2.3 Gegenstandsbereich Östliche Spirituelle Systeme

Reiki WissenschaftFerner Osten: Lebensenergetische Vorstellungen sind im weltanschaulichen, religiösen und medizinischen Denken des Fernen Ostens tief verwurzelt. Hierbei nimmt der Begriff des Chi, oder auch Qi, eine zentrale Rolle ein. Es soll sich in Form zweier grundlegender Qualitäten – Yin und Yang – manifestieren. Im menschlichen Organismus soll Chi in einem Netz von Kanälen, den Meridianen, durch den Körper fließen und dabei an mehreren hundert Punkten der Haut an die Oberfläche dringen.

An diesen Punkten könne mittels Akupunktur oder Akupressur Einfluss auf den Energiefluss und -haushalt genommen werden. Die Meridiane sollen – wie Flüsse in die Meere – in die so genannten Dantians münden. Die Aufnahme von Chi erfolge durch Luft, Nahrung und Wärme. Gesundheit und Krankheit hängen nach Auffassung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vom (im gesunden Zustand ungehinderten) Fluss des Chi, der verfügbaren Menge an Chi, sowie dem Gleichgewicht zwischen Yin und Yang ab. Andere Formen der Arbeit mit Chi stellen z. B. das Qi Gong oder die Kampfsportarten dar.

Mittlerer Osten: Im Mittleren Osten ist der etwa um 1500 v. Chr. entstandene Hinduismus weit verbreitet – in Indien gehören ihm bis heute etwa 80 %der Bevölkerung an (Microsoft Encarta 97 Enzyklopädie, 1996). Allgemein kennzeichnend für den Hinduismus ist neben der Vielfalt seiner Göttervorstellungen die Darbringung von Opfergaben, das Klassen- und Kastensystem, die Lehre von Karma und Wiedergeburt sowie das Ziel, dem endlosen Kreis der Wiedergeburten zu entrinnen.

Als größte Figur der indischen Religionsgeschichte gilt Buddha (ca. 563-486 v. Chr.), der mit der religiösen Autorität der Veden (alte hinduistische Schriften) brach und bestehende Vorstellungen religiöser und ethischer Art in ein konsistentes Glaubensgefüge integrierte. Die vielfältigen Göttervorstellungen des Hinduismus wurden von Buddha zwar toleriert, spielten jedoch nur eine untergeordnete Rolle, während er die hinduistische Wiedergeburtslehre übernahm. Buddha stellte Leben als Leid dar, durch Unwissenheit und materielles Denken begründet, und predigte zur Überwindung des Leids den Achtfachen Pfad, dessen wichtigste Inhalte Moral, Meditation und Weisheit darstellen.

Durch die Befolgung dieses mittleren Weges zwischen den Extremen der Maßlosigkeit und der Selbstkasteiung soll es möglich sein dem endlosen Kreislauf der Wiedergeburten zu entrinnen und Eingang ins Nirwana zu finden (Microsoft Encarta 97 Enzyklopädie, 1996). Ähnlich wie im fernöstlichen Raum ist lebensenergetisches Denken auch im Mittleren Osten weit verbreitet. Es wird hier von einer Prana genannten Lebensenergie ausgegangen, die ebenfalls in spezifischen Energiekanälen, den so genannten Nadis, fließen soll.

Die Nadis sollen bis in die Aura ausgreifen und auf diesem Wege die Verbindung zum Kosmos herstellen. Ferner wird, vergleichbar mit der TCM, davon ausgegangen, dass entlang der Wirbelsäule eine Reihe wirbelnder Energiezentren (meistens sieben) existieren – die so genannten Chakren (Sanskrit: Räder) – welche auch in Verbindung zum vegetativen Nervensystem und bestimmten Hormondrüsen stehen sollen. Als indisches Pendant zur TCM sei an dieser Stelle das Ayurveda erwähnt. Ferner wird davon ausgegangen, dass neben dem physischen Körper noch zwei weitere unsichtbare Körper existieren: Der feinstoffliche Körper und der so genannte Kausalkörper. Die tibetische Überlieferung spricht auch von einem leuchtenden Diamantleib, der im grobmateriellen Körper verborgen sei und nur bei vollkommen vergeistigten Menschen während der Meditationsekstase als leuchtender Heiligenschein sichtbar werde.

