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 Betreff des Beitrags: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Mo, 16.01.2017 12:45 
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Reiki-Kerze
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AdminEdit: Die folgenden Beiträge wurde aus einem anderen Thread (Rainbow Reiki Lizenzierung) abgetrennt. Das Thema "Reiki und Marketing" wird hier nun gesondert diskutiert. Viel Spaß!

Kanji hat geschrieben:
Und genau der starke Drang nach Öffentlichkeit ist es, die nicht so recht zu einem Reikimeister passt. Ein Drang nach etwas ist in spirituellen Praktiken eh schon etwas schwierig ... aber wenn er denn da ist, geht es darum zu verstehen woher dieser Drang kommt und ihn vielleicht ablegen zu können. Kann man ihn nicht ablegen, ist man als Reikilehrer eigentlich eher ungeeignet und will man ihn nicht ablegen, dann wäre es günstiger ihn durch ein anderes Thema zu kanalisieren.

Ich lese hier immer wieder, WL wäre ein super Marketing-Mann. Wenn das sein Talent ist, hätte er auch ins Marketing gehen können, ohne Reiki zu vermarkten.


Liebe Kanji,
von etwas überzeugt zu sein, und den Wunsch zu verspüren, das in die Welt zu bringen ist doch nichts schlimmes? Und wenn jemand für "Reiki brennt", über Jahre Erfahrung sammelt und dem Wissen darum sein Leben widmet, ist das sicher auch eine ganz wundervolle Motivation, ein System bekannter zu machen.
Extrovertierte Menschen - und so schätze ich Walter Lübeck ein, ohne ihn persönlich zu kennen - sind damit oft sehr erfolgreich.
Etwas mit viel Überzeugung zu tun, kostet Zeit. Die mag man nicht mit anderer Arbeit vertun. Also ist die logische Konsequenz, dass dann auch eine Notwendigkeit entsteht, sich mit Marketingtools vertraut zu machen und außer der Rolle des Heilers auch noch die Rolle des Unternehmers einzunehmen.
Es ist in unserer Kultur nun einmal so, dass wir finanzielle Verpflichtungen haben und mit unserer Arbeit Geld verdienen müssen, um ihnen nachzukommen.
Das war wahrscheinlich nicht immer so. In der kulturellen Entwicklung über viele Jahrhunderte kann man nachlesen, dass die praktischen Aufgaben des Lebensunterhalts oft von Schülern übernommen wurden, die im Tausch gegen das Wissen und die Weisheit für den Lebensunterhalt des Meisters gesorgt haben.

Heutzutage haben wir kaum noch Tauschhandel, sondern ein Finanzsystem.

Aber an der Grundlage: der Meister gibt das Wissen weiter, die Schüler erbringen Gegenleistungen dafür, hat sich grundsätzlich nichts verändert.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wieviel Gegenleistung muss denn erbracht werden? Was ist den Schülern das Wissen wert?

In einer Marktwirtschaft bestimmt die Nachfrage das Angebot und damit den Preis.
Menschen sind bereit, für Walter Lübecks Wissen Geld auszugeben. Wieviel weiß ich nicht, es interessiert mich auch nicht.

Für mich gibt es jedoch keine Veranlassung, Menschen zu verurteilen, die mit ihrem Wissen und der Arbeit, für die sie brennen, Geld zu verdienen. Und dabei ist es erst einmal egal, ob es sich um landwirtschaftliche Produkte oder spirituelle Dienstleistungen handelt.

Aus meiner Sicht ist es jedoch grundsätzlich nicht in Ordnung, wenn ethische Grundlagen dabei auf der Strecke bleiben. Ethik bedeutet für mich z.B., dass Konsumgüter lebensunterstützdend produziert werden. Und natürlich auch, dass gemachte Zusagen, ob schriftlich oder mündlich, auch eingehalten werden.
Darum dreht sich die Diskussion hier.

Wieso ist also der Drang, mit spiritueller Praxis seinen Lebensunterhalt zu verdienen "schwierig"???
Ich würde es eher begrüßen, wenn sich in unserer Marktwirtschaft etwas mehr Spiritualität etablieren würde, und Ethik öfter ein Thema wäre!

Und nun konkret weiter zu deinem Post: Ja, man kann schließen dass Walter ein "Super- Marketing- Mann" ist. Wieso sollte er das nicht? Und ja: man darf auch von Reiki leben können - warum nicht?
Lediglich die Frage "Hat Walter eine Zusage gemacht und dann einseitig widerrufen" ist weiter offen und darf, sollte und muss m.E. diskutiert werden. Und eben auch gerichtlich, wenn es notwendig ist. Zum Glück leben wir in einem Land, in dem so eine Frage auch ein Gericht beschäftigt! Dafür bin ich dankbar.

