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 Betreff des Beitrags: Thema der 6. KW: Armut in Familien vor der eigenen Haustür
BeitragVerfasst: Mo, 06.02.2006 08:52 
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Weihnachten ist längst vorbei, die selbstgemachten Plätzchen sind aufgegessen, die Geschenke weggepackt und die Gutscheine eingelöst. Wie jedes Jahr und doch ein bißchen anders!
Wie jedes Jahr machten wir uns auch im vergangenen Dezember wieder über Geldspenden Gedanken. Wen wollten wir dieses Mal „beglücken“: Friedensdorf Oberhausen, Aktion Lichtblicke (eine Spendenaktion der lokalen Radiosender in NRW für notleidende Familien) oder für „Aktion Mensch“, wo wir evtl. auch Glück haben könnten, das für uns dabei etwas abfiel???? Das Geld für die Spenden kommt bei uns meist zusammen, weil ich mal wieder irgendein Möbelstück oder irgend etwas anderes über die Zeitung „vertrödel“.

Bei einem Gottesdienst im November rief unsere Gemeindeschwester zu einer Kollekte auf für einen behinderten jungen Mann in der Gemeinde, der dringend neue Winterschuhe (Spezialschuhe für seine Behinderung) benötigte und sich aber die hohe Zuzahlung nicht ganz leisten konnte. An einem anderen Sonntag erzählte sie uns von einem Ehepaar, wo beide schwer krank sind, das dort der Kühlschrank am Monatsende leer ist, weil die Rente 1,50 € zu hoch ist, so das ihnen gewisse Zuzahlungen nicht zustehen.

Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeinde komme ich auch oft mit unserem Familien- und Jugendleiter zusammen. Der erzählte mir, das unsere Gemeinde einmal in der Woche kostenlos eine Hausaufgabenhilfe für 3 Stunden anbietet. Dies findet in der Zeit von 14-17 Uhr statt.
Es gibt Kinder, die kommen mit knurrendem Magen völlig ausgehungert und durstig dort hin. Auf Nachfrage der Betreuer kam heraus, das es tatsächlich Kinder gibt, die nichts mit zur Schule bekommen und mit leerem Magen aus dem Haus geschickt werden und die dann Glück haben, wenn es abends etwas Warmes zu essen gibt. Die Gruppen, die unsere kirchlichen Räumlichkeiten umsonst nutzen, sorgten dann dafür, das diese „Kasse“ gefüllt wurde. So kann den Kindern mal ein Eierpfannkuchen, Obst und was zu trinken vorgesetzt werden, bevor es an die Hausaufgaben geht.

Dann erfuhr ich durch die Gemeindeschwester im Dezember, das es mehrere Familien mit Kindern in unserer Gemeinde gibt, wo es nicht mal einen Schoko-Nikolaus für die Kindern gibt, geschweige denn ein kleines Geschenk, weil die Armut da so groß ist durch Krankheit, Arbeitslosigkeit u. ä.

Wir haben uns dafür entschieden, einer Familie in unserer Gemeinde die jährliche Geldspende zu geben. Anonym über die Gemeindeschwester, die den Geldumschlag von uns mit einer großen Lebkuchenpackung abgegeben hat und uns zwei Tage später mitteilte, das sich die Familie riesig gefreut hat. Warum für „den großen Unbekannten“ spenden, noch eine absetzbare Spendenquittung einsacken, wenn die Armut direkt vor der Haustür steht!!!

- Wie sieht es bei Euch im Umfeld mit der Armut aus?
- Nehmt ihr das überhaupt wahr und macht euch Gedanken darüber?
- Oder guckt ihr weg und denkt, das ist Sache des Staates/der Stadt?
- Spendet ihr Geld/Kleidung/Möbel oder seid ihr in irgendeiner Weise aktiv, um zu helfen?
- Wenn ihr Geld spendet, habt ihr euch das irgendwie „dafür“ zusammengespart oder nehmt es locker aus der Tasche?

(Die Auflistung ist nur beispielhaft und als Anregung gedacht).

