| Reiki und das Recht zu sein |
| Geschrieben von: Frank |
| Freitag, den 16. Februar 2007 um 16:29 Uhr |
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Eine Rezension ist per Definition eine „knapp erörternde Inhaltsbeschreibung nebst kritischer Bewertung“ [1]. Sie enthält also stets „die kommentierend subjektive Sicht des Rezensenten“, sonst wäre es ein Abstract oder Referat. Der Leser einer Rezension erwartet in der Regel von ihr eine Orientierung: könnte es sich lohnen, dieses Werk zu erwerben? Die Arbeit des Rezensenten ist dabei eine der Undankbarsten im publizistischen Bereich. Zum einen muss er beispielsweise Sachverstand mitbringen - zumal wenn die Rezension in einem Fachmagazin erscheint -, um die fachliche Qualität eines Sachbuchs möglichst korrekt einschätzen und wiedergeben zu können. Ein Irrtum kann ihn und das Magazin diskreditieren. Zum anderen läuft er mit einer Rezension stets Gefahr, sich Ärger einzuhandeln: bei dem Autor, wenn er dessen „Baby“ nicht entsprechend würdigt oder gar auf Missbildungen hinweist, bei Fans, Freunden und Schülern eines Autors oder bei Verlagen, deren wirtschaftliche Interessen berührt sind. Ich kann nur darüber spekulieren, was sich im hier angesprochenen Fall ereignet hat. Handelt es sich um eine Frau, die jedes Mal, wenn sie sich der Seite 30 einer Ausgabe des Reiki-Magazins nähert, das Herannahen negativer Schwingungen spürt, da sie meine Art der Rezension grundsätzlich nicht leiden kann? Oder eher um den Fall „Fan, Freundin oder Schülerin“ eines gerade kritisierten Autors, wobei hier aktuell nur Dieter Glogowski betroffen war? [2] Jedenfalls wird nahegelegt, dass der Grund zur Kündigung bei mir liegt. Wird jemand ein ganzes Magazin nicht mehr lesen wollen, nur weil ihn eine Rezension bzw. ein Autor stört? Für mich ist dies so kaum vorstellbar - auch wenn das Reiki-Magazin immer mal wieder Kündigungen erhält, in denen sich jemand von einem einzigen Artikel dazu veranlasst sieht. Doch auch in diesem Fall wird es schlüssiger, wenn ich mir dabei jemanden vorstelle, der sehr verärgert ist oder sowieso mit einer Kündigung liebäugelt hat und nun den passenden Aufhänger gefunden hat. Über die Definition von Reiki als universeller Lebensenergie gäbe es mit jener Reiki-Meisterin wohl wenig zu diskutieren. Dennoch ist sie der Meinung, mich hierüber belehren zu müssen. Sie glaubt also, ich würde es anders sehen. Im Kontext der Rezensionen ist sie – aus meiner Sicht – also vermutlich dem alten Missverständnis aufgesessen, das in der Reiki-Szene schon so oft für Unfrieden gesorgt hat: der Gleichsetzung von Energie und System. [3] Wenn ich einmal beim Buch von Herrn Glogowski bleibe: hier hat ein Autor ein Fachbuch über ein Reiki-System geschrieben mit starken Mängeln hinsichtlich überprüfbarer Fakten oder Quellen. So manches ist schlichtweg falsch, schlecht recherchiert oder gar abgeschrieben. Wäre dem Leser damit geholfen, dies zu verschweigen und das Buch über den grünen Klee zu loben? Sicher, Fans, Autor und Verlag mögen vielleicht nicht begeistert über Kritik sein. Aber bin ich verantwortlich für ihren möglichen Ärger? Oder gar der Autor, ohne dessen Buch es keine Rezension gäbe? Oder doch eher die, die den Ärger spüren? Eine spannende Frage. Wenn ich die Hausaufgaben einer meiner Töchter kontrolliere, lobe ich sie dann für einen Schreibfehler? Nein. Ich lobe sie vielleicht dafür, dass sie ein Thema phantasievoll bearbeitet hat. Auf den Fehler weise ich sie dagegen hin. Denn ich möchte ihr die Chance geben, sich weiter zu entwickeln. Sie mag sich vielleicht über meine Kritik ärgern, zumal