Reiki in Bild der Frau: Sanfte Heilung mit den Händen

090914-reiki-simonsohn.jpgMenschen erfahren auf unterschiedlichsten Wegen von Reiki. Oft ist es ein lieber Freund oder Kollege, der kurz die Hand auflegt oder von Erlebnissen mit der universellen Lebensenergie erzählt. Oder wir stolpern in einem Buchladen, im Internet oder in einer Boulevardzeitschrift über Reiki. Im Juni [1] erschien ein Artikel über Reiki in der "Bild der Frau". Ich war gespannt, welchen Schwerpunkt der Artikel setzen würde und wie authentisch Reiki wohl beschrieben wird.

Zu Anfang des Artikels wird darauf hingewiesen, dass die Reiki Lehrerin Barbara Simonsohn den höchsten, nämlich den 7. Grad des "authentischen Reiki" inne hat. Unerwähnt bleibt, dass die Unterteilung in sieben Grade eine Besonderheit des eigentlich wenig verbreiteten Radiance-Reiki ist. Diese Info hätte den Rahmen des Artikels offenbar gesprengt. 
Weiter geht es mit der Einfachheit des Reiki, welche vor allem damit begründet wird, dass es nur 12 Handpositionen gäbe, weshalb es jeder anwenden könne. Dieser Kausalschluss ist zwar technisch und oberflächlich, aber später wird dann doch noch erläutert, warum Reiki wirklich einfach anzuwenden ist: "Sie [Anm. Die Lebensenergie] fließt von ganz allein dahin, wo sie am meisten gebraucht wird, kann nie überdosiert werden, wird nie aufgebraucht. Wer andere mit Reiki behandelt, ist also danach auch nicht erschöpft, sondern profitiert von der Behandlung." 
Die Wirkweise von Reiki wird anhand der sieben Hauptchakren erklärt. Jeder Mensch trage Blockaden in den Chakren, die bei einer Reiki-Einstimmung gelöst würden. 
Am Ende des Artikels wird auch das Rätsel gelöst, warum über drei Viertel der Artikel-Doppelseite all die Handpositionen abgebildet und mit über 20 dazu passenden Krakheitssymptomen beschrieben sind: "Wer keinen Kurs belegen möchte, kann dennoch Reiki anwenden. […] Während wir uns selbst oder andere behandeln, müssen wir uns auf unser Herzchakra konzentrieren und unserem Herzen immer wieder den Impuls "Gib!" geben. Wir dürfen mit unseren Gedanken aber nicht abschweifen, sonst wird die Heilungsenergie nicht abgegeben." Diese Übung stellte Frau Simonsohn auch in ihrem Buch [1] vor. 
Offen bleibt hingegen, ob der Vorteil einer (ja scheinbar unnötigen) Einstimmung darin bestehe, dass man bei Behandlungen gedanklich abschweifen dürfe. 
Der Leser kann durch den Artikel einen ersten Einblick in Reiki erhalten: Dass Reiki gut tut und es einfach anzuwenden ist. Oder er mag den Eindruck erhalten, dass man Reiki als eine einfache Wellness-Technik abhaken könne, die man sich auf einer A4-Doppelseite selbst aneignen kann. Über den Verweis auf Barbara Simonsohns Buch hinaus finden sich sich im Artikel keine Hinweise darauf, dass Reiki doch etwas umfassender, gar ein Lebensweg sein kann und eine vollständige Reiki-Ausbildung ein langwieriger Lern- und Entwicklungsprozess ist. 
Letzten Endes ist für den Verstand nicht greifbar, wie Reiki wirkt und was eine Reiki-Einstimmung genau beim Einzelnen bewirkt. Ein Artikel in einer Boulevardzeitschrift kann nicht die Tiefe eines Fachbuches haben. Wenn die "Machbarkeit" von Reiki jedoch auf ein willentliches Kommando ans Herzzentrum sowie 12 Handpositionen inklusive Symptombereich reduziert wird, bleibt mir persönlich zu viel auf der Strecke. 
 
[1] Reiki: Sanfte Heilung mit den Händen, in: Bild der Frau, 2009, 25, S. 72-73. 
[2] Barbara Simonsohn, Reiki. Ansata Verlag 2007, 176 S., rezensiert im Reiki-Land .

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Eine Antwort zu “Reiki in Bild der Frau: Sanfte Heilung mit den Händen”
  1. Sabine sagt:

    Hmmm….ich finde es gut, wenn sowas auch in der Boulevardpresse gedruckt wird. Dient es doch sehr gut dazu, dass reiki nicht nur einem eltären kreis zur verfügung steht. auch an kargen orten wachsen nämlich wunderschöne blumen. ich denke nicht, dass es als der genannte artikel mit einem fachbuch überhaupt zu vergleichen ist, denn es ist in diesem sinne wie es in der einschlägigen frauenzeitschrift angeboten wird, eine tor-charakter….wieder eine tür geöffnet für jedermann. und auch wenn reiki da "nur" als mittel gegen kopfweh angeboten würde, sehe ich es als schritt nach vorne, auf dem richtigen weg. antibuotika bekamen früher auch nur die elitären kreise heute aber auf rezept jeder. und das ist auch gut so.
    okay nun wird es heißen, dieser vergleich hinkt. tun sie alle, aber wer zwischen den zeilen lesen kann und weiss wie es sich in weniger elitären kreisen anfühlt und lebt, der weiss jetzt sicher was gemeint ist.
    vielen dank fürs lesen bins hierher.
    sabine wilson

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