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Politik und Forschung: Therapeutisches Klonen
Geschrieben von: Frank Doerr   
Montag, den 19. März 2001 um 01:00 Uhr

Seit 31. Januar diesen Jahres ist in Großbritannien das sogenannte "therapeutische Klonen" von Embryonen erlaubt. Laut dem Präsidenten der Bundesärztekammer Hoppe bedeutet dies: "Beim sogenannten therapeutischen Klonen werden Embryonen regelrecht verbraucht. Der eigens für diese Zwecke hergestellt Embryo wird nach der Entnahme von Stammzellen getötet. Das wirft die grundsätzliche Frage auf, wann menschliches Leben beginnt und wann es geschützt werden muß. Aus biologischer, vor allem aber aus ärztlicher Sicht ist ein Embryo von der Verschmelzung der Keimzellen an ein Mensch. Das therapeutische Klonen von Embryonen ist deshalb nichts anderes als der Verbrauch ganz junger Menschen und damit ein fürchterlicher Sieg des Kommerz über ethische Grundsätze."

Der deutsche Bundeskanzler Schröder scheint dem Kommerz die Hand reichen zu wollen. Denn er befindet sich argumentativ in großer Nähe zu Detlev Ganten, dem Direktor des Max-Delbrück-Centrums in Berlin-Buch und Vorsitzenden der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. In deren internen Publikationen wird behauptet, das Recht auf Forschungsfreiheit könne über dem Lebensrecht stehen. Dieser Mangel an Ethik erinnert fatal an den Geist von Wissenschaftlern, die die Vernichtungsprogramme des NS-Staates und damit verbundenen Lieferungen von "Lebendmaterial" als willkommene Basis ihrer hemmungslosen Forschung an Menschen betrachtet haben.

Dabei ist allein schon die Verwendung des Begriffes "therapeutisch" im Zusammenhang mit Tötung eine Perversion. Er resultiert aus den Heilsversprechen der Wissenschaft hinsichtlich der zukünftigen Herstellung von Gewebe oder gar ganzen Organen. Eine ganzheitliche Sicht auf Krankheit und ihre Ursachen macht die Bildung solch menschlicher Ersatzteillager mehr als fragwürdig. Des Staatsministers für Kultur und ehemalige Inhaber des deutschen Lehrstuhls für Bioethik argumentiert, daß dadurch das Leid etlicher Menschen gemindert werden könne. Dazu die Vorsitzende der "Aktion Lebensrecht für Alle" (Alfa), Dr. med. Kaminiski: "Menschliche Wesen zur Minderung des Leides anderer Menschen zu töten, das hat mit Ethik soviel zu tun, wie Kannibalismus mit Essen."

Der Prozeß der Entscheidungsfindung in Deutschland ist im Gange - sofern gewünschte Ergebnisse nicht von vornherein feststehen. Ein wichtiges Gremium dazu soll der "Nationale Ethikrat" werden, der direkt beim Bundeskanzler angesiedelt sein wird. Herr Schröder legt in diesem Zusammenhang Wert darauf, Themen wie Gentechnik nicht an ein Gremium von "besonders klugen" oder "besonders moralischen Menschen" zu delegieren. Überlassen wir also unsere Zukunft einer Versammlung von BILD-lesenden Industrievertretern und folgen brav Großbritannien, das schon in Sachen BSE eine grandiose Vorreiterrolle gespielt hat.

(fd)

Informationsquelle: Neue Solidarität, Nr. 5, 21.02.01, Zeitung der BüSo, Bürgerrechtsbewegung Solidarität, die neben sehr tendenziösen Beiträgen auch manch fundierte Artikel bringt.

 

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