3.1 Parapsychologische Forschung

Reiki WissenschaftVorbemerkung zum aktuellen Forschungsstand: Eine Wiedergabe des aktuellen Forschungsstandes der Parapsychologie und der dafür verwendeten experimentellen Designs würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen und ist an diversen anderen Stellen unternommen worden (z. B. Broughton, 1992; Kurtz, 1985; Radin, 1997; Schmidt, 2002). Es soll deshalb lediglich eine knappe Darstellung der Ergebnisse einiger der wichtigsten Standardexperimente gegeben werden.



Ganzfeld: Der derzeit populärste Forschungszweig der Parapsychologie sind Telepathieexperimente im Ganzfeld-Design, an das auch die in der vorliegenden Untersuchung durchgeführten Experimente entfernt angelehnt sind. In einem klassischen Ganzfeldexperiment bekommt ein SE einen Zielreiz präsentiert (Videoclip oder Bild), das er an eine VP übermitteln soll. Die VP, welche sich während der Übermittlung im Ganzfeldzustand befindet (diffuses Rotlicht und weißes Rauschen), soll anschließend den Zielreiz unter vier zur Auswahl stehenden Alternativen bestimmen. Nachdem Charles Honorton, der wohl aktivste Psi-Ganzfeld-Forscher, und Ray Hyman, ein Kritiker der Parapsychologie, sich von 1983 bis 1985 einen Schlagabtausch über die Bedeutsamkeit der bis dato durchgeführten Ganzfeldexperimente geliefert hatten, einigten sie sich 1986 in einem Joint Communiqué (Hyman & Honorton, 1986) auf Standards für zukünftige Experimente, deren Ergebnisse dann die Entscheidung über die Beweislage bringen sollten. Diese Hoffnung hat sich, wie in sämtlichen anderen Bereichen parapsychologischer Forschung, bislang noch nicht erfüllt. 1994 veröffentlichten Bem und Honorton im Psychological Bulletin eine MA über 11 zwischen 1983 und 1989 in Honortons Labor durchgeführte Experimente mit insgesamt 329 Ganzfeldsitzungen. Die MA ergab mit ES(r) = 0,22 einen zwar schwachen, dafür aber hochsignifikanten Gesamteffekt (p = 0,0008). Milton und Wiseman publizierten 1999 eine MA aller Ganzfeldversuche seit Erscheinen des Joint-Communiqués außer denen von Honorton. Die durchschnittliche Effektstärke von ES(r) = 0,02 wurde hier nicht signifikant. Die neueste veröffentlichte MA stammt von Bem, Palmer und Broughton (2001), in der sich unter Einschluss zehn neuer Experimente eine mittlere, ungewichtete Effektstärke von ES(r) = 0,05 ergab, welche mit p = 3,5 x 10-5 erneut ein signifikantes Ergebnis aufweist. Hierbei zeigte sich auch, dass die ES signifikant korrelierten mit dem Grad der Einhaltung des Standardprotokolls; Standardreplikationen erzielten nach wie vor ES in nahezu alter Höhe. Eine MA über alle durchgeführten Experimente seit Erscheinen des Joint Communiqués (einschließlich denen von Honorton) ist bislang nicht durchgeführt worden.

Präkognition: Bei Präkognitionsexperimenten sollen in der Regel Zufallsereignisse (Würfel, Karten, REG) vorhergesagt werden. 1989 veröffentlichten Honorton und Ferrari eine MA über alle zwischen 1935 und 1987 durchgeführten forced choice-Präkognitionsexperimente (309 Studien von 62 verschiedenen Experimentatoren mit 50.000 VPn über 2.000.000 Trials). Die Effektstärke von ES(r) = 0,02 wurde bei p = 6,3 x 10-25 signifikant.

Das fail-safe N betrug 14.268 Studien (fail-safe ratio 1 : 64), jede dritte Studie wies signifikante Ergebnisse auf, die Studienqualität war positiv mit den Ergebnissen korreliert und die Effektstärken blieben über mehr als 50 Jahre hinweg konstant. Es handelt sich also um einen sehr kleinen, dafür aber recht sicher nachgewiesenen stabilen und replizierbaren Effekt.

Remote Viewing: Zum Remote Viewing (Fernwahrnehmung und Beschreibung entfernter, der VP nicht bekannter Orte) gibt es bislang keine größere MA. Über die Ergebnisse verschiedener kleinerer Datenaggregationen mit Umfängen von mehreren hundert Versuchsdurchgängen berichtet Schmidt (2002) durchgehend hochsignifikante Resultate mit Effektstärken um ES(d) = 0,22. Die Ergebnisse der Remote Viewing-Forschung gibt er mit den Worten wieder: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Befundlage für Remote Viewing eindeutig zu sein scheint. . . . . Gegen die Befunde spricht, dass sie schlecht publiziert sind“.

