| Klaus-Dieter Platsch: Was heilt |
| Geschrieben von: Franziska Rudnick |
| Dienstag, den 11. Oktober 2011 um 10:00 Uhr |
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Konsequenterweise heißt denn auch eines der Kapitel in diesem Buch: „Grundfelder des Menschen“. Hierin versucht der Autor, eine neue Sprache zu finden, um den Menschen zu beschreiben, sozusagen im Lichte der Energie- und Informationsmedizin. Dabei formuliert er spannende Gedanken, die bisher für selbstverständlich Gehaltenes in Frage stellen. Dieses Kapitel ist relevant für das genaue Verständnis dessen, was Klaus-Dieter Platsch möchte und wie er den Menschen sieht. Hierzu gehört eine für einen Mediziner wohl ungewöhnlich kritische Sicht auf das Thema Organtransplantation. Dr. med. Platsch leitet sie daher ab, dass der Mensch für ihn mehr ist „als die Summe der Einzelteile“ und der Geist eben nicht allein im Gehirn lokalisiert. Der Autor greift die einseitig auf den Verstand ausgerichtete und von diesem dominierte Vorgehensweise in der Medizin an, denn der Verstand sehe immer nur eine Abstraktion, eine Herleitung, selten aber das, was sei. Konsequenterweise hebt Platsch daher andere Vorgehensweisen hervor, begleitend zum verstandesmäßigen Erfassen eines Patienten; Sensitiviät und Intuition seitens des Arztes sind gefragt, die jedoch aus einem „Raum jenseits des Verstandes“ herkommen. Generell betont der Verfasser immer wieder die besondere Qualität des Miteinanders, weil das für ihn ein entscheidendes Kriterium einer guten Arzt-Patienten-Beziehung ist. Besonders wichtig ist dieses Miteinander für den Anstoß von Heilungsprozessen; denn hier liegen auch Risiken. Eines der größten liegt in der Diagnosestellung selbst: die Diagnose kann unter Umständen auch für den behandelnden Arzt zur Blockade werden, je nachdem, wie er sie wertet. Schlimmstenfalls erwächst daraus eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, weil das fachliche Wissen des Mediziners, nämlich dessen Kenntnis von Prognosen für den möglichen Verlauf einer bestimmten Krankheit, unter Umständen keinen Spielraum lässt für Überraschungen und ungeahnte Wendungen, die eben nicht einer z. B. negativen Prognose entsprechen. Die Begegnung von Arzt und Patient findet statt in dem, was der Autor das „heilende Feld“ nennt. Es ist eine Beziehung, und es ist ein Raum, beides ist voller Chancen und Möglichkeiten für Heilung, die jenseits der Methoden und Medizinsysteme geschehen kann. Nicht allein der Arzt, sondern auch der Patient hat aktiv mitzuwirken am Heilungsprozess. Dabei betont Platsch immer wieder, dass Heilung nicht gemacht werden kann. Selbst wenn Arzt und Patient alles richtig machen, ist sie nichts, was sich erzwingen lässt. Doch: sie kann geschehen. Theologisch gesprochen könnte man dies „Gnade“ nennen, die sich ereignet. Die Grundlage zu schaffen, dass diese Gnade geschehen kann, ist Aufgabe des Arztes. Tragende Säulen dieser Aufgabe sind erlernbare Kompetenzen und Gaben wie: Fachliche Kompetenz, Intuition, Sensitivität, Offenheit und Liebe. Manchmal geht der Autor Klaus-Dieter Platsch bei der Beschreibung dessen, was er sich wünscht, in seinem Ärztebild über das hinaus, was gemeinhin als „Arzt“ verstanden wird – bei ihm wird der Mediziner zum Heiler, gar zum Priester. Denn zu dem, was Ärzte tun können für ihre Patienten, gehört auch, so Klaus-Dieter Platsch konkret: „für Patienten beten.“ Der Autor weiß, wovon er schreibt. Klaus-Dieter Platsch ist Arzt für Innere Medizin, Chinesische Medizin und Psychotherapie. Ferner ist er Dozent der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, Lehrbeauftragter der Universität Herdecke sowie Leiter der Tagungsreihe "Medizin und Spiritualität" und des Instituts für Integrale Medizin. Seine reiche Erfahrung bildet die Grundlage dieses Buchs, das in einer ruhigen, sachlichen und gleichwohl poetischen Sprache geschrieben ist. Viele berührende Fallbeispiele und schonungslos offen erzählte Erlebnisse des Verfassers zeigen, wie eine ganzheitliche Medizin aussehen kann und welches Bild vom Menschen ihr zugrunde liegt. Ein Menschenbild, gewonnen auch aus der Innenschau des Meditierenden. Die Gedanken von Dr. med. Platsch sind inspirierend. Dennoch bleibt eine Frage offen, obwohl der Verfasser selbst die dem Arzt gesteckten Grenzen durch Verwaltungsaufwand und Stress im Umgang mit Krankenkassen andeutet. Die Frage lautet: Wie kann sein Entwurf umgesetzt werden? Der Krankenhausbetrieb lässt Ärzten oft keine Zeit, sich eingehend mit Patienten zu befassen. Sollte die Umsetzung nur den Ärzten möglich sein, die über private Krankenkassen abrechnen und somit mehr Zeit für den einzelnen Patienten haben? Das wäre schade. Doch vielleicht bleibt es keine allzu ferne Utopie, dass die wertvollen Anregungen des Autors tatsächlich in der täglichen Praxis angewendet werden können. Jeden Tag ein paar Augenblicke mehr.
Einschätzung der Reiki Magazin Redaktion: Inspirierend!
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MensaSana/Knaur, München, 2009, 272 Seiten, 8,95 €
