Kurt Langbein: Weissbuch Heilung

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Ecowin, 208 Seiten, 22,95 Euro

Was sind Spontanheilungen? Wie entstehen sie? Und welche Bedingungen können zu ihnen beitragen? Ja, was könnte überhaupt Heilung sein?

Solchen und ähnlichen Fragen widmet sich der Wissenschaftsjournalist Kurt Langbein, selbst vor einigen Jahren an Krebs erkrankt und inzwischen genesen. Ergebnis seiner weltweiten Recherche ist das „Weissbuch Heilung. Wenn die moderne Medizin nichts mehr tun kann“. Faszinierende Antworten hat Langbein gefunden und in seinem Buch zusammengetragen. Sie kommen aus einem offenem Geist, der bereit ist, auch jenseits bekannter Pfade nach Wegen zu suchen, die gegangen werden können, um kranken Menschen zu helfen. Dabei sieht diese Hilfe häufig unkonventionell aus, etwa, wenn der Verfasser sich zu einer Geistheilerin begibt und darüber berichtet. Er sucht mehrere dieser Heiler auf, darunter auch Teresa Schuhl.

Der Wissenschaftsjournalist lässt zudem Fakten sprechen: Ergebnisse von Studien und Meta-Analysen solcher Studien – mit erstaunlichen Konsequenzen. Obwohl es eigentlich nichts Neues ist, dass Intentionen, Design und Auswertungen solcher Forschungsstudien eine große Rolle spielen, so ist doch erstaunlich, was für Konsequenzen diese mitunter haben können. Somit scheint manches Mal der Grund zu schwanken, auf dem diese medizinischen Forschungen betrieben werden. Langbein benennt auch die Motivation für solche Studien, deren Geldgeber und Nutznießer. Ein offenes Geheimnis, eigentlich, aber die Zahlen, die er präsentiert, verblüffen dann doch.

Doch Kurt Langbein belässt es nicht bei der schnöden Materie, er nimmt alles auf, was er finden kann, wovon die Medizin sich Erkenntnisgewinn verspricht. Dazu gehören auch die Untersuchung der Gene und deren Rolle, die Hirnforschung und deren Erkenntnisse sowie grenzüberschreitende Ausflüge zu anderen Gebieten der Erforschung des Menschen, seines Körpers und seines Lebens. Da nimmt es auch nicht wunder, dass Langbein beispielsweise einen Ausflug in die USA nach Detroit macht, um herauszufinden, was Armut, Isolation und Perspektivlosigkeit für verheerende Auswirkungen auf die Menschen und deren Gesundheit haben können, zumal in dieser sterbenden Stadt ein seinerzeit funktionierendes Gemeinwesen ebenfalls stirbt. Was ist geschehen? Detroit, jahrzehntelang die Fabrik der US-amerikanischen Automobilindustrie, steht still, zuletzt hat der größte Autobauer seine Fabriken dort geschlossen. Massenhafte Arbeitslosigkeit und fehlende Einnahmen für die Stadt sind die Folge.

Die Ursache von all dem, was „Heilung“ ausmacht und zu ihr beitragen kann, ist paradoxerweise auch das gleiche, was krank machen kann. Allem, was Kurt Langbein in seinem höchst lesenswerten Buch zusammengefasst hat, liegt eine Erkenntnis zugrunde, die inspirieren oder verstören kann, je nachdem, wer sie betrachtet: der Mensch ist eine wichtige Quelle der Heilung. Ebenso Gemeinschaft, Wertschätzung, Anerkennung, Liebe. Das Gefühl, ein sinnvolles Leben zu führen, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der zur Heilung beitragen und einen Menschen gesunden lassen kann.

Fehlt dies alles oder einzelne Komponenten davon, kann es den Menschen erwiesenermaßen schwer „kränken“, was die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht oder im Krankheitsfalle die Genesung verzögert oder sogar ausbleiben lässt.

Doch nicht allein diese gleichsam „handfesten“ Faktoren sind relevant, sondern auch die Erwartung, die jemand hat, ob er gesund wird oder krank. In der Placebo-Forschung ist dies bekannt. Am Ende seines Buches trägt der Verfasser auf Basis seiner gewonnenen Erkenntnisse wertvolle Tipps zusammen, die dazu beitragen können, sich auf den Weg der Genesung zu machen oder gut für sich zu sorgen.

Kurt Langbein geht es nicht um ein Entweder-Oder, Schulmedizin oder alternative Therapien. Er sucht die Verbindung von beidem, denn er weiß aus eigener Erfahrung, dass sie zusammen stark sind. Jede der beiden medizinischen Welten hat etwas zu bieten, von dem die andere profitieren kann. Ohne die sogenannte konventionelle Medizin wäre es zuweilen unmöglich, einen Patienten komplementärmedizinisch zu behandeln, weil erst und nur sie die Voraussetzungen dafür schaffen kann, etwa bei akutem Organversagen oder aggressiven Tumoren. Dennoch macht Kurt Langbein eine Einschränkung: „Die wichtigen Eingriffe schaffen praktisch nie das tiefer liegende Problem aus dem Weg.“ Er führt aus: „Sie können aber ein wichtiges Stück des Weges zur Lösung des Problems frei machen. Die Problemlösung ist die Selbstheilung.“

Einschätzung der Redaktion:
Hochinteressant – lesenswert!

 

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Franziska Rudnick

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

Geschrieben von Franziska Rudnick am Freitag, den 04.März 2016 um 09:48 Uhr

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