Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn

sheldrake-der-wissenschaftswahnO.W.Barth, 496 Seiten, 24,99 Euro

Fast möchte ich es als „Anstiftung zum Selberdenken“ bezeichnen: Mit seinem neuesten Buch „Der Wissenschaftswahn: Warum der Materialismus ausgedient hat“ legt der weltbekannte, mittlerweile 70 Jahre alte Biologe Rupert Sheldrake eine weitgespannte Zusammenschau seiner Erkenntnisse und eine Abrechnung mit den heutigen Naturwissenschaften in ihrer gegenwärtigen Gestalt vor.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts beherrscht diese Gestalt die Wahrnehmung der Welt: nämlich, dass „alles seiner Natur nach materieller oder physischer Art ist, auch der Geist“. Naturwissenschaft als Begriff stand und steht bislang für alles, was objektiv wirkt und unerschütterlich sein soll. Sie ist der Boden, auf dem unser Weltbild sich entwickelt hat und auf dem vieles ruht, was man als die Errungenschaften der gegenwärtigen Zivilisation betrachten kann. Ohne die einst befreienden Erkenntnisse der Naturwissenschaften befände die Menschheit sich noch immer im Mittelalter, jener Epoche, die mit Unwissenheit und Dunkelheit in Verbindung gebracht wird, sowie nicht zuletzt unter der Herrschaft der Religion und des kirchlichen Glaubens, die eine freie Entwicklung des Geistes beeinträchtigten, wenn nicht gar verhinderten.

Mittlerweile aber befinden sich die Naturwissenschaften, die ihre Macht ab dem Ende des 16. Jahrhundert zu entwickeln begannen und im frühen 20. Jahrhundert auf ihren bisherigen Höhepunkt zustrebte, in genau dieser Rolle, behauptet Rupert Sheldrake: sie beeinträchtigen Entwicklungen und behindern sich selbst. Wie einflussreich diese Behinderungen sind, zeigt der Verfasser an Beispielen wie der Berechnung der Gravitationskraft oder der Lichtgeschwindigkeit auf.

Rupert Sheldrake stellt in „Der Wissenschaftswahn“ zehn naturwissenschaftliche Thesen – er nennt sie „Dogmen“ – vor, die in ihrer Form Zirkelschlüssen ähneln. Wie das aussieht, zeigt er etwa in der Diskussion um die Gene und deren Funktion. Wenn von materialistisch eingestellten Naturwissenschaftlern behauptet wird, Gene seien „egoistisch“ (und Lebewesen dienen nur zu dem Zweck, dass Gene sich vermehren können), dann setzt dies aber voraus, dass sie ein Bewusstsein haben. Dabei wird in derselben Argumentationskette aber versucht, genau das zu widerlegen.

Sein Buch hat Rupert Sheldrake geschrieben „für die Wissenschaften. Ich wünsche mir die Naturwissenschaften weniger dogmatisch und dafür wissenschaftlicher.“ Wie das aussehen könnte, dem widmet sich sein neuestes Buch ausführlich. Die zentralen zehn Kapitel des Buchs sind alle nach demselben Schema aufgebaut: Zunächst erfolgt eine Standortbeschreibung zum jeweiligen Thema: Wo befindet sich die Wissenschaft samt ihren gegenwärtig aktuellsten Denkern jetzt? Darauf folgt die Fragestellung: Was gibt es an Fakten, die dies stützen oder infrage stellen? Und schließlich – als Angebot an den kritisch eingestellten Leser – folgen stets Sheldrakes „Fragen an Materialisten“ sowie eine kurze Zusammenfassung des gesamten Kapitels.

Es gibt kaum einen Bereich der gegenwärtigen Naturwissenschaften, den der Verfasser in seinem Buch nicht diskutiert. Mit der Quantenphysik beginnt, mit der mechanistischen Medizin beendet er seine persönliche Auseinandersetzung mit den zehn Dogmen. Abschließend stellt er in zwei gesonderten Kapiteln Überlegungen zur „Illusion der Objektivität“ und der „Zukunft der Wissenschaft“ an.

Sheldrake nimmt seine Leser mit auf eine spannende Reise. Sie führt in Gefilde wie die Evolution, die Rolle der Gene und die Frage nach dem Verhältnis von Gehirn und Geist. Ein  weiteres behandeltes Thema sind „Unerklärliche Phänomene“, dabei geht es u.a. um Telepathie und Vorahnungen.

Wegbegleiter durch dieses Buch sind nicht nur zahlreiche Anekdoten, die Rupert Sheldrake aus dem Wissenschaftsbetrieb zu erzählen weiß, sondern auch seine Theorie, mit der er weltbekannt – und umstritten wurde: die Theorie der Morphogenetischen Felder. Sie ist sein schlüssig klingendes Angebot zur Erklärung des scheinbar Unerklärlichen, zumindest eine Anregung, in diese Richtung zu denken.
Das Spannende an „Der Wissenschaftswahn“ ist nicht nur die Tatsache, dass Rupert Sheldrake es versteht, mit seinen Überlegungen, Vermutungen und Provokationen neugierig zu machen und zum Nachdenken anzuregen, sondern auch, dass er zeigt, wie es anders aussehen könnte. Nicht nur im Bereich der Medizin wäre dies möglicherweise befreiend.

Einschätzung der Redaktion: Ein Paukenschlag! Wer spirituell und wissenschaftlich interessiert: Unbedingt lesen!!

Dieser Artikel wurde verfasst von Franziska Rudnick

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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