sie jetzt erst den Fehler korrigieren muss, anstatt sofort einem Hörspiel mit den drei Fragezeichen lauschen zu können. Doch weiter kommt sie nur, wenn sie sich mit ihren Fehlern beschäftigt. Genauso können Autor, Fans und Verlag hinter den Ärger schauen und von einer Rezension lernen: der Autor kann versuchen, es beim nächsten Buch oder einer Neuauflage besser zu machen, der Fan seine Einstellung kritisch hinterfragen sowie das Subjekt seiner Bewunderung als fehlbaren Mensch wahrnehmen und der Verlag kann lernen, vielleicht künftig vor einer Veröffentlichung Fachmeinungen einzuholen oder seine AutorInnen sorgfältiger auszuwählen. Natürlich gibt es hier noch einen wesentlichen Knackpunkt: das „Wie“ der Kritik. Ein Rezensent kann schreiben: „Dieses Buch ist der letzte Dreck“ oder er kann versuchen, sachlich zu bleiben. Man muss nicht – wie in manchen Talentshows üblich – das auftretende Talent so brutal abwatschen, dass diesem Mensch die Tränen kommen. Dies lässt sich sicher vermeiden, doch bleibt die Formulierung einer Kritik jedes Mal ein Balanceakt. Wie gelingt es mir, die Nachteile von etwas darzustellen, ohne abwertend zu sein? Das ist eine Frage, mit der ich seit vielen Jahren gehe, einer meiner persönlichen Wachstumsprozesse. Ist es überhaupt möglich, klar Stellung zu beziehen, ohne vielleicht nicht doch jemanden zu verletzen? Manchmal denke ich, dass dies unmöglich ist. Dass Verletzung manchmal vielleicht sogar unumgänglich ist, da sie oftmals eine Begleiterscheinung von Auslösern wichtiger Wachstumsprozesse ist. Manchmal lernen wir durch Liebe und eigene Erkenntnis, und manchmal muss uns jemand fest in den Hintern treten: ein Freund, eine Krankheit, ein Unbekannter. Ist es also überhaupt möglich, klar Stellung zu beziehen, ohne vielleicht nicht doch jemanden zu verletzen? Manchmal denke ich, dass dies möglich ist. Mein Meister Jürgen Kindler war und ist mir hier immer wieder Inspiration und Vorbild. Ursprünglich war es mein Wunsch, dass er das erste Kapitel des von mir in diesem Monat herausgegebenen Buches über den Reiki Meistergrad geschrieben hätte, das Kapitel mit dem Titel „Was ist Meisterschaft?“. Aus Zeitgründen war es ihm nicht möglich, so dass Fokke Brink diese Herausforderung übernahm. Dabei ist die Qualität von Jürgens Artikeln für mich eine ganz Besondere: er versteht es, einen sicheren, eigenen Standpunkt zu haben, damit in die Tiefe zu gehen und Sachverhalte darzulegen, ohne dass sich der Vertreter einer anderen Meinung angegriffen oder abgewertet fühlen muss. Dadurch fallen einige Widerstände weg und es besteht die Möglichkeit, dass nicht nur diejenigen nicken, die sowieso derselben Meinung sind, sondern sich auch die Vertreter einer anderen Meinung für das Gesagte öffnen können. So dass Wachstumsprozesse eben nicht über einen Tritt in den Hintern, sondern eigene Erkenntnis geschehen können. Auch Don Alexander besitzt für mich diese unglaubliche Fähigkeit. Für mich selbst sehe ich dagegen noch einen weiten Weg vor mir. Doch ich bin froh über den bereits zurückgelegten Weg. Ich bin glücklich, ich selbst zu sein. Wenn mich also jene Reiki-Meisterin ermahnt, dass jeder das Recht hat so zu sein, wie er ist, nimmt sie mich dann davon aus? Sollte ich sie nun vielleicht daran erinnern, dass auch sie daran denken soll, dass jeder das Recht hat so zu sein, wie er ist – also auch ich - , bevor sie meine Rezensionen liest? Hat überhaupt – um zum letzten Gedanken zu kommen – wirklich jeder das Recht, so zu sein wie er ist? Wieder eine spannende Frage und ich spüre Dankbarkeit für jene Meisterin, welche Prozesse