3.2 Geistheilungsforschung

Reiki WissenschaftBezug zum Thema: Die Geistheilungsforschung, speziell in Form der doppelblinden Fernheilungsstudie, ist für die Fragestellung dieser Arbeit von besonderem Interesse, da sie eine analoge Fragestellung in allgemeinerer Form behandelt. Doppelblinde Fernheilungsstudien mit positiven Ergebnissen würden die grundsätzliche Möglichkeit paranormaler Informationsvermittlung mit Geistheilungsmethoden nahe legen. Dies wiederum würde die theoretisch anzunehmende Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen, dass sich mit einer Geistheilungs-Subdisziplin wie Reiki ähnliche Ergebnisse erzielen ließen.



Definition & Formen: Wiesendanger definiert Geistiges Heilen wie folgt: „Geistiges Heilen" bezeichnet eine ziemlich große Familie von Außenseitertherapien, die mit denkbar unterschiedlichen Vorgehensweisen, Theorien und kulturellen Hintergründen verbunden sind. Das Spektrum reicht vom Handauflegen, Gebetsheilen und Exorzismus – also Heilweisen, die schon Jesus Christus praktizierte – über das Besprechen und schamanisches Heilen bis hin zu Importen aus Fernost, wie Reiki, Qi Gong, Prana-Heilen oder Chakratherapie. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist etwas Geistiges, nämlich eine Intention, die Absicht, einem Anderen zu helfen; diese Intention allein scheint manchmal tatsächlich auszureichen, Krankheitsverläufe günstig zu beeinflussen, auch gegen ärztliche Prognosen. Was heilt, scheint insofern „purer Geist" (Harald Wiesendanger, persönliche Mitteilung, 8.9.2003).

Dass mit „purem Geist" nicht „reine Placeboeffekte" gemeint sind, kommt in einer Definition von Benor (2001, S. 4) noch etwas deutlicher zum Ausdruck: "Spiritual healing is brought about without the use of conventional energetic, mechanical, or chemical interventions" – hier wird ganz klar ein paranormaler Wirkmechanismus postuliert.

Die beiden grundsätzlichen Anwendungsarten des geistigen Heilens sind die Direktbehandlung, meist in der klassischen Form des Handauflegens, und die Fernbehandlung.

Wiesendanger (2000, S. 19) teilt außerdem Heiler bezüglich ihrer Herkunft in drei Typen ein: Traditionelle Heiler, denen ihre Fähigkeit als Gabe zuteil wurde, esoterische Heiler, die das Heilen in der Regel erlernt haben und der relativ neue Typus des medizinischen Heilers, der geistiges Heilen als integralen Bestandteil einer ganzheitlichen Medizin anwendet. Erwähnung finden sollen auch noch die bislang nicht genannten Anwendungsformen der Geist-Chirurgie (Laienoperationen unter medialer Kontrolle), des geistigen Heilens nach LeShan, Kriegers Therapeutic Touch (TT) und der Bruno Gröning-Freundeskreis.

Geschichtliches: Geistiges Heilen gehört zu den ältesten überlieferten Heilmethoden überhaupt. Höhlenmalereien in den Pyrenäen z. B. deuten darauf hin, dass Menschen schon vor 15.000 Jahren die Kunst des Handauflegens, der verbreitetsten Form des geistigen Heilens, kannten. Zeugnisse für heilende Hände finden sich in mündlichen Überlieferungen und Schriften sämtlicher Hochkulturen der Erde (Wiesendanger, 2000). Auch Jesus heilte den Überlieferungen zufolge durch Handauflegen, und in der frühchristlichen Kirche herrschte dieser Umgang mit Kranken bis ins 8. Jahrhundert vor. Während Heilen durch Handauflegen vom frühen Mittelalter bis weit in das 19. Jahrhundert eher verpönt war oder sogar verfolgt wurde, erlebt es heute, wie geistiges Heilen im Allgemeinen, eine Art Renaissance.

Benors Geistheilungsübersicht: Den umfassendsten Überblick zum Thema Geistheilung gibt Daniel Benor (2001) mit seiner Auswahl von 191 kontrollierten Studien aus hunderten von Studien, die in den letzten 30 Jahren insgesamt durchgeführt worden sein sollen. In Hinblick auf Anzahl und Zuordnung der Untersuchungen etwas schwer durchschaubar, gibt Benor seine 191 Studien in Form von 162 Studienübersichten wieder, die er nochmals zu 138 Forschungsberichten zusammenfasst. Die dem Leser präsentierten Einheiten stellen die 162 Studienübersichten dar, aus denen nähere Verteilungsdaten bei Interesse in Handarbeit extrahiert werden müssen.

