Reiki-Austauschtreffen – die Erfahrung von Gemeinschaft

veröffentlicht im Reiki-Magazin Nr. 1/05


Ein Reiki-1 Kurs dauert in der Regel drei Tage. Danach ist jeder Schüler hinsichtlich der Praxis auf sich gestellt. Manche haben Freunde oder Verwandte, die ebenfalls Reiki haben, von denen sie sich mal mit Reiki verwöhnen lassen oder mit denen sie ihre Erfahrungen austauschen können. Viele haben diese Möglichkeiten nicht. Genau deshalb gibt es Austauschtreffen – um Reiki und die Erfahrungen des Reiki-Weges mit anderen teilen zu können.

Schon bei Usui und Hayashi hatten Reiki-Treffen eine wichtige Funktion: die Schüler erhielten mit Reiju eine Energieübertragung, sie rezitierten die Lebensregeln zur Bewusstmachung des geistigen Überbaus, sammelten Erfahrungen im Reiki-Geben und auch heute noch kann der Meister dabei feststellen, inwieweit ein Schüler reif ist für den nächsten Schritt.

Ablauf eines Austauschtreffens

AustauschMeistens werden Reiki-Treffen von Meistern angeboten – aber auch Treffen ohne einen anwesenden Lehrer sind möglich. Bei mir dauert ein solches Treffen beispielsweise zweieinhalb Stunden. Die erste halbe Stunde dient dem Erfahrungsaustausch. Schüler können Fragen zu ihrer Reiki-Praxis stellen oder einfach nur berichten.

Danach wird das praktiziert, was ich „Rudelreiki“ nenne: drei bis sechs Reiki-Praktizierende gehen an einen Tisch, einer legt sich hin und die anderen legen ihm die Hände auf – an Positionen, die der Form entsprechen, an Zusatzpositionen, die der Empfänger sich vielleicht wünscht, an Stellen, die die Intuition weist, oder einfach dorthin, wo Platz ist. Die verfügbare Zeit von zwei Stunden wird dabei in der Regel möglichst gleichmäßig unter allen Anwesenden aufgeteilt, so dass jede Position zwischen drei und fünf Minuten gehalten wird – eine freiere Praxis ist natürlich auch möglich.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Schwierig kann es werden, wenn zu Austauschtreffen Schüler kommen, die bei verschiedenen Meister unterschiedliche Dinge gelernt haben. Dann ist es nötig, eine gemeinsame Basis zu vereinbaren. Manche glauben beispielsweise, sie müssten erst eine Aura-Schutz erhalten – andernfalls darf ihnen niemand Reiki geben. Andere bestehen bei der Kopfposition als Empfangende immer darauf, ein Tüchlein übers Gesicht gelegt zu bekommen – was in meinen Augen nur Sinn macht, wenn der Gebende wahrnehmbar schwitzt. Oder sie kriegen eine Krise, wenn jemand seinen Ehering nicht ablegt. Wieder anderen ist es schon geschehen, dass bei Austauschtreffen von Schülern eher esoterisch ausgerichteter Meister erst mit Hilfe der Pendeltechnik ausgetestet wurde, ob sie das „richtige“ Reiki in ihren Händen hätten.

Ich empfehle, die Praxis im Sinne Hawayo Takatas möglichst einfach zu halten: Hände drauf und fertig. Dazu möglichst keine Anwendung von Symbolen oder Affirmationen ohne Absprache mit dem Empfänger. Kein offenes Zeichnen der Symbole oder Aussprache der Mantren, wenn nicht alle Anwesenden mindestens den zweiten Grad haben. Keine Diagnosen oder Vermutungen, dass jemand „irgendwo etwas haben könnte“ – höchstens ein Austausch über die eigene, persönliche Wahrnehmung, wenn dies von allen Beteiligten auch gewünscht wird.

