Christliches Gottesbild mit Reiki unvereinbar?

Reiki Gottesbild EKDIn kirchlichen Kreisen, gleich ob katholisch oder evangelisch, scheint Reiki ein immer wieder gern genommenes Thema: interessanterweise dann, wenn es im Ort eine Reiki-Praxis gibt, was als Anlass genommen wird, einen Vortrag über Reiki zu halten: „Reiki und christliches Gottesbild nicht vereinbar“ [1].

Referent Heino Welscher, Seelsorger und Beauftragter des Evangeliumsrundfunks (ERF), war eingeladen von seiner Kollegin, Pfarrerin Elke Drossmann, die vor ihrem Wechsel zum ERF bis Januar 2008 als Pastorin des Evangelischen Kirchenkreises Wetzlar gearbeitet hatte [2], der eine Enklave evangelikal-freikirchlicher Arbeit [3] ist; der ERF ist offizieller Medienpartner [4] der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), demnach unterstützt von der Amtskirche.

Ansichten eines evangelikal- freikirchlich Orientierten werden anscheinend im Raum der Amtskirche verbreitet, und scheinen in der Berichterstattung des Gießener Anzeigers somit der offziellen amtskirchlichen Position zu entsprechen.

Dies ist insofern relevant, als Welscher zwar zunächst wohlwollende Worte über Reiki und die Menschen findet, die mit Reiki arbeiten, die Reiki-Lebensregeln auch als für Christen annehmbar betrachtet, dann aber ausholt und Reiki als „dennoch als für Christen nicht praktikabel“ erklärt, mit folgender Begründung: „Zum einen lasse sich Reiki nicht mit dem christlichen Gottesbild vereinbaren, zum anderen berge Reiki trotz möglichem Heilungserfolg langfristig Gefahren wie zum Beispiel psychische Störungen.“

Ärgerlich ist am Urteil, Reiki und christliches Gottesbild passten nicht zusammen, die Behauptung, Reiki bestehe darin, dass „durch vom Bewusstsein ausgehende, freigesetzte Energien“ der natürliche Selbstheilungsprozess unterstützt werde. Die Aussage hinsichtlich des Selbstheilungsprozesses wird vermischt mit einer Desinformation: es wird unterstellt, dass Reiki als Quelle das menschliche Bewußtsein habe.
Wenn man schon solche Statements hervorbringt, wie die der Unvereinbarkeit und Reiki und christlichem Gottesbild, sollte man sich aber auch die Mühe gemacht haben, vorher zu recherchieren, was Reiki ist.

Immer wieder wird Reiki in der evangelikalen Welt scheel angesehen, wenn nicht gar verteufelt. Das ist zuweilen nur dann verständlich, wenn es als Konkurrenz betrachtet wird, da Handauflegen zu Heilungszwecken z.B. in Gottesdiensten evangelikal-charismatischer Kreise nicht unüblich ist, weil es in diesen als eine der Gaben des Heiligen Geistes [5] angesehen wird.

Fußnoten:

[1] Siehe http://www.giessener-anzeiger.de/
[2] Siehe http://www.ekir.de/kirchenkreis-wetzlar/aktuell/archiv2008kurz.html
[3] Siehe http://www.kirchenkreis-wetzlar.de/
[4] Evangeliumsrundfunk, aus: Wikipedia
[5] Charismatische Bewegung, in: Oxford-Lexikon der Weltreligionen, S. 193f

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Franziska Rudnick

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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8 Antworten zu “Christliches Gottesbild mit Reiki unvereinbar?”
  1. christian sagt:

    das eine – simplere – ist, über desorientierte und desorientierende aussagen anderer zu befinden.

    das andere: was reiki sei, darüber zirkulieren ja nun auch in reiki-kreisen selbst diverse verschwurbelte spekulationen.

    ich denke, wenn im eigenen hause mehr seriosität in theoretie, diskussion und vermittlung herschte, liesse sich verzerrenden darstellungen durch aussenstehende viel eher das wasser abgraben.

    viel arbeit…..

  2. Gerhard Neuwirth sagt:

    Ja, liebe Reiki Freunde aus Deutschland, da seid ihr ja noch gut drann, wollt ich schreiben.
    Dann suchte ich den Link über Reiki aus unserem österreichischen Kathpedia heraus, über den ich ziemlich lange mit dem Autor per Mail diskutierte und scheinbar auf Granit biss.
    Nun ist das Thema auf einmal kein Thema mehr und über Reiki findet man weder gutes noch schlechtes in der Kathpedia.
    Danke liebe Kirchenleute, wir sind besser dran als unsere Deutschen Reiki Freunde.

    Liebe Grüße

  3. Ludwig sagt:

    Christliches Handauflegen und Reiki-Handauflegen sind schon voneinander zu unterscheiden.

    Was in diesem Artikel nicht deutlich wird, ist die impliizierte Behauptung, Reiki und christlicher Glaube seien entgegen der Behauptung der hier zitierten Pastoren sehr wohl miteinander zu vereinbaren.

    Ist zwischen einer unpersönlichen "Qi" Kraft und einem persönlichen Gott nicht schon begrifflich ein Unterschied?

