Andreas Dalberg: Der Weg zum wahren Reiki-Meister

München, 2000, 411 Seiten, 8,90 Euro
Veröffentlicht im Reiki-Magazin Nr. 1/2003


dalberg "Gerade die Reiki-Praxis erfordert tiefes Wissen um die Psyche eines Menschen. Ebenso gehören die esoterischen Grundsätze und ihre konkrete Anwendung im Leben zum täglichen Handwerkszeug eines Reiki-Praktizierenden" (S. 13) Aus dieser Sichtweise heraus hat der Autor den bislang einmaligen Versuch unternommen, in einem Reiki-Buch die Grundlagen von Psychologie und Esoterik zu vermitteln.

Im ersten Teil werden Grundbegriffe der Psychologie erläutert wie z.B. "Bewußtsein und Ich", "Das Unbewußte", "Das innere Kind" oder "Der Schatten". Denn nur mit "dem Wissen über sich selbst, die eigenen seelischen Dimensionen und Bereiche, ist man in der Lage, eigene Verhaltensweisen und erlebte Situationen in einen notwendigen Gesamtzusammenhang einzuordnen" und "Veränderungen im Leben zu gestalten" (S. 21)

Anschliessend werden diese Informationen in den Kontext der Esoterik eingebettet. Anhand von esoterischen Gesetzmäßigkeiten wie beispielsweise dem "Gesetz der Analogie" oder dem "Gesetz des energetischen Ausgleichs" kann der einzelne Mensch seine Eingebundenheit in den kosmischen Zusammenhang ebenso erkennen und verstehen lernen, wie die tiefere Bedeutung von Krankheit und Heilung. Dabei gibt der Autor interessierten Lesern durchgehend Fragen und Übungen an die Hand, die ihnen auf dem Weg der Selbsterkenntnis behilflich sein können.

Darauf aufbauend beginnt auf Seite 133 der dritte Buchteil über "Theorie und Praxis des Individuationsweges mit Reiki". Da dieser Teil die Informationen zu allen Reiki-Graden enthält, würde eine exakte Rezension den hier möglichen Rahmen sprengen. Somit muß ein Überblick und das Herausgreifen verschiedener Informationen genügen.

Interessant ist beispielsweise die Ansicht des Autors, daß ein Reiki-Kanal nach längerer Anwendungspause von Reiki wieder "verstopfen" kann. Diese wie auch einige andere seiner Ansichten lassen sich sicher in Frage stellen. Insgesamt gesehen sind die Informationen von Andreas Dalberg jedoch auf einem sehr hohen Niveau.

Anhand des Themas "Reiki und Geld" zeigt sich beispielsweise, wie differenziert er mit Reizthemen der Reiki-Gemeinschaft umzugehen vermag. Ohne eindeutiges Votum für hohe Preise einerseits und niedrige bzw. nichtexistente Geldbeträge andererseits vermag der Autor nachvollziehbare Gründe für jede dieser Sichtweisen zu geben. Die meist anzutreffende Abwertung einer Sichtweise entfällt bei diesem Thema ebenso wie an anderen Stellen.

Gleichwohl versagt es sich der Autor nicht, vor möglichen Fehlentwicklungen zu warnen, beispielsweise, daß immer mehr Menschen die Einweihung zum Meister erhalten, ohne die Lernaufgaben der vorhergehenden Grade bewältigt zu haben. Dabei definiert er die Schwerpunkte des ersten Grades beim körperlichen Aspekt sowie der Aufgabe, die eigene Persona zu erkennen, den Schwerpunkt des zweiten Grades auf der mentalen Ebene und der Arbeit mit dem persönlichen Unbewußten (Integration von Schatten und innerem Kind) und des Meistergrades beim seelischen Aspekt und dem Zugang zum astralen Bereich sowie der Aufgabe, die Archetypen des kollektiven Unbewußten zu integrieren (S. 188f, 408).

Die letztendliche, bewußte Arbeit auf der "Ebene des Lichts" (S. 288) ordnet der Autor zwei "Großmeistergraden" zu. Dieser "fünfte und sechste Grad" sowie die Funktion der dazugehörigen Symbole werden kurz vorgestellt. Während Andreas Dalberg jedoch laut dem Untertitel des Buches die "Symbole, Mantren und Einweihungsrituale aller Reiki-Grade" vorstellen will und dies – mit ein paar Abstrichen – auch in relativ fundierter Form tut, unterlässt er seine selbstauferlegte Offenheit allerdings an dieser Stelle ohne Angabe von Gründen.

Dafür gibt er den Praktizierenden der drei allgemein anerkannten Grade ein herausragendes Arbeitsbuch in die Hand. Nicht nur, daß alle Anwendungen wie die Eigenbehandlung oder die Techniken des zweiten Grades anschaulich erklärt werden, auch Reiki-Meister finden zahlreiche Übungen, die sie auf dem Weg zum Meister ihres Lebens weiterführen können.

Wem die Publizierung "geheimer" oder "heiliger" Bestandteile des Usui-Systems ein Dorn im Auge ist, wird diesem Buch sicher keine Aufmerksamkeit schenken wollen. Auch die wenigen unter uns, die den wundervollen Zugang zur Weisheit ihres Herzens gefunden haben, werden es kaum benötigen. Wer hingegen möglichst bewußt den Weg der Selbsterkenntnis gehen will, wird derzeit auf dem Büchermarkt kaum ein geeigneteres Reiki-Buch finden.


