2.1 Gegenstandsbereich Parapsychologie

Reiki Wissenschaft Definition: Im Jahre 1889 erschien in der Zeitschrift SPHINX ein Artikel von Max Dessoir mit dem Titel „Die Parapsychologie", der folgende Passage enthält:

Bezeichnet man nach Analogie von Wörtern wie Paragenesie, Paragoge, Parakope, Parakusis, Paralogismus, Paranoia, Parergon u.s.f. mit Para -etwas, das über das Gewöhnliche hinaus oder neben ihm hergeht, so kann man vielleicht die aus dem normalen Verlauf des Seelenlebens heraustretenden Erscheinungen parapsychische, die von ihnen handelnde Wissenschaft ,Parapsychologie‘ nennen. (Dessoir, 1989, zitiert nach Schmidt, 2002, S. 19).

Der Begriff setzte sich durch. Eine aktuelle Definition Irvins (1989, S. 1) beschreibt Parapsychologie als die wissenschaftliche Untersuchung von Erfahrungen, welche nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand außerhalb der menschlichen Möglichkeiten liegen.

Rush (1986, S.4, zitiert nach Schmidt, 2002, S. 20) betont mehr die von keinem bekannten physikalischen Mechanismus vermittelte Interaktion (sensorisch wie motorisch). Allen Definitionen gemeinsam ist jedoch die negative Bestimmung des Gegenstandsbereiches – es ist das Unbekannte, bislang Unerklärliche bzw. den herrschenden Theorien und Paradigmen Widersprechende, was erfasst werden soll. Dies macht die Definition des Gegenstandsbereiches der Parapsychologie problematisch, da das Unbekannte sich bestenfalls umschreiben lässt, einer exakten Festlegung jedoch per definitionem nicht zugänglich ist.

Gegenstandsbereich: Der Gegenstandsbereich der Parapsychologie wird unterschiedlich weit gefasst. Die einen rechnen Astrologie, Ufo-Sichtungen und Pyramidenforschung mit hinzu, für andere findet parapsychologische Forschung ausschließlich unter kontrollierten Bedingungen im Labor statt.

Paranormale Phänomene werden üblicherweise in zwei Hauptkategorien unterteilt:

Außersinnliche Wahrnehmungen (ASW), wozu Telepathie, Hellsehenund Präkognitionen, das Vorauswissen zukünftiger Ereignisse, gehören, und Psychokinese(PK), der   mentale Einfluss auf physikalische Ereignisse ohne Anwendung irgendeiner bekannten physikalischen Kraft (Grabowski & van der Meer, 2001, S. 218).

Um einen Eindruck des Feldes seriöser wissenschaftlicher Untersuchungen zu vermitteln, sollen im Folgenden einige der bekanntesten Forschungsansätze genannt werden.

Neben der Untersuchung spontan auftretender Fälle wie Poltergeistphänomenen, Erinnerungen an frühere Leben bzw. der Arbeit mit Sensitiven und Begabten werden heute vor allem kontrollierte Laboruntersuchungen durchgeführt. In den Bereichen der ASW seien hier das Ganzfelddesign (Telepathieexperimente, bei denen der Empfänger einer Ganzfeldstimulation ausgesetzt ist), die Traumtelepathie (Zielreize werden während des Schlafes übermittelt), Kartenexperimente (Rateexperimente unter Hellseh- oder Präkognitionsbedingungen) und das Remote Viewing (Hellsehen ferner Orte) erwähnt. Psychokinetische Einflüsse werden unter anderem durch die Beeinflussung von Zufallsgeneratoren (Random Event Generator – REG), Würfelexperimente, paranormale Fotographie (auf Fotos erscheinen Bildelemente, die nicht abgelichtet wurden) oder Metallbiegen untersucht.

Ein für den Gegenstandsbereich dieser Arbeit besonders interessantes Forschungsgebiet sind die so genannten mentalen Interaktionen mit lebenden Organismen, zu denen auch die Fernheilungsforschung gezählt werden kann. Neben klinischen Fernheilungsstudien seien hier DMILS (Direct Mental Interaction of Living Systems – Versuch der physiologischen Beeinflussung einer VP aus der Ferne), und das Remote Staring (Anstarren bzw. intensives Beobachten einer verblindeten VP) genannt.