Ergebnisse der älteren ASW-Forschung: Im Folgenden soll anhand einer Graphik von Radin ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse vor allem der früheren ASWForschung gegeben werden. Die Daten sind nur teilweise deckungsgleich mit den in dieser Arbeit resümierten Forschungsergebnissen. Sie fassen mehr als 5,5 Mio. Versuchsdurchgänge zusammen.

ASW Forschung 

Abbildung 2 – Ergebnisse der älteren ASW-Forschung (Aus The Conscious Universe (S. 106) von D. I. Radin, 1997, New York: Harper Edge. Copyright 1997 bei Dean Radin. Wiedergabe mit Genehmigung).

Traumtelepathie: In Traumtelepathieexperimenten werden schlafenden VPn Zielreize telepathisch übermittelt. Eine formale MA liegt bislang nicht vor, doch gibt Radin (1997, S, 70 ff.) eine Übersicht über 450 Traumtelepathieexperimente, von denen der größte Teil zwischen 1966 und 1972 am Maimonides Medical Center in New York durchgeführt wurde. Während die Maimonides-Experimente positive Ergebnisse ergaben, konnten zwei andere Schlaflaboratorien diese mit leicht veränderten Versuchsdesigns nicht replizieren (Schmidt, 2002, S. 49 f.). Radins Aggregation der 450 Experimente ergab eine durchschnittliche Trefferrate von 63 % (Ratewahrscheinlichkeit 50 %), die bei p = 1,3 x 10-8 signifikant wurde.

PK-Würfelexperimente: Untersucht wird, inwieweit es möglich ist Würfelergebnisse willentlich zu beeinflussen. Im Jahre 1991 veröffentlichten Radin und Ferrari hierzu eine MA, welche die Ergebnisse von 148 zwischen 1935 und 1987 durchgeführten Studien zusammenfasst (73 Publikationen, 52 Forscher, 2569 VPn und rund 2,6 Mio. Würfe). Die MA enthält darüber hinaus 31 Kontrollstudien mit 150.000 Würfen, in denen das Ergebnis nicht beeinflusst werden sollte. Während das Ergebnis für die Experimentalstudien bei einer Effektstärke von ES(r) = 0,012 mit p < 10-70 signifikant wurde, ergab sich für die Kontrollstudien eine nicht signifikante Effektstärke von ES(r) = 0,001. Auch nach qualitativer Gewichtung der Studien und Homogenisierung der Stichprobe verblieb eine kleinere, aber immer noch hochsignifikante Effektstärke. Anzumerken ist, dass die Studienqualität über die Jahre hinweg signifikant anstieg, während die ES signifikant absanken.

PK-REG-Experimente: Die bekannteste MA über Versuche zur psychokinetischen Beeinflussung von Zufallsgeneratoren wurde 1989 von Radin und Nelson veröffentlicht. Die MA fasst die Ergebnisse von 152 Veröffentlichungen zwischen 1959 und 1987 mit 832 Studien (597 Experimental- und 235 Kontrollstudien) von 68 verschiedenen Experimentatoren zusammen. Es ergab sich eine mittlere Effektstärke von ES(r) = 0,0003, die bei p = 1,8 x 10-35 signifikant wurde, während die Kontrollstudien keinen signifikanten Effekt aufwiesen (Schmidt, 2002, S. 54). Qualitative Gewichtung der Studien und Homogenisierung der Stichprobe ergab ein nahezu identisches Ergebnis. 2003 veröffentlichten die beiden Autoren ein weniger formales Update der REG-MA von 1989, in welches 64 neue Publikationen über 176 Studien Eingang fanden. Die von den Autoren angegebenen Kennwerte der MA sind eine bei p << 10-50 um 0,7 % über der Zufallswahrscheinlichkeit von 50 % liegende Trefferquote. Zwischen Studienqualität und positivem Ergebnis besteht eine nicht signifikante Korrelation von r = -.06. Bedenklich stimmt, dass das fail-safe ratio 5,1 Studien beträgt, womit nur sehr knapp von einem robusten Effekt ausgegangen werden kann. Am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg wurde zudem eine neue MA durchgeführt, bei der mit sehr kleinen, vermutlich nicht mehr robusten und evtl. auch nicht mehr signifikanten Effekten zu rechnen ist (Steinkamp, Boller, & Bösch, 2002).

