3.6 Zusammenfassung

Reiki WissenschaftDen weitesten Geltungsbereich wie auch die umfassendste und fundierteste Empirie weist von allen untersuchten Forschungsfeldern die Parapsychologie auf. Sie kann diverse MA mit überwiegend positiven Ergebnissen auf Grundlage mehrerer Millionen Versuchsdurchgänge aufweisen. Die gefundenen Effekte sind zwar sehr klein, aufs Ganze gesehen jedoch stabil, replizierbar und robust, selbst wenn man sehr strenge Maßstäbe anlegt.



Über Stärke und Bedeutsamkeit der gefundenen Effekte wird bis heute kontrovers diskutiert, doch selbst Kritiker, die die Paranormalitätshypothese nach wie vor ablehnen, räumen inzwischen ein, dass man es mit einer Datenbasis zu tun hat, deren ungewöhnliche Struktur sich durch Zufall allein nicht erklären lässt. Den kleinsten gemeinsamen Nenner stellt damit der Nachweis einer Anomalie dar. Ob diese nun jedoch durch aus heutiger Sicht paranormale Mechanismen zustande kommt, wird vermutlich offen bleiben, bis ein überzeugendes theoretisches Modell verfügbar ist, das die gefundenen Effekte zu erklären vermag – auf die eine oder auf die andere Art.

Doch auch ohne theoretisches Modell erlaubt der Nachweis ungewöhnlicher Datenstrukturen im parapsychologischen Laborexperiment, die Ergebnisse anderer Forschungsbereiche, welche nicht im gleichen Maße kontrollierbar sind, unter weniger strengen Maßstäben zu betrachten. Nachdem der prinzipielle Nachweis des Phänomens unter Ausschluss aller bekannten Alternativerklärungen geliefert ist, kann man bei der Interpretation verwandter Forschungsgebiete zu den Maßstäben normaler Wissenschaft im Sinne Kuhns (1999, S. 25 ff.) übergehen, ohne ständig argwöhnen zu müssen, dass Betrug oder eklatante Experimentierfehler für das Zustandekommen der Ergebnisse verantwortlich seien.

Betrachten wir unter diesen Voraussetzungen die Ergebnisse der allgemeinen Geistheilungsforschung, so finden wir in den Übersichten von Benor (2001), Ebneter et al. (2001) und Astin et al. (2000) rund 200 Studien, von denen, je nach Art der getroffenen Auswahl, 50 % bis 74 % signifikant positive Ergebnisse aufweisen. Anzumerken ist, dass sich unter diesen Studien nur ein relativ geringer Anteil doppelblinder Fernheilungsstudien befindet, doch auch bei diesen liegen die Ergebnisse in vergleichbaren Bereichen.

Die Studienqualität scheint mit den Ergebnissen tendenziell positiv korreliert zu sein.

Zum Thema Reiki ließen sich insgesamt elf empirische Studien ausfindig machen, von denen 73 % signifikante Resultate aufweisen. Betrachtet man nur die qualitativ akzeptablen Studien (N = 5), so werden 80 % signifikant, nimmt man nur die qualitativ akzeptablen Fernreikistudien (N = 3), so sind es sogar 100 %. Zusammenhänge zwischen Ergebnissen und Studienqualität sind hierbei nicht erkennbar. Die Ergebnisse der Reikiforschung lassen sich damit gut in das aus der allgemeinen Fernheilungsforschung bekannte Bild integrieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die parapsychologische Laborforschung das Vorhandensein einer Anomalie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden konnte, während die Befunde aus den Anwendungsbereichen auf Effektstärken schließen lassen, denen, wenn sie sich in dieser Form bestätigen lassen sollten, auch praktische bzw. klinische Bedeutsamkeit zukommen würde. Studien zum Thema Reiki weisen hierbei keine erkennbaren Unterschiede im Vergleich zu den Ergebnissen der allgemeineren Geistheilungsforschung auf.

Da die genannten Befunde sich mit bisherigen theoretischen Modellen nicht erklären lassen, stellt die Paranormalitätshypothese eine ebenso wahrscheinliche wie vernünftige Erklärung auf deskriptivem Niveau dar. An theoretischen Erklärungsmodellen mangelt es der Parapsychologie, den lebensenergetischen, spirituellen und religiösen Ansätzen dabei nicht. Die alles einende Theorie, welche in der Lage wäre, die Beobachtungen der unterschiedlichen Forschungsbereiche integrierend zu erklären und Arbeitsmodelle zur Verfügung zu stellen, aus denen sich wiederum überprüfbare Hypothesen ableiten ließen, ist bislang jedoch nicht in Sicht. Zum heutigen Zeitpunkt ist noch nicht einmal bekannt, ob es sich überhaupt um einheitliche Phänomene handelt, die auf dieselben Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten zurückführen sind, oder ob die paranormalen Phänomene lediglich der Umstand ihrer bisherigen Unerklärlichkeit eint. Andererseits stellen die Befunde grenzwissenschaftlicher Forschung die bislang angenommenen Gesetze von Raum und Zeit mit auffallender Einstimmigkeit in Frage und angesichts der Vielzahl konvergierender Befunde scheint es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass wir es im Sinne Kuhns (1999) mit einem Forschungsfeld im präparadigmatischen Stadium zu tun haben. Die Entscheidung hierüber wird der zukünftige Forschungsgesamtprozess bringen. Damit soll an dieser Stelle zum empirischen Teil der Arbeit übergegangen werden.

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