Llyn Roberts & Robert Levy: Schamanisches Reiki

Heyne Verlag, 2011, 352 Seiten, 9,99 €Llyn Roberts & Robert Levy: Schamanisches Reiki

„Neue Wege für die Arbeit mit der universalen Lebensenergie“ verspricht der Untertitel dieses Buches. Das hört sich gut an. Ein Buch, das genau meinen Geschmack trifft, so dachte ich mir. Ich praktiziere sowohl Schamanismus (Huna) als auch Reiki – und beides in etwa seit gleich langer Zeit. Ähnlich wie bei Reiki, mit seinen verschiedenen Richtungen und Stilen, ist Schamanismus nicht gleich Schamanismus. Auch hier gibt es verschiedene Richtungen, die meist kulturell geprägt sind und in verschiedenen Ecken der Welt ihren Ursprung haben können.

 

Zunächst einmal zur Gestaltung des Buches: Das Buch ist schön aufgemacht, die Hand auf dem Cover, mit verschiedenen Symbolen vor blauem Hintergrund, das sieht gut aus. Und auch was das Lektorat angeht, ist es professionell umgesetzt, wie man es von einem größeren Verlag erwarten darf. Jedoch: Inhaltlich betrachtet stehe ich dem Buch zwiespältig gegenüber. Das beginnt schon beim Klappentext: „Reiki und Schamanismus sind machtvolle Wege der Heilung. Hier werden ihre Kräfte zum ersten Mal miteinander vereint“.

Dem kann ich nicht zustimmen. Hat nicht Walter Lübeck schon in den frühen 1990er Jahren schamanische Techniken mit Reiki verbunden und so u. a. das Rainbow Reiki begründet? Die Autoren beziehen sich in ihrer Arbeit ebenfalls auf Anfang der 1990er Jahre. Außerdem gibt es mittlerweile viele Reiki-Praktiker und -Lehrer, die sich neben Reiki auch zum Schamanimus hingezogen fühlen und dieses schon seit sehr vielen Jahren miteinander verbinden.

Der Titel des Buches, „Schamanisches Reiki“, ist meines Erachtens zu weit gegriffen. Beim Lesen des Buches kommt es mir so vor, als wären beide Methoden nicht gleich gewichtet worden. Freundlich betrachtet geht es in rd. 80 Prozent des Buches um Schamanismus und dessen Techniken, und nur in rd. 20 Prozent um Reiki. So ergibt sich ein Ungleichgewicht, welches den Titel nicht rechtfertigt. Zugegeben, für mich als schamanisch interessierten und praktizierenden Leser sind die Beiträge interessant, die Übungen durchaus sinnvoll, die Annahmen schlüssig. Als Buch zum Thema Schamanismus sehr empfehlenswert. Für ein Reiki-Buch allerdings zu mager.

Schamanisches Reiki, wie die Autoren es verstehen und lehren, arbeitet hauptsächlich mit schamanischen Techniken. Dies sind z. B. Extraktionen, schamanische Reisen etc. Reiki wird dann zu diesen Techniken einfach hinzugenommen. Eine Sitzung könnte demnach beispielsweise so aussehen: Ein Klient kommt, es gibt ein Gespräch, man einigt sich auf eine schamanische Methode. Zu Beginn wird durch Reiki ein Entspannungszustand und eine leichte Trance herbeigeführt, dann wird die schamanische Technik angewandt – nehmen wir an, wir extrahieren energetisch Etwas –, und dann wird, um das entstandene Energiedefizit zu füllen, wieder Reiki benutzt.

Eine interessante Technik, die im Buch dargestellt ist, in der wirklich eine tiefer gehende Verbindung zwischen Reiki und schamanischen Methoden hergestellt wird, ist eine schamanische Reise zur Quelle von Reiki oder auch, ab dem zweiten Grad, schamanische Reisen zu den Reiki-Symbolen. Eine schamanische Reise zu beispielsweise den Reiki-Symbolen kann neue innere Welten über die Bedeutung der Symbole eröffnen bzw. die Beziehung zu ihnen verstärken. Die Reise ist eine einfache, effektive Technik, um in die eigenen Bilderwelten einzutauchen und das innere Wissen und die innere Weisheit zu aktivieren.