Kundalini und Erleuchtung: Bereits vor Jahrtausenden entwickelte sich aus den Vorstellungen eines die verschiedenen Körper durchgreifenden Energiesystems die spirituell orientierte Praxis des Yoga, während sich aus dem Tantra-Yoga wiederum das Kundalini-Transformationssystem entwickelte. Kundalini wird als eine im menschlichen Körper latent vorhandene Form der Lebensenergie beschrieben, welche, vom unteren Ende der Wirbelsäule ausgehend, durch Meditation und Yoga-Übungen „erweckt" werden könne und bei Fortsetzung der Übungen beginne, die Wirbelsäule entlang bis zum Scheitel aufzusteigen, wobei sie sich ihren Weg durch Blockaden und Chakren „frei brenne". Gobi Krishna, der diesen Prozess autobiographisch beschreibt, erklärt, dass sich mit zunehmender Kundalini ein höheres Bewusstsein entwickele und bezeichnet die Kundalini-Energie als die Quelle der Genialität , künstlerischer Talente, sowie wissenschaftlicher und intellektueller Hochleistungen.

Nach Erwachen der Kundalini soll ein langjähriger Anpassungsprozess an die Energie nötig sein, dessen höchste Stufe die Erleuchtung darstelle (Krishna, o. J., zitiert nach Eggetsberger, 1996, S. 19 f.). Erleuchtung wird hierbei durchaus auch als physiologischer Zustand verstanden, der eintreten soll, nachdem das Scheitel-Chakra gereinigt und energetisch aufgeladen sei, sich nach außen stülpe und in Form des auch aus biblischen Darstellungen bekannten Heiligenscheines erstrahle. Ein mögliches physiologisches Erklärungsmodell hierzu bietet z. B. die Biophotonentheorie (Bischof, 1999). Der Kundalinigedanke wird in der Regel als zur indischen Philosophie gehörig angesehen. Laut Gobi Krishna (o. J., zitiert nach Eggetsberger, 1996, S. 19 f) sollen sich jedoch auch in Schriften aus Ägypten, Griechenland und anderen Kulturen Hinweise auf die Kenntnis der Kundalini finden lassen.

Tantrismus: Hervorgegangen ist der Kundalini-Gedanke aus dem Tantrismus, welcher eine weitere wichtige spirituelle Strömung des Mittleren Ostens darstellt. In Indien erlebte der Tantrismus ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. eine Blütezeit und gewann erheblichen Einfluss auf Hinduismus und Buddhismus. Von Uhlig (2001, S. 38 ff.) werden Vorläufer des Tantrismus sogar als die Urformen religiöser Vorstellungen und Kulthandlungen dargestellt, deren Zeugnisse sich bis zu den Anfängen der Menschheit zurückverfolgen lassen sollen. Im Gegensatz zum Buddhismus ist der Tantrismus weltzugewandt und lebensbejahend. Er verfolgt ein ähnliches Ziel – die Rückkehr in die Einheit mit dem Universum – bloß dass er hierfür einen anderen Weg einschlägt. Im Tantrismus werden irdische Gegebenheiten, u. a. auch die Sexualität, aufgegriffen und für die spirituelle Transformation genutzt. Nicht die Abwendung von der Welt, sondern das Hindurchgehen und darüber Hinauswachsen ist der tantrische Weg. Reiner Tantrismus ist heute vor allem noch in Nordindien zu finden, doch sind der Hinduismus sowie der tibetische Buddhismus bis heute stark tantristisch beeinflusst.

Zusammenfassung: Im Mittleren wie im Fernen Osten entwickelten sich schon vor tausenden von Jahren Vorstellungen eines den menschlichen Körper durchgreifenden Energiesystems, welches sowohl zur Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Gesundheit genutzt werden könne, als auch Möglichkeiten zu spirituellem Wachstum und zur Transformation biete. Allein das Jahrtausende überdauernde Bestehen dieser Ansätze in weiten Kulturkreisen sollte Anlass genug sein, sie ernst zu nehmen. Da inzwischen viele Postulate östlicher Energieansätze in wissenschaftlichen Untersuchungen zumindest in Korrelaten nachweisbar sind (siehe z. B. Bischof, 1999), werden sie allmählich auch aus Perspektive medizinischer und physikalischer Theorien des Westens versteh- und annehmbar.

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