sie in mir mit diesem Brief angeregt hat. Das Allerschlimmste, was ich mir in diesem Leben für mich vorstellen kann, ist nicht Krankheit oder Tod. Das Allerschlimmste wäre es, wenn meinen Töchtern etwas geschehen würde. Das ist eine Sorge, die viele Eltern berührt, und vielleicht das Thema, mit dem ich in meine heutige Selbstbehandlung gehen werde. Wenn meine Töchter allein unterwegs sind von der Schule zu mir, dann spüre ich zuweilen die Angst, ihnen könnte etwas geschehen. Ein Mann könnte sie vergewaltigen oder eine Bande verschleppen, wie es in unserem Land zuweilen geschieht. Hat ein Mensch, der Kinder sexuell missbraucht, das Recht so zu sein, wie er ist? Hat ein Mörder das Recht zu töten? Wenn ein Mensch einen anderen tötet, verstößt er gegen das Recht des Staates, in dem er lebt, und – wenn er beispielsweise Christ ist - gegen zumindest eines der Gebote seines Glaubens. Hat er also das Recht so zu sein, wie er ist? Ein Mörder? Oder ein Vergewaltiger? Nun, mögen mancher Esoteriker sagen, auch diese Menschen haben ihren Platz in der Schöpfung. Nimm sie in allumfassender Liebe an. Nun, ich bin sicher, wenn ich einen Vergewaltiger aus frischer Tat ertappen könnte, würde ich „allumfassende Liebe“ auf eine sehr spezielle Art neu definieren. Ich bin ein Mensch, kein Gott, ein Reiki-Meister, kein erleuchteter Guru, ein Mann, kein Softie. Wenn in der S-Bahn eine Gruppe Jugendlicher jemanden anpöbelt, gehe ich dazwischen. Sicher, ich versuche die Sache zuerst auf verbaler Ebene zu lösen. Aber ich kann nicht untätig bleiben, wenn jemandem Unrecht widerfährt. Ich kann nicht schweigen, wenn jemand etwas behauptet, das in meinen Augen falsch ist. Wenn Reiki-Meister-Sein etwas für mich bedeutet, dann vor allem eines: authentisch zu sein. Mag sein, wir haben das Recht zu Sein. Doch es ist nicht losgelöst vom Sein anderer und ihren Rechten. Wenn ich also meine Rechte wahrnehme, muss ich auch mit den Konsequenzen leben. Wenn ich ein Buch schreibe, muss ich damit rechnen, dass es jemandem nicht gefällt. Wenn ich eine Zeitung aufschlage, muss ich damit rechnen, dort etwas zu lesen, was ich nicht gut finde. Wenn ich eine Zeitung nicht lese, muss ich vielleicht auf wertvolle Inspirationen verzichten. Alles was wir tun oder lassen, hat Folgen. Im Grunde ist alles Energie. Ich gebe eine Energie in jede Rezension. Diese Energie kommt verwandelt zu mir zurück: von Menschen, die ihre Dankbarkeit ausdrücken, und von Menschen, die ihre Missbilligung zeigen. Letztgenannte Energie habe ich nun wieder aufgegriffen. Habe sie durch mich durchfließen lassen und nachgespürt, wie es sich anfühlt. Habe diese Energie transformiert durch meine Gedanken und sie fließen lassen in diese Zeilen. War dies konstruktiv? Vielleicht. Ist dies Reiki? Ich weiß es nicht. Ich bin nur.
Verweise:[1] siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Rezension [2] siehe Rezension im Reiki-Magazin 1/07 sowie Leserbriefe im Reiki-Magazin 2/07, online unter Dieter-Glogowski: das Reiki-System der 8 Grade nach Barbara Ray [3] siehe „Reiki - Energie oder System?“, Reiki-Magazin Nr. 2/2005 oder online unter Reiki - Energie oder System? |




Heute erhielt ich einen Brief vom Reiki-Magazin. Eine Dame kündigte ihr Abonnement. Als Begründung fügt die Reiki-Meisterin einige Zeilen an mich persönlich hinzu. Sie weist mich darauf hin, dass Reiki universelle, göttliche und für alle zugängliche Energie sei. Und ich solle künftig bedenken, dass jeder das Recht hat, so zu sein wie er ist, bevor ich eine Rezension verfasse.


Kommentare
Ja mei, das Verkaufen wird halt auch immer schwerer!!