  4. Pia sagt:

    Ich frage mich, warum es so schlimm wäre, wenn Reiki mit dem christlichen Weltbild unvereinbar ist. Warum wollen denn immer alle von jedem Bestätigung erfahren? Ist das, weil die Reikipraktiker auch christliche Menschen als Kunden haben wollen (also das christliche Klientel nicht verschreckt werden soll), oder weil sie für sich immer noch die Möglichkeit haben wollen aus christlicher Sicht errettet zu sein, auch wenn sie gegen die biblischen Gesetze agieren? (nur für den Fall, dass doch alles richtig ist, was in der Bibel steht)
    Denn sonst bräuchte man sich doch nicht daran stoßen, dass man von einem Glaubensystem nicht akzeptiert wird. Das christliche Weltbild wird ja auch nicht von allen weltlichen und spirituellen Systemen für richtig oder gut empfunden. Na und?

  5. Frank Doerr Frank sagt:

    Pia, deine Fragen sind völlig nachvollziehbar. Das Problem ist aber, wenn Reiki nicht neutral begegnet wird, sondern es – wie in christlichen Hardliner-Kreise üblich – diffamiert und als Teufelswerk bezeichnet wird. Und dadurch christliche Menschen abgeschreckt werden, auch wenn ihnen Reiki auf ihrem Weg helfen könnte. Das geht in eine ähnliche Richtung wie das lebensferne und fundamentalistische Kondomverbot von Papst Benedikt XVI., obwohl Kondome in Afrika viel Leid "verhüten" könnten.
    Glücklicherweise gibt es genügend Christen, die nicht so verbohrt sind…

  6. Pia sagt:

    Aber man muss den Menschen doch so viel Mündigkeit zugestehen, dass sie selbst entscheiden können, was richtig oder falsch für sie ist. Ich denke es gibt genügend Seiten – wie diese – wo sich die Menschen informieren können, sich die verschiedenen Meinungen und Informationen ansehen und lesen können. Reiki wird ja nicht diffamiert, sondern einfach nur gesagt, dass Reiki mit dem christlichen Glauben halt nichts zu tun hat. Damit muss man doch leben können. Ist ja nicht so, dass Reiki verboten ist oder die Christen es anstreben, Reiki zu verbieten. Allerdings den Leuten aus den eigenen Reihen zu sagen, dass sie es aufgrund von einigen Bibelstellen nicht gut heißen wird ja noch erlaubt sein. Ob diese Argumente für Außenstehende etwas gelten oder nicht, ist ja egal, es muss sich ja keiner beeindrucken lassen, denn wie schon gesagt ist es jedem erlaubt persönliche Recherchen anzustellen.
    Und apropos Verschrecken: Viele Menschen werden auch von der Vergangenheit der katholischen Kirche oder dem Glaubensleben der Ökumene verschreckt, und das Christentum wird nicht neutral einfach an den Lehren Jesu Christi gemessen, sondern der Glaube an Jesus wird in diffamierender Weise als mittelalterlich oder als Märchengeschichte dargestellt. Viele gläubige Christen denken sicherlich auch, dass das nicht gerechtfertigt ist (Religion ist nicht gleich Glaube) und dass mit dieser Art dem Christentum voreingenommen zu begegnen vielen Menschen die Chance auf Hilfe durch einen Glauben an Jesus genommen wird.

  7. Pia sagt:

    Sorry, hab noch einen kurzen Nachtrag 😉

    Ich denke nämlich auch, dass Menschen, welche verbohrt sind, also sagen wir nicht "offen" sind für Reiki sowieso keinen Nutzen daraus ziehen könnten, also es nicht funktionieren würde. Also ergibt sich auch kein Problem damit, dass ihnen Wege versperrt bleiben, denn die würden sich ihnen in ihrer Verbohrtheit ja sowieso nicht eröffnen, oder?

  8. Ralph sagt:

    …mit einiger Verspätung aber für mich sehr aktuell möchte ich meinen Senf dabei tun. Ich praktiziere Reiki täglich in meiner Praxis und gehe aber auch gern am Sonntag zum Gottesdienst in eine ev. Freikirchengemeinde. Der Pastor weiß um meine Arbeit mit Reiki und lasst fast keine Möglichkeit aus um mich von meinem „teuflischen“ Treiben abzubringen und mit (aus christlicher Sicht) treffenden Argumenten zumindest Zweifel bei mir zu erzeugen. Reiki steht dem „christozentrischen Heilen“ wie es in den Freikirchlichen Gemeinden praktiziert werden soll, in offener Konkurrenz gegenüber. Die Argumentation des Pastors lautet „Heilung kann nur von Gott kommen und sei eine Gnade“. Und nicht durch ein okkultes Ritual was nur vom Teufel sein kann.
    Mein Konflikt wird euch vielleicht sichtbar. Auf eines muß ich verzichten. Auf den gemeinsamen Gottesdienst oder auf die Arbeit mit Reiki. Ich habe mich für Reiki entschieden und bete halt allein in meinem Kämmerlein zu Gott, wie es auch in der Bibel steht. Ich selbst sehe keinen Konflikt zwischen Reiki und dem Glauben an Gott, nein ich bitte Gott bei jeder Behandlung um seinen Segen und seine Liebe.
    Euch viel Kraft

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