| Jakob Bösch: Spirituelles Heilen und Schulmedizin |
| Geschrieben von: Franziska Rudnick |
| Montag, den 07. Dezember 2009 um 17:18 Uhr |
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Was kommt dabei heraus, wenn ein Hirnforscher und Psychiater, zuletzt leitender Arzt für Psychiatrie an einer Schweizer Uni-Klinik, sich mit geistigem Heilen beschäftigt? Ein Ergebnis ist ein Buch wie dieses: essayistisch im Stil und gut zu lesen. „Spirituelles Heilen und Schulmedizin“ ist dabei auch eine Einführung in das komplexe, spannende Thema des Verhältnisses zwischen Schulmedizin und spirituellem Heilen. Der Schweizer Mediziner Jakob Bösch befasst sich seit vielen Jahren mit geistigem Heilen und erforscht zudem die Arbeit von geistigen Heilern in der Schulmedizin. Zu Wort kommen in seinem Buch, neben etlichen anderen, Physiker wie Max Planck, David Bohm und Erwin Laszlo, Hirnforscher wie Carl Pribram und geistige Heiler wie Sylvia Wallimann und der Engländer Harry Edwards - was deutlich macht, dass eine scharfe Trennlinie zwischen Phänomenen der Physik, Medizin und denen des Geistes nicht gezogen werden kann. Generell scheint eine solche Trennung eine Illusion, was schon in der Einleitung deutlich wird, wo der Autor den Physikdozenten und ehemaligen Astronauten Brian O'Leary zitiert, der von der Not der Erde spricht und sich für deren Heilung ein „zweites Erwachen der Wissenschaft“ wünscht. Hier sieht Jakob Bösch Parallelen zur Schulmedizin und deren gegenwärtiger Krise. Denn sowohl die Krise des Planeten als auch die der Medizin beruhen auf einer Wissenschaft, die Jahrhunderte nach der zunächst befreienden Trennung von kirchlichen Doktrinen nun inzwischen selbst erstarrt ist und in einem materialistischen Weltbild gefangen. Mit seinem Buch möchte Jakob Bösch zeigen, wie eine „Neuorientierung der Medizin“ möglich ist und wie die „lebendige Seele“ wiederentdeckt werden kann. Denn sie hat, so stellt er fest, „die Kraft zu heilen“. Doch zunächst fragt er, was die Schulmedizin durch Integration der Seele, von Spiritualität und spirituellem Heilen gewinnen könne? Sie könnte einen weiten, umfassenden Blick auf den Menschen erlangen und ihn als ein sich fortwährend entwickelndes Wesen sehen, getrieben von der Frage nach dem Sinn des Lebens und dem von Krankheit. Doch die Sinnfrage stellt laut Jakob Bösch zugleich eine Verbindung her zwischen Medizin und Religion, sowie zwischen den Störungen der Gesundheit und denen, die im Wesen des betreffenden Menschen zugrunde liegen. In der psychosomatischen Medizin sind solche Zusammenhänge längst bekannt. Im Bereich der Religion liegt traditionellerweise auch die Versöhnung, die für Jakob Bösch unabdingbar zum Heilungsprozess gehört. Wie ein Versöhnungsprozss geschehen und was er für Auswirkungen haben kann, wird vom Verfasser ebenso beschrieben wie die Ergebnisse zahlreicher Bewusstseinsforschungen. Zudem spannt der Autor den Bogen weiter, bis hin zu seinen Ansichten bezüglich medizinischer Standards. Dabei geht der Forscher mit dem Dogma der randomisierten Doppelblindstudie ins Gericht und stellt dar, was der Glaube an sie in der heutigen Medizin für Auswirkungen hat, nicht allein hinsichtlich der Akzeptanz komplementärmedizinischer und spiritueller Heilmethoden, die eben gerade nicht in die standardisierten Schemata passen. Es ist nicht neu, dass diese hochkontrollierten Studien auch einen extrem vereinfachenden Blick auf das System Mensch haben, welcher dem Geschehen im menschlichen Körper nicht gerecht wird. Der Mensch sei eher mit Begriffen der fraktalen Mathematik oder der Chaostheorie zu beschreiben, als mit Statistiken. Lebende Systeme lassen sich nicht statisch beschreiben, geistiges Heilen oder die Wirkung von Gebet auch nicht. Statistiken missachten, dass Heilung auch von der Kommunikation zwischen Arzt und Patient beeinflusst wird. Alles ist Beziehung, so Jakob Bösch, der Beobachter beeinflusst das, was er beobachtet - eine objektive Welt gibt es nicht. In allem begegne der Mensch sich selbst, auch Ärzte bedürfen der Heilung. Das Buch ist ein Appell des Verfassers an die Medizin, sich auf Neues, das zugleich alt und zeitlos ist, zu besinnen: „ganzheitlich“ zu behandeln bedeute, eine andere Sicht auf den Menschen und die Materie zu entwickeln. Diese Sicht beschreibt Bösch als einer, der selbst von dem fasziniert ist, was er sieht. Erstaunliches trägt er zusammen über das, was den Menschen ausmacht; manches mutet fast magisch an. „Spirituelles Heilen und Schulmedizin“ ist gespickt mit informativen Geschichten aus der Welt der Bewusstseinsforschung, die z. B. in China und in der ehemaligen Sowjetunion faszinierende Ergebnisse zutage gefördert hat und noch fördert, sowie mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung, der Physik und der Psychiatrie. Doch ist das Buch leicht zu lesen, aufgrund des flüssigen Stils, selbst da, wo es in Bereiche des Paranormalen geht. Jakob Bösch regt die Leser dazu an, neue Gedanken zu denken: „Gestehen wir uns ein, dass die Wissenschaft ein nie aufhörender kreativer Prozess ist.“ Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen. |

AT Verlag, 2007, 168 Seiten, 17,90 €