Geschichtliches: Auf die Frage, wann die Parapsychologie endlich Anerkennung unter anderen Wissenschaftlern finden werde, pflegte Richard Broughton zu antworten, dass dies der Fall sei, wenn die Parapsychologie Eingang in Hilgard und Atkinsons Introduction to Psychology finden werde (Broughton 1991, S. 277). Dies ist seit 1990 der Fall.

In der 13. Auflage von Hilgards Einführung in die Psychologie (Grabowski & van der Meer, 2001) finden „Psi-Phänomene" auf fünf Seiten eine offene und unvoreingenommene Würdigung. Der Abschnitt befasst sich, nach Abgrenzung des Forschungsfeldes und Vorstellung der wichtigsten Ansätze, Probleme und Kontroversen, vor allem mit der Ganzfeld-Debatte und der Metaanalyse (MA) als zunehmend wichtigem Instrument des Erkenntnisgewinnes in der parapsychologischen Forschung.

Die Geburtsstunde der wissenschaftlichen Parapsychologie wird häufig mit der Gründung der britischen Society for Psychical Research im Jahre 1882 festgesetzt. Die frühen Jahre und Jahrzehnte parapsychologischer Forschung waren von der Überprüfung und Erforschung spontan auftretender Phänomene dominiert. Einen markanten Wendepunkt stellt das Jahr 1934 dar, in dem J. B. Rhine mit der Einführung standardisierter Karten- und Würfelexperimente neue Maßstäbe setzte. Die Erforschung paranormaler Phänomene erfuhr dank Rhines Forschungsansatz erstmals in ihrer Geschichte Aufmerksamkeit und Anerkennung von Seiten eines breiteren wissenschaftlichen Publikums.

Der Durchbruch zur allgemeinen Anerkennung der Parapsychologie wurde jedoch auch mit der sich seither zunehmend ausbreitenden Laborforschung nicht erreicht – die Effekte erwiesen sich als sehr schwach und schwer replizierbar. Während laut Broughton (1992, S. 365) in den siebziger Jahren aufgrund einer Reihe neu entwickelter Forschungsmethoden wieder Aufbruchstimmung innerhalb der parapsychologischen Forschungsgemeinschaft herrschte, habe sich zu Beginn der achtziger Jahre Ernüchterung ausgebreitet, da auch die neuen Ansätze kein wirklich besseres Verständnis, geschweige denn die Akzeptanz der wissenschaftlichen Gemeinschaft erbracht hatten.

Neuen Wind in die Segel bekam die Parapsychologie mit dem Aufkommen der ersten MA Mitte der achtziger Jahre, welche durch die Zusammenschau ganzer Forschungsbereiche Effekte nachweisen konnten, wo vorher nur endlose Reihen widersprüchlicher Einzelergebnisse vorlagen. Zudem hat das Mitte der siebziger Jahre in die Parapsychologie eingeführte Ganzfelddesign eine Popularität und Anerkennung erlangt, die ihm den Ruf als „Flaggschiff" der Parapsychologie einbrachten (Schmidt, 2002, S. 36), welches der Parapsychologie letztendlich auch zum Durchbruch nach Broughtons Definition verhalf.

Eine wirkliche, allgemeine Anerkennung der Parapsychologie und ihrer Forschungsergebnisse hat jedoch bislang noch nicht stattgefunden – bis heute werden die Ergebnisse von weiten Kreisen der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Frage, wenn nicht gar in Abrede gestellt. Hierzu trägt maßgeblich auch eine verbreitete „Skeptiker"-Bewegung bei, die das zweischneidige Schwert der Kritik jedoch recht einseitig gegen die Parapsychologie verwendet und sich damit dem Verdacht aussetzt, mehr weltanschaulich-ideologisch als wissenschaftlich motiviert zu sein.

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