Die theoretischen Teile des Buches zeigen mir, dass die Autoren sich stark mit Reiki auseinandergesetzt haben und einen großen Erfahrungsschatz zu haben scheinen, dabei zugleich sehr geerdet sind. Mir gefällt, dass sie einen intuitiven Behandlungsansatz haben und den Leser ermutigen, auf die eigenen Empfindungen und Inspirationen zu hören. Jeder kann sich aus dem Buch herausnehmen, was er möchte – und das, was bei ihm anklingt, für sich verwenden oder so gestalten, dass es für ihn stimmig ist. Hier ein Zitat aus dem Buch, das ich sehr treffend finde: „Um den Fluss der Reiki-Energie zu optimieren, kommt es vor allem darauf an, Körper und Atemtätigkeit zu entspannen, keine Erwartungen zu hegen, ganz präsent zu sein und sich der Weisheit jedes einzelnen Augenblicks hinzugeben“

Wie man in diesen Zustand gelangt, bleibt jedem selbst überlassen. Die regelmäßigen Reiki-Selbstbehandlungen helfen sicherlich dabei. Ebenso kann die ein oder andere schamanische Technik auch das ihrige dazu tun. Mir gefällt es, wenn schamanische Techniken dazu benutzt werden, um tiefer mit Reiki zu gehen und den Erfahrungsschatz zu erweitern. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Blockaden, Ängs­ten und natürlich auch seiner inneren Schönheit und Weisheit ist sowohl im Schamanismus als auch im Reiki gegeben. Das wichtige bei beidem ist, es regelmäßig anzuwenden – denn die Geschenke offenbaren sich meist erst durch die kontinuierliche Anwendung, egal welche spirituelle Richtung man einschlägt.

Mein Fazit: Wer Reiki praktiziert und sich für das Thema Schamanismus interessiert, findet in diesem Buch bestimmt einen spannenden Begleiter. Es ist ein wunderbares, schamanisches Buch, das für Einsteiger interessant ist – und auch den ein oder anderen Anstoß für Fortgeschrittene bereit hält. Wer schon länger eine Form der Verbindung von Schamanismus und Reiki praktiziert, für den wird es wahrscheinlich nicht sehr viel Neues hergeben. Auch Personen, die sich hauptsächlich für Reiki interessieren und eine neue, spannende Reiki-Lektüre suchen, werden hier wahrscheinlich nicht fündig. Es gibt empfehlenswertere Reiki-Bücher auf dem Markt, für die man sein Geld sinnvoller anlegen kann.

Einschätzung der Reiki Magazin Redaktion: Für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet

Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki. Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

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Eine Antwort zu “Llyn Roberts & Robert Levy: Schamanisches Reiki”
  1. GFRHAL sagt:

    Nun ich lese genau dieses Buch gerade und kann die Rezession nicht ganz so nachvollziehen. Die Autoren des Buches erklären ausdrücklich, dass es ihre Absicht ist eine Anregung für den Reiki-Praktizierenden geben zu wollen, woraus sich ergibt das es sich beim Leser um einen mindestens in den ersten Grad Reiki eingeweihten handeln müsste. Insofern geben sie (die Autoren)klar und deutlich zu verstehen, dass dieses Buch sich nicht ausdrücklich an Reiki-Interessierte richtet. Explizit weisen sie sogar auf die zahlreichen Bücher / Veröffentlichungen hin die für Reiki-Interessierte vorhanden sind.

    An jeder erdenklichen Stelle weisen die Autoren darauf hin die vorgestellten Methoden „dem Heilkörbchen“ des Reiki-Praktizierenden hinzufügen zu können, wenn man das denn will.

    Die Einschätzung der Reiki Magazin Redaktion „Für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet“ halte ich in Bezug auf Reiki- Interessenten/Anfänger deshalb für ungeeignet. Zutreffend ist diese wenn es sich um Schamanismus handelt.

    Zum Anderen möchte ich auch Bedenken dahingehend anmelden Methoden die auch die Oberstiufe des autigenen Trainings z.B. oder Praktiken der Psychotherapie als auschließließlich „schmanistische Methoden“ zu deklarieren.

    Aus meiner Sicht aber ein unbedingt lesenswertes Buch an dem mir persönlich insbesodnere die Wertschätzung des Lesers ganz besonders positiv aufgefallen ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Gerd Fröhlich-Rockmann

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