Frank Doerr (Hrsg): Das Reiki-Meister Buch


Reiki-Meister Buch
Windpferd Verlag, Aitrang 2006, 216 S., 12,90 Euro

Zum Thema „Reiki-Meistergrad“ gibt es derzeit nur wenig Literatur. So
ist es umso erfreulicher, dass jetzt ein weiteres Buch herausgekommen
ist, das sich diesem Gebiet widmet. Was das Buch von anderen Werken zum
Thema unterscheidet, sind die vielfältigen, qualitativ hochwertigen
Beiträge seitens langjährig tätiger, namhafter Reiki-Meister, die an
dieser Anthologie beteiligt waren.

Frank Doerrs zweite Anthologie ist durch die gezielte Auswahl von nur acht Autoren stimmiger und runder als die Erste, in der gleich 21 Autoren verschiedene Aspekte der Lebensregeln beleuchteten (siehe Rezension im Reiki Magazin, Ausgabe 2/06).

Eingangs, in der Geschichte, die von Fokke Brink erzählt wird, wollen John und Janina aus unterschiedlichen Gründen Reiki-Meister werden. Sie sprechen darüber mit ihrem Meister, stellen Fragen zu dessen Reiki-Meisterweg und wie man zur Meisterschaft mit Reiki gelangen kann. An manchen Stellen, so finde ich, hätte Fokke sich ruhig kürzer fassen können. Nichtsdestotrotz bespricht er in seinem Beitrag anschaulich die Fragen, Sorgen und Gedanken, die jemand in der Zeit vor der Meisterausbildung haben kann und gibt damit wichtige Anstöße für jeden, der darüber nachdenkt, diesen Weg zu gehen. Beim Lesen der Geschichte wird ersichtlich, dass Fokke sich mit der Person des Meisters selbst zu porträtieren scheint. Diesen Kunstgriff finde ich insofern bedenklich, als dass der Reiki-Meister in der Geschichte so dargestellt wird, als hätte er die Meisterschaft schon vollkommen erlangt – doch welcher Meister kann dies schon von sich behaupten bzw. würde dies tun, selbst wenn er innerlich spüren mag, dass er an diesem Punkt zu stehen scheint?

„Grundlegende Fragen, Stufen, Systeme… und Märchen“ ist der Untertitel des von Frank Doerr verfassten Beitrags, der an zweiter Stelle in diesem Buch steht. Darin gibt er Anregungen zur Wahl des richtigen Reiki-Meisters für die Meisterausbildung – ein wichtiges Thema, denn an einen Meister, der andere wiederum zu Meistern ausbildet, so Frank, werden erhöhte Anforderungen gestellt. Weiterhin wird auf verschiedene Versionen von Meistergraden und auch auf den in der Reiki-Szene mittlerweile weit verbreiteten 3a-Grad und dessen Herkunft eingegangen, sowie auf die Frage, ob dieser Grad Sinn macht und welche Alternativen es hierzu gibt. Eine wie ich finde sehr effektive Übung, z. B. zur Vorbereitung auf das Einweihungsritual, um sich energetisch zu reinigen oder auch um in seinen eigenen inneren Raum zu gelangen – Hatsurei Ho – beschreibt Frank auf Seite 40.

Seinem erlernten Beruf als Psychotherapeut wird Harald Wörl in dem von ihm verfassten Beitrag „Reiki-Meisterschaft – Eine Chance zur Des-Illusionierung“ gerecht. Er konfrontiert uns mit unseren eigenen Schatten und deckt spezielle „Fallen“ auf, die auf einen Reiki-Meister warten können. Die absichtlich provokant gestellten Fragen und Thesen veranlassen einen dazu, über den eigenen Umgang mit Reiki nachzudenken. Thematisiert werden verschiedene Sichtweisen wie z. B. „Reiki als Ware“ oder auch die Lehrer- Schüler-Beziehung, die Harald Wörl aus psychotherapeutischer Sicht beleuchtet.