Eigene Treffen veranstalten

Reiki-TrainWer selbst Reiki-Treffen anbieten will, braucht nicht viel: einen ruhigen, störungsfreien Raum, zumindest eine Möglichkeit, wo Behandelte bequem liegen können. Dafür benötigt man nicht unbedingt einen Massagetisch, auch ein Küchentisch lässt sich mit Iso-Matten und Decken kuschelig herrichten – oder man zieht gleich auf den Boden um. Dazu kann man alles nehmen, was die Atmosphäre verschönt: Entspannungmusik, Duftlampen, Kerzen etc. Wasser und Tee zum Trinken sowie etwas zum Knabbern kann man richten oder die Gäste bitten, etwas davon mitzubringen. Viele Meister praktizieren ersteres und bitten um einen kleinen Obulus von fünf oder zehn Euro.

Manche Meister laden zu Austauschtreffen auch Menschen ein, die noch kein Reiki haben. Oder plötzlich stehe jemand in der Tür, der das Austauschtreffen mit einem Informationsabend verwechselt hat. Ich empfehle für einen solchen Fall, denjenigen zu integrieren. Er erhält von den anderen Reiki und darf selber mal die Hände auflegen. Er gibt dann zwar nicht Reiki, hat aber eine gute Erfahrung hinsichtlich des Vorher-Nachher-Effekts nach einem Kursbesuch. Wenn jemand dazu nicht bereit ist, sondern das Austauschtreffen als kostenlose oder billige Reiki-Sitzung missbrauchen will, schicke ich denjenigen wieder nach Hause.

Gemeinschaft erfahren

Austauschtreffen bieten stets die Möglichkeit, eine der wichtigsten Erfahrungen mit Reiki zu machen: Gemeinschaft. Wer Reiki immer nur für sich selbst praktiziert, dem kann dieser Punkt entgehen. In Gemeinschaft dagegen begegnet man anderen und dadurch sich selbst. Wenn gar, wie bei dem Reiki-Festival in Gersfeld, mehr als hundert Menschen gemeinsam in einem Raum Reiki geben, entsteht zuweilen eine Intensität, dass die Luft prickelt und glüht.

Ich selbst fand es immer wieder spannend, auf Treffen den Schülern anderer Meister zu begegnen. Dann hatte ich nämlich die Chance, andere Formen der Praxis kennen zu lernen oder einfach die meinige zu überprüfen. Gefiel mir etwas, integrierte ich es. Wenn nicht, gewann meine eigene Praxis eine schärfere Kontur.

Persönliche Erlebnisse

In diesem Leben habe ich mittlerweile mit hunderten von Menschen Reiki ausgetauscht: mit Kindern und Greisen, mit Reiki-Neulingen und respektablen Lehrern. Da gab es Reiki in kleinen Kammern und großen Hallen, in vertrauter Runde oder beim Picknick in öffentlichen Parks. Da gibt es Erinnerungen an Momente, wenn in tiefer Stille plötzlich ein Glucksen im Bauch nach oben stieg und in tosendem Gelächter aller Beteiligten endete. Da gibt es das Bild einer übergewichtigen Dame, die sich voller Vorfreude über die kommende Behandlung auf eine Massagebank warf, die daraufhin krachend zusammenbrach. Da waren die Momente, wenn nur noch Reiki floss und ich mich mit allem um mich herum verbunden fühlte. Da waren Menschen, die nach dem Austausch plötzlich etwas von sich zeigten: eine Sängern, die eine Arie zum Besten gab, ein vorher verschlossener Mann, der einfach nur noch weinte. Und da sind vor allem die Gesichter der Menschen während des Austauschs: wenn ein inneres Strahlen voll Friede über ihr Gesicht zu schimmern beginnt.

Manchmal erlebte ich Austauschtreffen in tiefer, meditativer Stille und manchmal erlebte ich Treffen voll Lachen und Ausgelassenheit. Immer aber erfuhr ich Reiki.

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin's Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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Eine Antwort zu “Reiki-Austauschtreffen – die Erfahrung von Gemeinschaft”
  1. gitti sagt:

    ein wunderschöner artikel, der mein gesicht zum strahlen bringt.
    habe seit 5 wochen reiki 1. grad und bereits wunderschöne erfahrungen gemacht damit.
    die idee mit dem reiki treffen finde ich sehr schön und es ist eine tolle anregung.
    vielen dank und herzliche grüße

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