DMILS: Die DMILS-Forschung untersucht die Möglichkeit der Fernbeeinflussung, bzw. der paranormalen Interaktion, von Lebewesen. So gesehen stellen sämtliche Geistheilungsstudien und auch die vorliegende Untersuchung DMILS-Experimente dar. In der Parapsychologie wird der Begriff jedoch vornehmlich für eine Reihe standardisierter Laborexperimente verwendet, in denen (in den meisten Fällen) versucht wird, die Hautleitwerte von VPn alternierend zu erhöhen und zu senken. Eine MA über 19 Experimente mit 417 Sitzungen von Schlitz und Braud (1997) ergab eine bei p = 7 x 10-7 signifikante Effektstärke von ES(r) = 0,25, was nach Schmidt (2002, S. 102) einer ES(d) von 0,52 entspricht. Eine aktuelle MA von Schmidt (2002, Kapitel 4), in der die Ergebnisse von 40 Studien mit insgesamt 1055 Versuchsdurchgängen zusammengefasst wurden, ergab eine nach Qualität gewichtete mittlere Effektstärke von ES(d) = 0,11, die bei p = 0,001 signifikant wurde, während eine best-evidence synthesis mit nur noch 7 Studien und 188 Versuchsdurchgängen bei ES(d) = 0,05 kein signifikantes Ergebnis mehr aufwies.

Remote Staring: Untersucht wird, ob VPn differenzieren können, wann sie beobachtet bzw. angestarrt werden und wann nicht. Schlitz und Braud berechneten in der schon im vorigen Absatz erwähnten MA von 1997 für elf Remote-Staring-Studien mit 241 Sitzungen eine mittlere Effektstärke von ES(r) = 0,25 bei p = 5,4 x 10-5. Schmidt (2002, Kapitel 4) errechnete in einer aktuelleren MA über 15 Studien mit 379 Versuchsdurchgängen eine Effektstärke von ES(d) = 0,13, deren 95 %-Konfidenzintervall bei p = 0,013 signifikant wurde, während das 99 %-Konfidenzintervall Null enthielt. Die allgemeine Studienqualität korrelierte mit r = 0,26 nicht signifikant mit der Effektstärke.

Tabelle Parapsychologie 

Zusammenfassung: Von sämtlichen in dieser Arbeit behandelten Forschungsfeldern weist die Parapsychologie das methodisch höchste Niveau auf, welches sogar deutlich über den Standards normaler psychologischer oder medizinischer Forschung liegt. Angesichts der Konsequenzen, die der Nachweis paranormaler Phänomene für unser allgemeines und wissenschaftliches Weltbild hätte, erscheinen derartige Anforderungen auch durchaus angemessen. Die Kritik parapsychologischer Forschung hat verschiedene Stadien durchgemacht: vom Abstreiten der Phänomene, über konventionelle Alternativerklärungen, den Vorwurf des Betrugs, Schwächen in der Experimentalanordnung bis hin zur Art der Auswertung, Publikation und Datenaggregation. Im Laufe der Jahre konnte praktisch jeder Kritikpunkt durch stetige Verbesserungen der Versuchsanordnungen und Auswertungsmethoden ausgeräumt werden, so dass inzwischen eine Reihe von Standardexperimenten existiert, an denen auch Kritiker nichts mehr auszusetzen haben. Hymans und Honortons Joint Communiqué von 1986 sei hierfür exemplarisch angeführt.

Die im vorigen Abschnitt referierten MA geben einen ungefähren Eindruck vom aktuellen Forschungsstand der Parapsychologie. Die Effekte sind zwar sehr klein, aber, wie Hyman (zitiert nach Honorton, 1993, S. 191) es ausdrückte, „astronomically significant“. Schmidt (2002, S. 138) merkt hierzu an: „Würde man verschiedenen WissenschaftlerInnen die Resultate der Metaanalysen vorlegen, ohne die zugrunde liegende Fragestellung zu benennen, würden meiner Meinung nach so gut wie alle davon ausgehen, dass die in Frage stehenden Effekte zuverlässig nachgewiesen wurden“. Und inzwischen räumen selbst Kritiker der Parapsychologie ein, dass da irgendetwas sei, womit sich der Fokus der Auseinandersetzung allmählich von der Existenz der Effekte zu ihrer Interpretation hin verschiebt.

In der Interpretation der Effekte gehen die Meinungen jedoch ebenso weit auseinander, wie zuvor in der Frage nach ihrer Existenz. Hauptstreitpunkt ist hierbei in erster Linie das Replikationsproblem der Parapsychologie – der Umstand, dass paranormale Effekte sich oftmals schlecht zuverlässig unter bestimmten, klar definierbaren Bedingungen reproduzieren lassen. Eine neutrale Beschreibung des Sachverhaltes gibt Schmidt (2002, S. 140) mit der Feststellung: „In den Daten parapsychologischer Experimente finden sich Unregelmäßigkeiten, die nicht mittels Zufall erklärt werden können“. Wie diese Unregelmäßigkeiten zustande kommen, ist unbekannt – die Frage, ob Psi bewiesen wurde oder nicht, bleibt damit nach wie vor offen.

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