Im folgenden Beitrag gibt Walter Lübeck einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten, mit Reiki lehrend tätig zu werden. Auf ganz weltliche Fragen, die sich jeder Reiki-Meister vor einem Seminar oder zu Beginn der Selbstständigkeit stellen sollte, gibt Walter Lübeck Antworten und viele Tipps dazu. Solche Fragen sind u. a.: „Soll ich ein eigenes Zentrum aufmachen oder lieber im familiären Rahmen Reiki-Seminare geben?“- „Was gehört zu einem Seminar und wieviel Platz soll ich pro Person einrechnen, so dass sich jeder wohl fühlt?“ – „Welche Werbemöglichkeiten gibt es bzw. sind passend für mich?“

 

Wie schon im „Großen Buch der Reiki-Symbole“ geht Mark Hosak in seinem Beitrag auf die ursprüngliche Bedeutung der einzelnen Schriftzeichen des Meistersymbols ein und erläutert diese auf Basis seiner Forschungen in Japan. Um dieses Symbol ranken sich viele Märchen und Mythen, und ihm werden immer wieder neue Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten nachgesagt. Mark Hosak sammelte insgesamt 17 solcher „märchenhaften Behauptungen“ und geht der Reihe nach auf diese ein bzw. räumt mit ihnen auf.

Für einen weiteren Beitrag gelang es Frank Doerr, Tadao Yamaguchi und Frank Arjava Petter als Interviewpartner zu gewinnen. Die Einweihung und Einstimmung in Reiki ist hier das Thema, das sowohl von westlicher als auch von japanischer Seite her beleuchtet wird. Das Interview ist inspirierend und gibt Anregungen für die eigene Reikipraxis und den Umgang mit Einweihungen. Die respektvolle Haltung, Reiki und den Einstimmungen gegenüber, wird hier besonders spürbar. Dabei betont Tadao Yamaguchi einmal mehr die Tatsache, dass in jedem Fall eine Einstimmung in Reiki nötig ist, bevor überhaupt Reiki gegeben werden kann. Allerdings entsteht beim Lesen des Interviews der Eindruck, dass Yamaguchi Fragen von Frank ausweicht oder nicht näher beantworten möchte, was zu Lasten der Tiefe dieses Beitrages geht.

Auf einfühlsame Weise beschreibt Don Alexander im Folgenden seinen Weg mit seinen thailändischen Meistern und mit Reiki. Das tiefe Gefühl für Reiki und Energie ist in jedem Satz spürbar und wirkt ungemein inspirierend – auch die Fragen von Peter Mascher sind einfühlsam gestellt, tragen zu mehr Verständnis bei und zeugen von einem tiefen Kontakt der beiden untereinander, der von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Wunderschön! Für mich als Reiki-Meisterin ist dieses Interview das Herzstück des Buches, indem es mir eine Ahnung davon vermittelt, wie gelebte Meisterschaft aussehen kann.

Im Folgenden geht es um das „Innere Retreat in 21 Tagen“, das Peter Mascher für sich persönlich, während seiner Ausbildungszeit bei Don Alexander, entwickelt hat. Die Dauer, 21 Tage, leitet sich ab von der 21-tägigen Meditation Mikao Usuis auf dem Berg Kurama. Bei dem „Inneren Retreat“ geht es darum, Gewohnheiten und Muster in sich zu ändern und sich selbst auch die Zeit dafür zu nehmen (und zu gönnen), diese Veränderungen in das eigene Leben zu integrieren.

Die liebevolle Art, in der Peter Mascher diesen Prozess beschreibt, zeugt auch von einem liebevollen Annehmen seiner selbst und der Gefühle, die im Laufe dieses Prozesses entstehen. Unterstützt wird das „Innere Retreat“ von einigen praktischen Übungen, die im Buch beschrieben werden. Den eigenen Weg als Meister zu finden, ist bei der heutigen Anzahl an Büchern und Meinungen nicht immer leicht. Es ist ein Prozess, den jeder Reiki-Meister für sich gehen muss. Hilfreich hierbei kann eine fundierte Meisterausbildung sein.