Nachbemerkung:

In der Ausgabe 1/01 begann das Reiki-Magazin mit der Rezension von Reiki-Büchern, die bei ihrem Erscheinen zumindest bei Teilen der Reiki-Gemeinschaft für Empörung gesorgt haben, da in ihnen Dinge veröffentlicht worden sind, die in der Ansicht mancher Praktizierender nicht zwischen Buchdeckel gehören.

Im Rahmen dieser Aufarbeitungen wurden folgende Bücher rezensiert: die Werke von Distel/Wellmann (in denen erstmals die Symbole veröffentlicht wurden), "Reiki ohne Lehrer" von Raj Petter/Dhyan Purnima sowie "Quo vadis, Reiki" von Heiner Vogelei, der mit seiner kritischen Betrachtung viele herausfordert, ihre bisherige Sichtweise zu prüfen. Mit der Rezension des Buches von Andreas Dalberg, das erstmals 1997 mit der Veröffentlichung aller Einweihungsrituale einen Teil der Reiki-Szene schockte, geht diese Serie nun nach zwei Jahren zu Ende.

Es ist zu hoffen, dass das Reiki-Magazin mit der möglichst objektiven Besprechung der Bücher seinen Beitrag zur Aufarbeitung verdrängter und ungeliebter Thematiken geleistet hat. Es hat sich gezeigt, dass jedes der Bücher – das schwer einschätzbare "Reiki ohne Lehrer" vielleicht ausgenommen – über unbestreitbare Qualitäten verfügt.

Aufgrund der zunehmenden Akzeptanz von verschiedenen Arten der Reiki-Praxis und der Tatsache, dass in den vorliegenden Büchern mit allen uns bekannten Tabus gebrochen wurde, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die bisherigen Diskussionen in der erlebten Vehemenz wiederholen. Auch wenn mir als Rezensenten die Gradwanderung nicht immer gelingen mag, so haben wir vielleicht verstanden, dass die eigene Praxis nur für uns selbst stimmig sein sollte. Und Toleranz gegenüber dem Andersdenkenden eine essentielle Lehre von Reiki ist.

 

Diesen Titel direkt bei Amazon bestellen

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin's Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

Geschrieben von Frank Doerr am Sonntag, den 19.Januar 2003 um 16:48 Uhr

Schlagworte: , , , ,

Bewertung:

Andreas Dalberg: Der Weg zum wahren Reiki-Meister: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
1,00 von 5 Punkten, basieren auf 1 abgegebenen Stimmen.
Loading...

5 Antworten zu “Andreas Dalberg: Der Weg zum wahren Reiki-Meister”
  1. Susanne sagt:

    Letzte woche bin ich auf das buch „der weg zum wahren reiki-meister“ gestoßen bzw. hat mich das buch gefunden
    Bin total begeistert. Es wird mir ein guter helfer auf meinem weg zum wahren reiki-meister werden.

    licht und liebe
    susanne

  2. Bastian sagt:

    Dieses Buch ist meiner Ansicht nach, das absolute Pflichtbuch für jeden Reikimeister.
    Ich habe noch in keinem Buch zum Thema Reiki diese gut nutzbare Verknüpfung von Psychologie, Esoterik und Reiki gefunden. Und genau diese Kombination ist meiner Ansicht nach unglaublich wichtig im Bezug auf Persönlichkeitsentwicklung.
    Und auch die Illustrationen in diesem Buch halte ich für gelungen.
    Also für jeden, der mit dem Gedanken spielt, Meister zu werden, es bereits ist oder den 2. Grad inne hat und an sich selbst arbeiten möchte ein absolutes Muss!!!
    Habe mir dieses Buch sogar fest binden lassen, da ich es immer wieder nutze und es im Taschenbuchformat einfach zu sehr gelitten hat.

  3. Traudel sagt:

    Ich kann mich den Kommtentaren von Susanne und Bastian nur anschließen. Ich habe den 1. Grad und das Buch hilft mir, die Zusammenhänge der Persönlichkeitsentwicklung und Reiki zu verstehen. Insbesondere die Arbeit am Inneren Kind finde ich sehr wichtig, wenn man den 2. Grad machen möchte oder gar Reiki-MeisterIn werden will.
    Schade finde ich es, das Herr Dalberg nur dieses eine Buch geschrieben hat. Und sehr erstaunt bin ich über sein Alter, in dem er das Buch geschrieben hat. Zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung war er nicht einmal 30 Jahre alt!

  4. Btreite Thomas sagt:

    Habe das Buch zu meinem 47 Geburtstag bekommen und mache seitdem bei den Anwendungen immer mehr Vortschritte. Die Erklärungen sind gut zu verstehen und ich kann nur jedem Reikieindringling raten sich nach dem I Grad das Buch von Andreas Dalberg zu besorgen. Mich hat auf jeden Fall das Reikifeuer ergriffen.

  5. Nofru sagt:

    Auch ohne dieses Buch zu lesen, habe ich mein inneres Kind geheilt und den 2. Grad im Reiki wollte ich schon gar nicht, deseiteren habe ich mich der Schattenarbeit gewidmet und das obwohl ich den ersten Grad mehr als ein Jahrzehnt nicht praktiziert habe.

    Es geht auch ohne … Sorry, aber eine Pflichlektüre würde ich dieses Buch nicht nennen und brauchbar war es für mich leider nicht, weder vor 10 Jahren noch heute.

Schreibe eine öffentliche Antwort