| Alfred J. Mühlbacher - Dem Himmel ein Stück näher |
| Geschrieben von: Frank |
| Samstag, den 30. September 2006 um 08:30 Uhr |
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Alfred Josef Mühlbacher ist Reiki-Meister aus Österreich. Seine
diesbezügliche Qualifikation und Ausbildungslinie lassen sich den
Personenangaben zu Beginn seines Reiki-Buches “Dem Himmel ein Stück
näher” nicht entnehmen, sondern sind auf Seite 130 untergebracht. Auf
den ca. 40 Einleitungsseiten finden sich stattdessen Gebetsgedanken und
Affirmationen, die eine stark esoterisch-christliche Ausrichtung seiner
Arbeit und des vorliegenden Buches deutlich machen. Dabei vertritt der Autor gleich die Ansicht, dass die klassische Reiki-Anwendung “sanftes Wohlbefinden, Harmonie, ein angenehmes Wärmegefühl, das wertvolle Auflösen von Blockaden im Meridiansystem, die Aktivierung in den Energiezentren sowie die Stärkung des Immunsystems” auslösen kann. Er dagegen würde zusätzlich mit einem “göttlichen Kraftstrom” arbeiten, einer tiefen göttlichen Verbindungskonzentration, die er durch persönliche Kontaktaufnahme zu Jesus herstellen will: “Erst dadurch löse ich den SELBSTHEILUNGSMECHANISMUS im Körper direkt aus und erziele dadurch die von der SCHÖPFUNG ERLANGTE HEILUNG”. (S. 14, diese und alle folgenden Hervorhebungen wie im Buch).
Danach folgen grundlegende Ausführungen über das Usui-System, die
aktuell und informativ sind. Jedoch sind die Lebensregeln ohne weitere
Hinweise erweitert und der Punkt “Wissenschaftliche Erkenntnisse über
Reiki” ist inhaltlich recht dünn.
Dass der Autor trotz dieses Hinweises mit den Standards jener
Vereinigung nicht viel zu tun hat, zeigt auch die Abbildung der Symbole
im dritten Teil “Ausbildungswissen für den zweiten Grad”. Auf 23 Seiten
werden die Symbole dargestellt, mit mir weitgehend unbekannten
Bedeutungsinhalten übersetzt - die aber möglicherweise früher einmal in
der Szene kursierten - und Anwendungsbeispiele gegeben. Symbole, die
bekanntermaßen nicht aus dem Japanischen stammen, werden als
“japanisch” bezeichnet. Auch dass bei einer Fernbehandlung “stets
sämtliche Vor- und Zunamen, sowie das Geburtsdatum und die derzeit
aktuelle Wohn- bzw. Geschäftsadresse” (S. 123) bekannt sein müssen,
erscheint mir arg übertrieben.
Im vierten, fast 50 Seiten starken Teil geht es um das
“Ausbildungswissen eines REIKI-MEISTERS”. Auch wenn der Autor wieder
seine “traditionelle” und “überlieferungskonforme” Lehre mit dem Usui
Shiki Ryoho betont, führt er dieses aufgrund der Übernahme des
3A-Grades, dessen Ursprung wohl im Radiance-System liegt, sowie der
Abbildung des Meistersymbols ad absurdum. Wobei letzteres auch seine
Aussage konterkariert, dass das Meistermantra einem Schüler erst
offenbart wird, wenn er in den dritten Grad eingeweiht wird. Die
weiteren Erklärungen zur Anwendung und Bedeutung des Symbols
unterscheiden sich von allen mir bekannten Quellen, so dass der Autor
aus meiner Sicht einen völlig eigenen Reiki-Stil zu praktizieren
scheint. Im weiteren finden sich zahlreiche Anwendungsbeispiele, die allerdings eher den zweiten als den dritten Grad betreffen sowie ein Aufruf an die Leser: “Helft mit, arbeitet viel und opfert eure Heilungen ‘für die Bekehrung der Sünder in dieser Welt’ auf.” (S. 174) Der eigentliche Reiki-Teil des Buches ist damit zu Ende. Im fünften Teil sollen Leser “Den Zugang zu den kosmischen Kraftquellen entdecken”, was einmal mehr nahe legt, dass der Autor Reiki gar nicht als “kosmische Lebensenergie” zu verstehen scheint. Affirmationen und Gebete, Kontakte mit Engeln und Geistwesen, Pendeln oder eine Anleitung zur tiefen Gottesverbindung sollen dabei helfen. Das Buch schließt mit dem sechsten Teil, wo “Praxiserfahrungen und Anwendungen unter Zuhilfenahme von geistig-medialem Therapiewissen” mitgeteilt werden. Alfred Mühlbacher betont dabei zu Recht die Übernahme von Mitverantwortung durch jeden Patienten als notwendigen Schritt zur Gesundung. In einer Liste alternativer Heilmethoden nimmt sich allerdings Nordic Walking als einzige Sportart eher ungewöhnlich aus. Es folgen Antworten auf ethische Fragen zu Themen wie Selbstmord oder Wahrheit, Exkurse über psychische Störungen oder die “richtige Einstellung zu geistigen Helfern”. Zum Ende hin stellt der Autor sein Seminarprogramm vor, das neben Reiki auch Ausbildungen in Bach-Blüten-Therapie, Pendeln und Rutengehen umfasst. Während die Anmutung der zweiten Auflage dieses Buches als Hardcover viel versprechend wirkt, deuten Schwächen im Innenlayout - vor allem durch die massiven Hervorhebungen - auf die möglicherweise liebevolle, aber letztendlich unprofessionelle Erstellung hin. Dazu wirken die einzelnen Kapitel, als wären die Unterlagen des Autors über seine jeweiligen Reiki-Seminare zu einem Buch zusammengepackt worden. Zahlreiche eigenwillige Sichtweisen bezüglich des zweiten und dritten Grades sowie die in meinen Augen sehr plakativ und kaum demütig wirkende Licht- und Liebe-Botschaft dürften das Werk nur für Anhänger einer stark esoterisch-christlichen Reiki-Praxis interessant machen. |

Eigenverlag, 2005, 320 Seiten, Preis unbekannt

