USA – Gefühle und Gedanken zum 11-09-2001

Vom H’Art & Soul-Festival über Kriegstreiber bis hin zu besonnenen Menschen



Ende August begann ich mich einmal wieder intensiv mit dem Thema USA zu beschäftigen. Anlass war das Reiki-Sommercamp. Neben dem starken naturreligiösen Einfluss bereitete mir dieses an sich schöne Treffen vor allem durch die Dominanz der amerikanischen Sprache Probleme. Da es keine offizielle Übersetzungsregelung vom Englischen ins Deutsche gab und die inoffiziellen Massnahmen des öfteren nicht griffen, verstand ich nur die Hälfte einer Veranstaltung, die doch in meinem Heimatland stattfand.

Im kulturellen Vakuum nach dem zweiten Weltkrieg hat sich die Bundesrepublik Deutschland wie kaum ein anderes Land zum gelehrigen Schüler der USA gemacht. Es gibt kaum etwas so schwammiges und emotional beladenes wie den Begriff der "deutschen Kultur". Den wesentlichsten Ausdruck findet sie für mich in meiner Sprache, die eng gekoppelt ist mit meinem Denken. Nach all den Angriffen durch die Anglizismen der Werbebranche und Computerindustrie war das Reiki-Sommercamp nur ein weiterer grosser Stein in dieser Mauer.

Und er machte mir wieder einmal die weltbeherrschende Rolle der USA bewusst, die ich neben vielen positiven Einflüssen immer wieder als Missbrauch erlebe: als den eines selbsternannten Hüters der sogenannten demokratischen Ordnung, der im eigenen Interesse Konflikte schürt, Völker ermordet, weltweite Abhörsysteme betreibt und sich als Hauptumweltsünder jeglichen Massnahmen zur Rettung unseres Planeten verweigert.

Ich weiss, kritische Äusserungen zu Amerika gelten zur Zeit nicht als fein, aber die Toten von New York verschwimmen für mich nicht mit der Regierung und Wirtschaft eines Landes. Und es ist wichtig, um meine ersten Reaktionen zu verstehen, als ich in einem öffentlichen Raum die frischen Bilder aus Übersee sah: Ich fühlte mich wie ein Kind, das miterleben darf, wie sein langjähriger Vergewaltiger einen Tritt in die Weichteile kassiert. Sicher, dieser Tritt wurde möglicherweise von extremen islamischen Gruppen geführt, gegen deren Absichten einer weltweiten Inquisition diejenigen der USA vorzuziehen sind; dennoch waren meine ersten Gedanken: "endlich zeigt es denen jemand." Erst dann erhielt ich genauere Informationen, wurde mir bewusst, dass in diesen Türmen Menschen gestorben waren.

Jahrelange Bitten und Appelle an die USA sind wirkungslos verhallt – sie liefern wie die aktuellen E-Mail-Appelle an Präsident Bush lediglich Informationen an die Datenbanken der Sicherheitsorgane unseres Grossen Bruders. Der Weg der Gewalt erscheint völlig falsch. Letztendlich nutzt er nur drei Gruppierungen: erstens einem bislang konturlosen und gewaltbereiten amerikanischen Präsidenten und all den Kräften, welche unsere Freiheit weiter beschränken wollen, zweitens einer maroden Weltwirtschaft und drittens den Medien.

Nicht nur Fernsehen, Radio und Printmedien, auch der elektronische Äther brummte: E-Mails fluteten herein, voll mit Betroffenheitserklärungen und Aufrufen. Jahrelang mordet die türkische Regierung die Kurden, sterben in Afrika Menschen, doch nach einem Angriff auf New York und reagieren plötzlich alle mit Betroffenheit. Ist es also wirklich das Mitgefühl mit dem Tod von circa 5000 entfernt lebenden Unbekannten? Ich selbst kann dies nicht fühlen. Oder ist es nicht vielmehr das plötzliche Bewusstsein um unsere eigene Verletzlichkeit und um die Illusion der Wichtigkeit unseres täglichen Tuns? Ja, einfach nur die nackte Angst ums Überleben? Und schliesslich die Frage: Inwieweit nutzen Politiker, Medienleute und auch sogenannte "Lichtarbeiter" den Tod von Tausenden zur Profilierung ihres Egos und dem Verfolgen ihrer eigenen Interessen?

Zwischen den markigen Drohungen und Worten der Rache, vor denen auch der Reiki-Chat nicht verschont blieb, finden sich immer wieder Stimmen, die mich berühren: der Moderator von Radio X, der schweigt und zwei Stunden lang einfach nur Musik für den Frieden spielt, oder eine E-Mail, die zu Besonnenheit und Frieden aufruft. Dem möchte ich mich einfach anschliessen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin's Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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