Liebe Grüße
Kathi

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Einer, der nichts weiß, aber weiß, dass er nichts weiß,
weiß mehr als einer, der nichts weiß und nicht weiß, dass er nichts weiß! (Sokrates)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 06.02.2006 10:51 
ich seh die sache ja eher unsentimental, nämlich politisch.
kniefälle vor der sogenannten globalisierung sind zum alleinseligmachenden dogma erhoben worden. verarmung ist die konsequenz.
und das lässt sich nicht durch mildtätigkeit beseitigen.
das findet ja sogar "unser" benedikt, der nun wirklich nicht im ruf eines sozialrevolutionärs steht.
so in seiner letzten enzyklika.

zitat:
Die Armen, heißt es, bräuchten nicht Liebeswerke, sondern Gerechtigkeit. Die Liebeswerke — die Almosen — seien in Wirklichkeit die Art und Weise, wie die Besitzenden sich an der Herstellung der Gerechtigkeit vorbeidrückten, ihr Gewissen beruhigten... Richtig ist, daß das Grundprinzip des Staates die Verfolgung der Gerechtigkeit sein muß... Der Marxismus hatte die Weltrevolution und deren Vorbereitung als das Allheilmittel für die soziale Problematik vorgestellt... Dieser Traum ist zerronnen. In der schwierigen Situation, in der wir heute gerade auch durch die Globalisierung der Wirtschaft stehen, ist die Soziallehre der Kirche zu einer grundlegenden Wegweisung geworden, die weit über die Kirche hinaus Orientierungen bietet... Das Erbauen einer gerechten Gesellschafts- und Staatsordnung, durch die jedem das Seine wird, ist eine grundlegende Aufgabe, der sich jede Generation neu stellen muß. Da es sich um eine politische Aufgabe handelt, kann dies nicht der unmittelbare Auftrag der Kirche sein.... Aber sie kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben.
quelle: www.katholisch.de


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 06.02.2006 20:13 
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Diese "Liebeswerke" (um einmal diesen Ausdruck zu verwenden), sehe ich durchaus als Weg an, mich mit Menschen zu solidarisieren. Alleine lassen würde ich solche Leute kaum, wenn ich davon wüßte.

Hier im Umkreis haben sich in der Vorweihnachtszeit ein paar Lokalsender zusammengeschlossen, um über das Mittel Geld verarmten Menschen zu helfen. Prinzipiell finde ich diese Idee gut.

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Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.
Arthur C. Clarke, "Profiles of The Future", 1961


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BeitragVerfasst: Mo, 06.02.2006 21:50 
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Hallo alle zusammen,

bei diesem doch heiklen Thema könnt ihr mich natürlich auch per PN antexten.

LG Kathi

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 Betreff des Beitrags: Re: Thema der 6. KW: Armut in Familien vor der eigenen Haust
BeitragVerfasst: Mo, 06.02.2006 22:00 
-Kathi- hat geschrieben:
- Wie sieht es bei Euch im Umfeld mit der Armut aus?
- Nehmt ihr das überhaupt wahr und macht euch Gedanken darüber?
- Oder guckt ihr weg und denkt, das ist Sache des Staates/der Stadt?
- Spendet ihr Geld/Kleidung/Möbel oder seid ihr in irgendeiner Weise aktiv, um zu helfen?
- Wenn ihr Geld spendet, habt ihr euch das irgendwie „dafür“ zusammengespart oder nehmt es locker aus der Tasche?


In meinem Umfeld sehe ich auch Armut.
Ja, ich nehme es wahr und mache mir Gedanken drüber.
Ich habe Lebensmittel (Grundnahrungsmittel) gespendet für eine bestimmte Personengruppe. Die Spendenaktion wurde hier im Dorf angeleiert.
Kleinere Geldbeträge habe ich auch schon gespendet - spontan -
Locker aus der Tasche nehme ich das Geld nicht.

Liebe Grüße,
Ronja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 06.02.2006 22:58 
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Reiki-Sonne
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Zitat:
- Wie sieht es bei Euch im Umfeld mit der Armut aus?

in meinem umfeld gibt es sie auch.....wir haben auch schon spontan kleine hilfe geleistet, soweit wir in der lage waren.

Zitat:
Nehmt ihr das überhaupt wahr und macht euch Gedanken darüber?

ich nehme das fast täglich wahr und denke, das ist erst der anfang :(

Zitat:
Oder guckt ihr weg und denkt, das ist Sache des Staates/der Stadt?

der staat? nun...das ist ein politikum, das ja. deshalb denke ich, sollte dennoch keiner im eigenen umfeld wegschauen!!!!

Zitat:
Spendet ihr Geld/Kleidung/Möbel oder seid ihr in irgendeiner Weise aktiv, um zu helfen?

wenn, spontan.

Zitat:
Wenn ihr Geld spendet, habt ihr euch das irgendwie „dafür“ zusammengespart oder nehmt es locker aus der Tasche?

wir müssen das genau errechnen und überlegen, wo die priorität liegt.....leider!


das thema armut wird sicherlich immer präsenter.

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ich liebe meine kater, weil ich mein zuhause liebe und sie dessen sichtbare seele sind ! ***momo***


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 07.02.2006 18:11 
aus einem interview mit jean-claude junker, eu-ratsvorsitzender:

Ihre Kritiker sehen Sie als Vertreter des alten Europas der Agrarsubventionen, der Vollintegration und der Sozialromantik. Trifft Sie dieser Vorwurf?

