elementen und erhalten durch das Zusammenwirken mit den anderen Elementen Sinn und Kraft. Sie unterstützen sich gegenseitig. Aus dem Kontext gerissen sind sie lediglich unverbundene Geschehnisse." - just a bliss attack.

„Was gibt es Großartiges über deinen Meister zu berichten? Welche Wunder vollbringt er?" Und der Schüler von Rinzai antwortet: „Das größte Wunder, welches mein Meister tun kann, ist, keine Wunder zu vollbringen.“

 

Literaturtipps

Rajneesh, Baghwan: Neo Tarot, Rajneesh Foundation, Oregon, USA
OshoShree Rajneesh: Sufis-ThePeopleofthe Path.Vol. 1, Poona, India

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Krishna Kloers (siehe Autorenliste), Reiki-Meisterin in Freiburg.

 

Kommentare 

 
0 #1 Denkt an EliaChristian 2007-08-19 14:43
Ähnliches steht auch schon über den Propheten Elia geschrieben:
(frei erinnert)
"Der HERR aber war nicht in diesem Sturm!
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben, aber der HERR war nicht im Erdbeben!
Nach dem Erbeben folgte ein Feuer, aber der HERR war nicht im Feuer!
Nach dem Feuer hörte Elia das leise Säuseln eines Windhauches:
Als Elia das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit seinem Mantel. Er ging hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. Eine Stimme sprach ihn an: „Was machst du hier, Elia?“

Viele Grüße,
Christian von =http://www.Heilkraft.net]Heilkraft.net
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