Von den 191 Studien weisen 124 (65 %) signifikant positive Ergebnisse auf. Betrachtet man nur die von Benor als „exzellent" eingestuften Studien (der obersten Kategorie einer 5-stufigen Skala mit den Kriterien: kontrolliert, randomisiert, verblindet und adäquat berichtet), so verbleiben 50 Berichte, 37 (74 %) davon mit signifikanten Ergebnissen.

Die Evidenz scheint hier mit zunehmender Qualität der Arbeiten zuzunehmen, und auch die Feinanalyse der Daten bietet keine Hinweise auf eine Verzerrung in Richtung positiver Ergebnisse durch methodische Fehler.

Die 162 Studienübersichten verteilen sich inhaltlich auf folgende Bereiche:

  • Physische Problemen beim Menschen (26 Studienübersichten)
  • Subjektive Beschwerden (44 Studienübersichten)
  • Intuitive (hellsichtige) Diagnostik (8 Studienübersichten)
  • Elektrodermale Aktivität (14 Studienübersichten)
  • Tiere (19 Studienübersichten)
  • Pflanzen (16 Studienübersichten)
  • Einzeller, Bakterien und Hefen (14 Studienübersichten)
  • Zellen (in vitro), Enzyme und Chemikalien (10 Studienübersichten)
  • Sonstige (11 Studienübersichten)

Am häufigsten konnten laut Benor die positiven Ergebnisse zur Beeinflussung der elektrodermalen Aktivität, zur Angst- und zur Schmerzreduktion repliziert werden.

Benor erwähnt, dass sich unter den aufgeführten 162 Studienübersichten insgesamt 21 Untersuchungen mit signifikanten Resultaten zum Thema Fernheilung finden (davon zwölf, die er mit einem dreistufigen Qualitätsrating auf den höchsten Wert einstuft), bleibt jedoch eine nähere Aufschlüsselung schuldig, und stellt den erfolgreichen Fernheilungsstudien leider auch nicht die Anzahl der Fernheilungsstudien insgesamt gegenüber. Benor stellt fest, dass es zum Thema spiritual healing mehr wissenschaftliche Studien als bei den meisten anderen komplementären Therapien gebe (nur zur Hypnose, Akupunktur und Psychoneuroimmunologie seien es mehr) und fasst die Ergebnisse seines Reviews dahingehend zusammen, dass die Frage, ob Geistiges Heilen wirke, klar bejaht werden könne, und dass zukünftige Untersuchungen sich allmählich mit der differentiellen Wirksamkeitsforschung befassen könnten. Geistiges Heilen scheine hierbei im Gegensatz zur spezifischen Wirkungsweise der meisten konventionellen Interventionen einen generell gesundheitsfördernden Einfluss auf den ganzen Organismus zu haben und frei von Nebenwirkungen zu sein. Wie Geistiges Heilen jedoch funktioniere, sei fast völlig ungeklärt.

Fernheilungsübersicht Ebneter, Binder und Saller (2001): Ebneter et al. geben eine Übersicht über insgesamt 16 Studien und sechs Reviews zum Thema Fernheilung. Die Kriterien Randomisierung, Doppelblinddesign und klinischer Kontext erfüllten zwölf der angeführten Studien, von denen eine einen Score von 3, vier einen Score von 4, und sieben den Maximalscore auf der Jadad-Skala aufwiesen (Fünf-Punkte-Skala zur Einschätzung der Qualität von Publikationen klinischer Studien, Jadad et al., 1996). Von diesen zwölf Studien zeigen sechs (50 %) einen signifikanten Effekt der Fernheilung. Betrachtet man nur die sieben Studien mit Maximal-Score auf der Jadad-Skala, sprechen fünf (71 %) für einen signifikanten Effekt der Fernbehandlung. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein abschließendes Urteil bezüglich Wirksamkeit oder Wirkungslosigkeit der Fernheilung anhand der bisherigen Datenlage zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich sei.

