| Dieter Glogowski: Das Reiki-System der 8 Grade - nach Barbara Ray |
| Geschrieben von: Frank |
| Samstag, den 09. Dezember 2006 um 10:10 Uhr |
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Bereits der Titel dieses grafisch durchgehend sehr schön gestalteten Werkes ließ mich stutzen: Acht Grade? Auch wenn die bislang auf deutsch publizierte Literatur nicht sehr auskunftsfreudig über die höheren Radiance-Grade ist, so ist zumindest eines klar: Barbara Ray unterrichtet ein System der sieben Grade bzw. - wenn man alle A- und B-Grade einzeln zählt - ein zehnstufiges System. Es könnte sich hier also um eine Eigenerweiterung des Autors handeln, die leider an keiner Stelle des Buches dokumentiert wird.
Dabei startet Dieter Glogowski, laut Website des BFR derzeit zweiter Vorsitzender im „Bund Freier Reiki-Lehrer“, gleich mit sehr zweifelhaften Aussagen, die dem aktuellen Stand der Reiki-Forschung zuwiderlaufen: „Wir können davon ausgehen, dass Mikaomo Usui, der Begründer des Reiki, von der Existenz der acht Grade wusste und dieses Wissen nicht allen seinen Schülern vollständig weitergegeben hat. Dafür dass wir es mit mehr als den bereits bekannten 3 Graden zu tun haben, spricht auch die Tatsache, dass die Einweihungen in die einzelnen Reiki-Grade den einzelnen Chakraebenen zuzuordnen sind.“ (S. 10) Letzteres entspricht dem Gedankengebäude der TRTIA, doch wirkt der Zusammenhang arg konstruiert und wird durch die rechnerische Fehlleistung „Sieben Chakren – acht Grade“ gleich wieder ad absurdum geführt. Bereits auf Seite 6 finden sich die Reiki-Lebensregeln in einer veränderten bzw. erweiterten Form ohne entsprechende Hinweise, während sie auf Seite 17 in der klassischen westlichen Form publiziert werden, die aber als die japanische Version von Dr. Hayashi bezeichnet wird. Auch Angaben zu Gründungszeiten der Reiki-Organisation von Barbara Ray sind nicht korrekt (vgl. meinen Artikel „Die Radiance Technik“ im Reiki Magazin, Ausgabe 4/03). Die Ausführungen über das Reiki-Symbol sind - bevor sie ins Esoterische abgleiten - sicherlich bereichernd, da dieses Symbol in vielen Grundlagenwerken leider zu kurz kommt. Dann folgen Informationen zur Behandlung mit angenehm wenigen zehn Positionen bei der Selbstbehandlung, aber 24 Positionen bei der Partnerbehandlung. Die Abbildungen des menschlichen Körpers auf Seite 30f stammen aus dem Buch "Reiki-Essenz" von Diane Stein (S. 58f), ohne jegliche Quellenangaben. Die Symbole des zweiten Grades werden in Wort und Bild dargestellt mit einigen Abweichungen zu der Form, wie sie beispielsweise im Usui Shiki Ryoho gelehrt werden, oder sogar gespiegelt wie bei Diane Stein (vgl. Rezension im Reiki Magazin, Ausgabe 2/05). Manch absolut formulierte Aussagen wie „Auch die Fernbehandlung erfolgt an vier Tagen hintereinander“ (S. 57) oder „Fernreiki findet für die ganze Erde statt, täglich um 12 Uhr“ (ebd.) hätte ich mir differenzierter gewünscht. Die Erklärungen für die Symbole wirken weit hergeholt, beispielsweise dass das Mentalsymbol „beide Gehirnhälften“ (S. 67) darstellen soll. Die Gedichte zu den Symbolen sind weitestgehend aus dem Buch "Der Weg zum wahren Reiki-Meister" von Andreas Dalberg übernommen (vgl. in der Erstausgabe S. 217 und 225), allerdings wiederum ohne Quellenangabe. Anregend können dagegen die Anwendungsmöglichkeiten des zweiten Grades sein, von denen der Autor Karmareinigung, Sterbebegleitung oder die Möglichkeit, mit Reiki Ziele zu verstärken, kurz darstellt.