(siehe aktuelle Ausgabe Nr. 21 der großen Hamburger Wochenzeitung, Wirtschaftsteil : „Die Angst der Mittelschicht“, - handelt von der Angst vor dem Verlust der Kaufkraft ,..)
....eigentlich ? ist nicht auch ein Teil des Erfolges von „Reiki“ auf dieses Szenario auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen??..
Der vorangestellte Artikel von Herrn Frank Doerr findet mein Interesse, da er mit dem Begriff:
„.. das Recht zu sein“
einen für mich interessanten Problemkreis anschneidet.
Wie wird Kritik aufgenommen? Nun, im besten Falle neutral, als konstruktive Hilfestellung.
Reagiert das Gegenüber mit Aggression, bzw. Ablehnung so liegt wohl Angst dahinter.
Was gibt es zu verlieren?
Meine persönliches Unbehagen ist hervorgerufen durch den Blick auf eine Gesellschaft, die ihre Kinder hauptsächlich mit Mobiltelefonen und Game-boys ect. ruhig stellt. Ich sehe Menschen heranwachsen, die ein Hinterfragen häufig als Verunsicherung und Angriff auf die „eigene Person“ sehen, den Begriff: „Reflexion“, bzw. Nachdenken kaum mehr kennen (als zweckfreien Vorgang),- ...
Im Idealfall sehe ich als Prognose für die Zukunft ein großes Betätigungsfeld für Energiearbeiter im weitesten Sinne, wobei meine Betonung auf „Idealfall“ liegt.
Maria
Das zeigt eigentlich nur, daß du ein echtes Weichei bist, also ich hätte auch 10 Abbo Kündigungen hinbekommen.
Wenn ich schon rezensiere, dann rezensiere ich auch richtig.
Kobi
Es hat alles im Leben mehrere Seiten und Freihiet ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden .Ich möchte seinen Job nicht machen.
Als kleinen Hinweis nebenbei,auch ich habe vor einiger Zeit das Abonement gekündigt.Nicht wegen der Rezensionen ,sondern weil es irgendwie für mich eintönig und uninteressant geworden ist.Es fehlt irgendwo der Pep und es gibt Rubriken (Kiderreiki) die einfach diletantisch aufgemacht sind.Hier würde eventuell mal ein Wechsel der Autorin frischen Wind in die Sache bringen.
Ronja
Sabine muss ich allerdings beipflichten: ich kann ein Buch nur als solches rezensieren (basierend auf meinem aktuellen Kenntnisstand). Wenn Autoren auf Hintergrundinfo rmationen verzichten, die zum Verständnis ihres Ansatzes elementar sind, stellt dies natürlich ein Problem dar. Und da Lektoren - wenn es überhaupt einen gibt - oftmals nicht selbst einen Reiki-Weg gehen, fehlt ihnen die theoretische Basis, diese Schwachstellen in einer Publikation rechtzeitig anzumahnen.
Als Kindergeschicht e erwartet niemand eine wissenschaftlic he Reikiabhandlung . Ich möchte die Kinder einfach unterhalten und ihnen evtl. auch ein bisschen etwas auf ihren Weg mitgeben.
Deine Ansicht, die Autorin sollte einmal wechseln, ist etwas anderes. Diesen Gedanken hatte ich in der Tat auch schon öfter. Die bisher positive Resonanz auf meine Kinderseite ließ mich diesen Gedanken aber immer wieder beiseite schieben.
Mal sehn, was die Zeit so bringt. Vielleicht meldet sich eine ganz tolle Kindergeschicht en-Schreiberin oder ein super Kindergeschicht en-Schreiber und übernimmt demnächst meinen Job. Wie wäre es denn mit dir Sabine
???
Viele liebe Grüße
Michaela
Jeder der meint, besere Geschichten schreiben zu können, sollte es auch tun.
Das Reiki-Magazin freut sich sicher über jeden guten Artikel oder Geschichte die es zugeschickt bekommt.
Viele liebe Grüße
Vesna
bleib', wie Du bist - und schreib' vor allem weiter so wunderbar differenziert und sachlich! Deine Rezensionen haben mir den Weg zu Reiki geebnet, denn als damals noch Außenstehende viel es mir sehr schwer, mir ein Bild von all den Szenen, Grüppchen und Möchtegerns zu machen und den Weizen hinter der Spreu zu finden.
Liebe Grüße
Nadja