3.5 Theoretische Modelle

Reiki WissenschaftParapsychologische Modelle: Eine allgemein akzeptierte wissenschaftliche Theorie so genannter paranormaler Phänomene gibt es nicht. Bezeichnet man als paranormal all das, was sich mit Hilfe bisheriger Theorien nicht erklären lässt, so ist dieser Umstand auch nicht weiter verwunderlich. Dies trifft auf „Subdisziplinen" parapsychologischer Forschung, wie die Lebensenergie-, Geistheilungs- oder Reikiforschung, ebenso zu. Die Frage, ob paranormale Phänomene, ihre Existenz als solche immer vorausgesetzt, dabei nun auf einen einheitlichen Effekt zurückzuführen sind, oder ob unterschiedliche Mechanismen am Wirken sind, ist noch weniger geklärt.



Eine Übersicht parapsychologischer Modelle gibt Stokes (1987, 1997, zitiert nach Schmidt, 2002, S. 128). Stokes unterscheidet laut Schmidt fünf Kategorien parapsychologischer Modelle:

  • 1. Skeptische Theorien, die versuchen, gefundene Effekte auf konventionellem Wege zu erklären.
  • 2. Theorien, die veränderte oder zusätzliche Annahmen zum vierdimensionalen Raumzeitmodell der Relativitätstheorie annehmen.
  • 3. Theorien, die von einem Signal für ASW und / oder PK ausgehen.
  • 4. Theorien, die auf Befunden der Nichtlokalität der Quantenmechanik aufbauen.
  • 5. Neuropsychologische Theorien, die versuchen, Psi-Effekte durch eine entsprechende Konzeption zur Lösung des Leib-Seele-Problems zu erklären Schmidt ergänzt diese Einteilung um eine sechste Kategorie von Dobny (2000, zitiert nach Schmidt, 2002, S. 129): Die phänomenologisch beschreibenden Theorien.

Die Ausführung der unterschiedlichen Modelle würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen. Hier sei verwiesen auf die einführenden Texte von Bischof (1999, S. 399 ff.), der überwiegend quantentheoretische Ansätze behandelt, die soeben skizzierten Übersichten von Stokes sowie auf Schmidt (2002, S. 125 ff. & S. 404 ff.), der sich mit den Anforderungen an eine parapsychologische Theorie auseinandersetzt und dabei auf das Modell der Pragmatischen Information von Loucadou (1995) näher eingeht, das seiner Meinung nach den bislang weitentwickelsten explizit parapsychologischen Theorieansatz darstellt.

Äthertheorien und lebensenergetische Ansätze: Das im Westen wohl bekannteste Lebensenergie-Äquivalent dürfte der so genannte Äther sein, der in der Physik des 19. Jahrhunderts (zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits in einer mechanistisch degenerierten Form) als hypothetisches, alles durchdringendes Trägermedium elektromagnetischer Strahlen ein etabliertes theoretisches Konstrukt darstellte. Die Äthertheorie wurde, im Gegensatz zur allgemeinen Lehrmeinung, weder durch das Michelson-Morley-Experiment von 1887 (eine Übersicht über die Forschungen Millers, der das Michelson-Morley-Experiment mit verfeinerten Messmethoden über Jahrzehnte hinweg fortsetzte und dabei zu durchgehend positiven Ergebnissen kam, findet sich bei DeMeo, 2000), noch durch Einsteins spezielle Relativitätstheorie von 1905 endgültig widerlegt. Einstein hatte das in eine Sackgasse führende mechanistische Ätherkonzept des 19. Jahrhunderts über Bord geworfen und den Raum selber als Träger des elektromagnetischen Feldes bestimmt. Doch gerade dadurch machte er den Weg frei für eine fruchtbare Neubewertung des Ätherkonzeptes, denn alsbald begann die Quantentheorie über die intensive Untersuchung des „leeren" Raumes und seiner Eigenschaften, diesen wieder zu füllen, womit der Äther erneut zu einem denkbaren Konzept wurde (Bischof, 1999, S. 402).

Als Beispiele für häufig diskutierte Modelle der Quantentheorie mit Erklärungswert für Lebensenergie- oder Ätherkonzeptionen seien hier Nernsts Nullpunktenergie des Vakuums, Beardens Skalarfelder, Wheelers Quantenschaum, Bohms Implizite Ordnung und Burkhard Heims Einheitliche Quantenfeldtheorie genannt (Bischof, 1999, S. 402 ff.).

Die Frage, wie weit sich lebensenergetische Konzeptionen durch derartige Theorien hinreichend erklären lassen, muss dahingestellt bleiben. Zwar lassen sich viele Postulate lebensenergetischer Ansätze, wie z. B. die alles durchdringende Präsenz dieser Energien oder im Falle Reiki die Unabhängigkeit von Raum und Zeit, durchaus in Übereinstimmung mit quantentheoretischen Ansätzen bringen, doch werden auch letztere unter Physikern kontrovers diskutiert, und ob Quantenphänomene sich wirklich auf die makroskopische Welt übertragen lassen ist ebenfalls ungeklärt.

Reiki aus Sicht der Praktizierenden: Eine Reiki-Theorie im wissenschaftlichen Sinne gibt es bislang nicht. Dennoch sollten die Reiki-Praktizierenden die Ersten sein, die befragt werden, wenn es darum geht, was Reiki denn nun eigentlich sei. Im Usui System der Reiki Heilung wird Reiki als eine (oder die) universale Lebensenergie bezeichnet. Es wird davon ausgegangen, dass das gesamte Universum von dieser Energie durchdrungen und dass Leben ohne sie nicht möglich sei (DGH, 1.5.2003). Auch die Unabhängigkeit von Raum und Zeit wird postuliert, da Reiki sich über jede beliebige Entfernung sowie in Zukunft und Vergangenheit senden lassen soll (Rand, 2000, S. II – 13 f.), ohne dabei an Stärke zu verlieren. Ein (bio-) physikalischer Nachweis dieser Postulate ist bislang jedoch noch nicht erbracht worden.

Reiki wird darüber hinaus als etwas Heiliges, Göttliches, mit einem höheren Bewusstsein Ausgestattetes betrachtet, weniger im Sinne einer personifizierten Gottheit, sondern eher in Richtung einer Beseeltheit der gesamten Schöpfung. Diese aus Sicht der klassischen Physik gewiss radikale Hypothese lässt sich mit der Quantentheorie grundsätzlich in Einklang bringen und in der Tat sprechen verschiedene Quantentheoretiker zumindest Elementarteilchen ein Bewusstsein zu (Bischof, 1999, S. 411 f.). Gesetzt den Fall, dass diese Interpretation zutreffen sollte, wäre es sogar wahrscheinlich, dass komplexere Anordnungen von Elementarteilchen wie Moleküle, Menschen, Planeten oder das ganze Universum ebenfalls ein (vermutlich höher entwickeltes) Bewusstsein besitzen. Vor diesem Hintergrund bräuchte das Reiki-Erklärungsmodell nicht unbedingt im Widerspruch zu einer naturwissenschaftlichen Sichtweise stehen. Dementsprechend werden in jüngerer Zeit auf privaten Homepages auch gerne Verbindungen von Reiki zu quantenphysikalischen Theorien hergestellt, wo Reiki dann als unpolarisierte subatomare Energieform, primordiale masselose Energieform, Nullpunkt-oder Tachyonenenergie bezeichnet wird – dies stellt jedoch keine offizielle Position der großen Verbände dar.

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