Fernheilungsübersicht Astin, Harkness und Ernst (2000): Astin et al. geben eine Übersicht über 23 Studien mit insgesamt 2774 Patienten, welche aus über 100 klinischen Studien zum Thema Fernheilung ausgewählt wurden. Einschlusskriterien waren Randomisierung, adäquate Kontrolle, Publikation und klinische Fragestellung beim Menschen. Von den 23 Studien wiesen 13 (57 %) signifikant positive Ergebnisse auf – betrachtet man nur die doppelblinden Untersuchungen mit einem Jadad-Wert von 5, so verbleiben sechs Studien, hiervon drei (50 %) signifikant. Ein metaanalytischer Ansatz wurde zwar in Betracht gezogen, doch sahen die Autoren aufgrund der Heterogenität der Studien von einer formalen MA ab. Informell wurden für die 16 Doppelblindstudien innerhalb der Auswahl dennoch Effektstärken (Cohens d) berechnet, was eine durchschnittliche Effektstärke von ES(d) = 0,40 (p < 0,001) bei einem fail-safe N von 63 ergab (fail-safe ratio: 4). Die Effektstärken dreier gebildeter Untergruppen waren: ES(d) = 0,25 für vier Gebetsstudien (p = 0,009), ES(d) = 0,63 für zehn Studien zum Thema Therapeutic Touch (p = 0,003) und ES(d) = 0,38 für fünf andere Fernheilungsinterventionen (p = 0,073). Ferner ergab sich eine geringe Korrelation von r = 0,15 zwischen Studienqualität und negativen Studienergebnissen, die jedoch nicht signifikant wurde (p > 0,2) und damit keine klaren Hinweise auf einen Zusammenhang positiver Ergebnisse mit methodischen Schwächen gibt. Astin et al. schließen, dass es aufgrund methodischer Mängel vieler Studien schwierig sei, definitive Schlussfolgerungen über die Effizienz der Fernheilung zu ziehen, doch angesichts der Tatsache, dass 57 % der in die Übersicht aufgenommenen Studien positive Effekte aufweisen, verdiene das Thema eingehendere Untersuchung.

Zusammenfassung: Zum Thema Geistheilung gibt es inzwischen zwar hunderte von Studien, doch weist der größere Teil hiervon methodische Schwächen auf, die eine nähere Interpretation nicht ratsam erscheinen lassen. Spätestens wenn es um die Frage geht, ob bei Geistheilungen ein paranormaler Faktor beteiligt ist, lassen sich nur noch aus doppelblinden, methodisch einwandfreien Fernheilungsstudien Rückschlüsse ziehen, und derartige Studien sind rar gesät.

Dennoch liegt eine umfangreiche empirische Evidenz zum Thema Geistheilung vor, aus der sich zumindest Tendenzen ableiten lassen. Über Geistheilung im Allgemeinen gibt Benor den umfassendsten Überblick: 65 % der von ihm vorgestellten kontrollierten Studien weisen signifikante Effekte auf – betrachtet man nur die qualitativ besten unter ihnen, sind es sogar 74 %. Benor (2001, S. 376) merkt hierzu an: „If healing were a drug I believe it would be accepted as effective on the basis of the existing evidence".

Zum Thema Fernheilung stellt Benor zwar 21 Studien vor, doch lassen sich aus seinen Angaben leider keine sinnvollen Schlussfolgerungen ziehen. Ebneter et al. geben eine Übersicht über 12 Doppelblindstudien zum Thema Fernheilung, von denen 50 % signifikante Effekte aufweisen; betrachtet man nur die sieben einwandfreien Studien unter ihnen, sind es sogar 71 %. Schließlich weisen 57 % der von Astin et al. aufgeführten 23 Fernheilungsstudien signifikante Effekte auf, betrachtet man hiervon nur die besten sechs Studien, so ergeben sich 50 %. Informell wurde für die 16 Doppelblindstudien eine hochsignifikante Effektstärke von ES(d) = 0,40 berechnet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die methodisch akzeptable empirische Evidenz zum Thema Fernheilung mindestens zwei Dutzend Studien umfasst, von denen etwa 60 % für eine Wirksamkeit von Fernheilungen sprechen. Ein abschließendes Urteil lässt sich anhand dieser Datenbasis zwar nicht fällen, doch die Hinweise darauf, dass hier ein paranormaler Effekt vorliegen könnte, sind recht deutlich.

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