Danach geht es um den Meistergrad: „Eine der wichtigsten Funktionen des Meistersymbols ist seine Schutzfunktion“ (S. 89) behauptet der Autor - eine Zuordnung, die ich früher noch für das Kraftsymbol kennen gelernt hatte. Bei der Abbildung widerspricht zumindest der letzte Teil allen mir bekannten vertrauenswürdigen Quellen, indem die Kanji für Sonne und Mond nahezu gleich geschrieben werden.
Dann folgt ein Novum: die bislang von Radiance-Vertretern sehr unter Verschluss gehaltenen höheren Grade werden mit Mantren, Symbolen und Anwendungsgebieten in Bezug auf Krankheitssymbole und deren Behandlung vorgestellt. Inwieweit die Wiedergabe authentisch ist, können nur Vertreter des Radiance-Stiles beurteilen. Möglicherweise handelt es sich hier um Techniken, die als „Großmeistergrade“ in Teilen der freien Reiki-Szene gehandelt werden. Irritierend wirken aber auf jeden Fall die Herkunftsangaben „aus dem tibetanischen Reiki“, da es bislang keine Quellen zu diesem Thema gibt und auch der Autor keinerlei Erklärungen abgibt. Auch über die eigenen Qualifikationen und seinen Reiki-Weg gibt sich Dieter Glogowski leider recht zugeknöpft. Nach Exkursen zu esoterischen Themen wie Aurasehen oder Zahlenmystik findet sich lediglich der Hinweis „erfahrener Reiki-Lehrer“. Zahlreiche Fehlinformationen und eigenwillige Interpretationen statt qualifizierter Hintergrundangaben sowie nicht belegtes Kopieren anderer AutorInnen sprechen allerdings nicht für die Fachkompetenz des Autors. Somit dürfte das vorliegende Werk nur für diejenigen interessant sein, die gern ohne Netz und doppelten Boden mit undokumentierten energetischen Techniken unbekannter Herkunft experimentieren wollen.
Erstveröffentlichung im Reiki-Magazin Nr. 1/2007 |




Kommentare
Es gibt wesentlich bessere Bücher über diese Stile.
leider muss ich Euch recht geben. Auch ich bin sehr enttäuscht von diesem Werk. Ich war schon sehr überrascht über die vielen negativen Rezessionen bei "Amazon".
Ich stimme Ihrer Rezession und dem Kommentar von "Bine" voll zu. Das Buch ist, grade in der heutigen Zeit, ein Buch, was man nicht unbedingt unter dem Weihnachtsbaum wünscht.
Ich persönlich fände es besser, wenn der Verlag dieses Werk so schnell wie Möglich aus dem Verkehr ziehen würde.
Herzliche Grüße
Frank
Ausserdem ist einiges im Buch doppelt - Behandlungs- und Symptombeschrei bungen tauchen völlig identisch an mehreren Stellen des Buches auf.
Ansonsten verweise ich auf den Newsletter 1/2007 von Einar Stier (www.lichtsegen.de), in dem dieser u.a. schreibt: "Aus seiner umfangreichen Recherche im Internet hat sich der Autor des "Reiki-Systems der 8 Grade nach B. Weber-Ray" ein Märchen gedichtet, seine Internet-Quellen nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin geprüft, und so einiges durcheinander gebracht". Und weiter: "Der 7. und 8. Grad (nach meiner eigenen Zählweise), Dai Ji Yu und Dai Hey Wa, stammen aus dem Jahre 2000 und sind von Wolfgang Keil und mir (unter Mithilfe einer meiner japanischen Schülerinnen Makiko U.) entwickelt worden. [...] Leider ist das im Buch abgebildete Symbol des 8. Grades, das "Dai Hey Wa", verändert worden, sowohl in der Schreibweise als auch in der Schwingung entspricht es nicht mehr dem Original".
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