Es ist doch ein Skandal, dass 50 Millionen Bürger der Europäischen Union unter der Armutsgrenze leben. Es muss wieder heimeliger werden auf diesem Kontinent. Die Vorstellung dieser vermeintlichen Modernisierer, man könne den Menschen Mut machen, indem man ihre Arbeitsverhältnisse ständig in Frage stellt, ist absurd. Menschen brauchen Sicherheit. Das haben doch die Nein-Sager in Frankreich und in den Niederlanden bewiesen. Ich hätte nie studieren können, wenn mein Vater alle sechs oder zwölf Monate um die Verlängerung seines Arbeitsvertrages hätte fürchten müssen. Es gibt Basisregeln, die man nicht einfach über Bord werfen darf. Die sogenannten Neoliberalen verabschieden sich vollständig aus der Gefühlswelt der Menschen. Das mache ich nicht mit. Und ich wehre mich dagegen, dass man sofort zum altmodischen Heini erklärt wird, wenn man auf Prinzipien hinweist, die sich doch bewährt haben.

qelle: handelsblatt.com


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 07.02.2006 18:15 
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Reiki-Sonne
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hallo christian,
mich würde doch eher interessieren, wie du persönlich damit umgehst, denn darum geht es hier. :wink:
lieben gruss
momo

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BeitragVerfasst: Di, 07.02.2006 18:28 
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Reiki-Feuer
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Zitat:
- Spendet ihr Geld/Kleidung/Möbel oder seid ihr in irgendeiner Weise aktiv, um zu helfen?


Ich würde es sehr sehr gerne, wenn ich es denn hätte. Früher habe ich es gerne getan, heute kann ich es nicht, weil es mir selber fehlt. Ich kann auch auf nichts mehr verzichten weil nichts da ist um noch auf etwas zu verzichten. Meine alten Klamotten möchte bestimmt keiner, damit würden die Leute nur noch ärmer aussehen. :D

Also das Internet und hin und wieder einmal ein paar Bier ist der einzige Luxus neben dem Essen.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 07.02.2006 18:49 
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Wohnort: Berlin
Liebe Kathi,

ich wohne in Berlin.... und hier ist Armut präsent... wer das hier nicht wahrnimmt, rennt blind durch die Strassen.
Ich gucke hin und sehe Armut täglich.

Wenn ich an jeder Strassenecke nach `nem halben Euro´ gefragt werde, habe ich das inzwischen nicht mehr locker in der Tasche und es ist selten, dass ich da was zustecke.
Ich gehe in meiner Weise damit um, gebe diesem Menschen eine freundliche Antwort, lächle ihn an und wünsche ihm dennoch einen schönen Tag, auch wenn ich nix für ihn hab.

In der Schule meiner Kinder sehe ich Armut auch immer massiver. Dort habe ich gehandelt, über den Förderverein. Mit anderen Eltern zusammen haben wir einen Förderverein gegründet, als meine Kinder in die Schule kamen, vor 10 Jahren. Dort nehmen wir Geld ein bei Schulfesten mit selbstgebackenem Kuchen oder anderen Elternspenden und wir haben inzwischen recht lukrative Einnahmen. Als uns auffiel und wir auch von Lehrern geschildert bekamen, dass immer mehr Kinder völlig ausgehungert in die Schule gehen und auch weder zu Essen noch zu Trinken beihatten, haben wir uns einen Pausenservice einfallen lassen. Die Kinder konnten sich eine zeitlang Brote, Obst und Getränke aus der Schulküche abholen, in der Eltern vom Förderverein was vorbereiteten. Inzwischen gibt es eine Mensa und dieser Service hat sich erledigt... die Schule hat nach unseren elterlichen Bemühungen dann selbst gehandelt.

Noch dichter vor der Haustür erlebe und beobachte ich bei Freunden, in der eigenen Familie, bei Bekannten und Nachbarn auch, dass sich der ein oder andere die letzten Tage eines Monats keine Lebensmittel mehr leisten kann... da schäle ich gerne mal ´n paar Kartoffeln mehr und lade spontan mal zum Essen ein, das ist dann ganz spontan.

Mit weihnachtlichen Spenden habe ich es allerdings nicht so am Hut... dieser Monat belastet mein Konto eh schon so, dass ich selbst aufpassen muss, noch ein Silvestermenü zum Monatsende zusammenzukriegen.

Das war´s von mir dazu ... ich finde deine Idee mit dem Wochenthema übrigens spitze ;-)

Liebe Grüße
Nicole


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