Oliver Klatt versteht es, in seinem Beitrag „Endlich Meister sein – und was dann?“ die Veränderung und Ergänzungen auf dem Meisterweg anhand seiner eigenen Erfahrungen aufzudecken und zu beschreiben. Sich mit anderen Reiki-Meistern auszutauschen, kann auf vielen Teilen des Weges wichtig sein, so Oliver, auf anderen kann es aber auch störend wirken, da sich das Gefühl der Routine und innerer Ruhe durch ständige Einflüsse nicht einstellen kann.

Wer die Reiki-Meisterschaft gerne aus esoterisch- spiritueller Sicht betrachtet, für den ist der Beitrag von Karin E. J. Kolland gerade richtig. Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, durch Reiki mit allem verbunden zu sein, aus seinem Herzen heraus zu handeln und die Reiki-Meisterschaft, in ständigem Gottvertrauen, unter Gottes Führung zu stellen – das sind nur einige Themen, die sie in ihrem Beitrag behandelt. „Bin ich bereit, das Risiko einzugehen, das mit dieser neuen Erfahrung der Freiheit verbunden ist?“ (S. 192) ist eine Frage von vielen, die sie angehenden oder schon lehrenden Meistern stellt und die dazu dienen sollen, für sich selbst herauszufinden, ob man wirklich schon bereit ist, den Weg zur wahren spirituellen Meisterschaft zu gehen.

Ganz im Gegensatz zu vieler anderer Reiki-Literatur ist dieses Buch erfrischend bodenständig. Es vereint Beiträge von Autoren unterschiedlicher Stilrichtungen wie Jikiden Reiki, Usui Do, Rainbow Reiki, Usui Shiki Ryoho sowie von freien Reiki-Lehrern. Alle Autoren leben Reiki auf ihre Weise, und trotzdem finden sich in den relevanten Punkten, die Reiki-Meisterschaft betreffend, immer wieder Übereinstimmungen. Alle Beiträge zeugen von Respekt und Hingabe zu dieser Energie und dem System, mittels dessen Reiki gelehrt wird. Dieses Buch ist ein Appell an alle Reiki-Praktizierenden, sich Zeit zu lassen und geduldig zu sein. Der Weg zum Reiki-Meister geht über den Titel hinaus. Mit und durch Reiki kann man immer noch tiefer eintauchen in die Energie, das System und sich selbst.

 

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen, weitere Informationen auf der Website Reiki-Meister-Grad.de oder zur Diskussion im Reikiland-Forum.
Erstveröffentlichung der Rezension im Reiki-Magazin Nr. 3/07

Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki. Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

Geschrieben von Janina Koeck am Samstag, den 14.Juli 2007 um 09:52 Uhr

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Eine Antwort zu “Frank Doerr (Hrsg): Das Reiki-Meister Buch”
  1. Heike sagt:

    Ich danke Frank Doerr, dass er diese Sammlung auf den Weg gebracht hat. javascript:ac_smilie(“)
    akocomment
    Auch wenn so mancher nicht die „eindeutig Meinung“ findet, die er sucht, sich in ihr bestätigt fühlt und deshalb dieses Buch vielleicht für überflüssig hält, so bin ich froh dass ich es lesen konnte.

    Im Überlegen ob ich reif bin für den Meistergrad, habe ich mir außerdem noch weitere 2 Bücher gekauft. Aber hier fand ich was ich einerseits suchte, fand mich bestätigt in meiner Sichtweise und fand genau so gute Anregungen meine Position zu überdenken.

    Und so bunt wie die Welt ist mit ihren zigtausend Blumen, ist auch die Reiki-Kraft in ihrem Spektrum, ebensoviele Meinungen kann man finden.

    Auch wenn ich wohl nie das Geld haben werde mich in Japan um zuschauen und/oder die großen ReikiMeister zutreffen, glaube ich, dass ich mit Reiki etwas weitergeben kann, Menschen helfen kann.

    Mich hat dieses Buch darin bestärkt meinen ganz persönlichen eigenen Weg zu gehen. Es hat mich ihn finden lassen, mich dahin gebracht in mich hineinzuhorchen.

    Meine Meinung steht fest, allerdings noch nicht der Termin für meinen Weg zum Reiki-Meister!

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