Volksentscheid für die Komplementärmedizin in der Schweiz

Volksentscheid für die Komplementärmedizin in der SchweizEin gutes Gesundheitssystem zeichnet sich nicht nur durch eine ausreichende Finanzierung [1] aus, sondern auch dadurch, dass die Mittel sinnvoll eingesetzt werden. Auf die Frage, was sinnvoll bedeuten mag, gaben die Schweizer kürzlich eine Antwort.

 

 


Als ich mir gestern beim Sport den Knöchel verstauchte, humpelte ich gleich zum Arzt. Dort wurde ein Röntgenbild angefertigt, eine Diagnose gestellt und das Bein in angemessener Weise versorgt. Als der Arzt sich erkundigte, ob ich für die unterstützende Weiterbehandlung Reikibehandlungen erhalten möchte, errötete ich beschämt und zeigte auf meine Kassenkarte. Der Arzt füllte routiniert ein Rezept aus und empfahl mir eine Reikipraxis in meiner Umgebung…

Dieses fiktive Geschehen mag in ähnlicher Weise bald in der Schweiz möglich sein, denn am 17.5.2009 sprachen sich in einem Volksentscheid zwei Drittel aller Teilnehmer für die Aufnahme komplementärmedizinischer Behandlungsmethoden in die Grundversorgung aus [2].

Also Reiki auf Rezept? Nicht ganz, denn mit dem Volksentscheid ist das Schweizer Parlament vor allem aufgefordert, die fünf ärztlichen Richtungen der anthroposophischen Medizin, der klassischen Homöopathie, Neuraltherapie, Pflanzenheilkunde sowie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu berücksichtigen, die zwischen 1999 und 2006 schon einmal testweise in die schweizerische Grundversorgung aufgenommen wurden [3]. Ob und nach welchen Kriterien [4] weitere Behandlungsmethoden berücksichtigt werden, bleibt offen und kontrovers [5]. Der naturärztliche Berufsverband favorisiert die Einführung neuer Fachtitel und Qualitätslabels, die eine qualitativ hochwertige Behandlung in der jeweiligen Behandlungsrichtung sicher stellen sollen [6].

Interessant an dem Geschehen ist, dass der Volkswille über die Ergebnisse wissenschaftlicher Wirksamkeitsstudien gestellt wird, und die Bedürfnisse der Menschen direkt aufgegriffen werden. In dem klaren Votum der Schweizer drückt sich der Wunsch nach einer durch ganzheitliche Heilmethoden ergänzte Medizin aus, die über statistische Signifikanz hinaus reicht.

In deutschen Landen ist zwar keine allgemeine Kostenübernahme für TCM- oder Reikianwendungen in Sicht, jedoch übernehmen einige Krankenkassen als Teil einer aktiven Gesundheitsvorsorge bereits einen Teil der Kosten eines Reikiseminars. Die Grundversorgung mit alternativen Heilmethoden für jedermann bleibt jedoch eine Fiktion.

[1] Siehe Ärztezeitung.de
[2] Siehe Ja-zur-komplementaermedizin.ch
[3] Siehe Komplementaermedizin_im_politischen_Prozess
[4] Siehe www.nachrichten.ch
[5] Siehe Volksabstimmung zur Verankerung der Komplementarmedizin in der Schweizer Verfassung
[6] Siehe Komplementaermedizin: Wie soll man Quacksalber aussortieren

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