Liebe Grüße und einen schönen Tag


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 Betreff des Beitrags: Re: Rainbow Reiki Lizenzierung
BeitragVerfasst: Mo, 16.01.2017 21:56 
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Reiki-Feuer
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Hallo Lamina,

ich sehe es als ein grundsätzliches Konzept unseres Lebens an, das in fast allen spirituellen Lehren enthalten ist, in (s)einer Mitte zu leben.
Und wenn die gefunden ist, verliert sich auch der Wunsch, seinen Drängen und Wünschen nachzugeben, die Verlockungen und Versuchungen des Lebens werden sozusagen kleiner.

In sehr unausbalancierten Zuständen, neigt man erheblich eher dazu, diesen Verlockungen nachzugeben.

Mittlerweile gibt es schon sehr viele Menschen, die ihren Lebensstil etwas "runterfahren", weil ihnen dieses ganze "du musst dieses haben, du sollst jenes kaufen, nur duch dieses oder jenes Produkt wirst du glücklich" etc. nicht mehr gefällt.
Thema "Work-Life-Balance" ....

Man kann auch ohne viel Werbung und Marketing ein guter Reiki-Meister sein, eigentlich wären für alle Meister aller Stile genügend Schüler da. Wenn nun aber ein Reiki-Stil derart vermarktet wird, entsteht wieder ein Ungleichgewicht.
Und dieses fängt irgendwann, durch irgendeinen Auslöser wieder an, sich selbst herzustellen ....

Viele Menschen betrachten es ja geradezu als die Ursache für die ganze Hektik in unserer Welt, dass jeder noch mehr Geld oder noch mehr Einfluss haben möchte.

Hast du je davon gehört, dass sich in den Zeiten z.B. der Urbuddhisten ein Meister darangemacht hat, sich Schüler zu suchen ? Ich denke es, war eher umgekehrt.
Und ein Meister hat sich auch nicht durch die Wünsche seiner Schüler beeindrucken lassen.
Er hat sein (meistens sehr bescheidenes) auseglichenes Leben gelebt und war offensichtlich sehr zufrieden damit. Und gerade diese Zufriedenheit hat die Schüler angezogen.

LG Kanji


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 Betreff des Beitrags: Re: Rainbow Reiki Lizenzierung
BeitragVerfasst: Di, 17.01.2017 13:38 
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Reiki-Kerze
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Liebe Kanji,
zunächst einmal: "Lamia" , nicht Lamina. Es ist bereits das zweite Mal, dass du mich so ansprichst, also erlaube ich mir diese Korrektur.

Zum Thema: Ich finde nicht, dass in der eigenen Mitte zu leben, den Wunsch und Drang nach Lebensrealisierung ausschaltet. Aber du meinst wohl eher überzogene egozentrierte Handlungen und Konsumwunsch? Da würde ich dann wieder zustimmen.

Marketing ist ein "Produkt" unserer Zeit. Dass es nichts darüber aussagt, wie jemand arbeitet, würde ich nicht sagen. Man kreiert durch Werbung ja auch ein bestimmtes Bild.
Ob ein Reikimeister/in für mich "gut" ist, ist subjektiv. Jemand, der mich mit bestimmten Themen konfrontiert, kann ein schlechter Lehrer sein, trotzdem mag es gut sein, wenn ich damit an meine eigenen Themen komme.

Aus meiner Sicht ist Marketing also ein sinnvolles Werkzeug der heutigen Zeit.
Apropos Werkzeig: Man kann einen Hammer dazu nutzen, einen Nagel in Wand zu schlagen und ein Haus zu bauen. man kann ihn auch nutzen um damit jemanden umzubringen. Macht das den Hammer damit zu einem schlechten Werkzeug? (Um mal ganz plakativ zu werden...)

Ob, und in welchem Maße, Marketing notwendig ist, mache ich persönlich auch daran fest, ob ich einen Job habe, von dem ich hauptsächlich lebe, und Reiki "nebenbei" mache, oder ob ich von meinen Angeboten auch leben möchte.
Beides ist m.E. legitim und hat Vor- und Nachteile.
Vorteil von Werbung und Marketing ist auch, dass ein System als solches dadurch bekannter wird und mehr Menschen erreicht. Und wenn man auf die Unterstützung der Krankenkassen und Kostenüberahme hofft, ist das sicher sinnvoll. Viele Menschen zu erreichen wäre doch auch sehr schön, um wiederum ein Stückchen zu einer besseren Welt beizutragen?! ;-)

Ich merke, dass mir in allen Bereichen ein ausgewogenes Verhältnis von Innen und Außen wichtig ist. Du nennst es Balance, ja, wobei mir persönlich als Bewegungsmensch "Work-Life-Flow" mehr entspicht.

Ich arbeite auch mit Gruppen von Menschen im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, bezeichne mich aber weder als Lehrerin noch als Meisterin, sondern als "Ermöglicherin". Ich schaffe nach meinem besten Können und Wissen einen Raum, in dem persönliche Entwicklung möglich ist. Ob und wie jemand diesen Raum nutzt (oder nutzen kann) steht nicht in meiner Macht.

Außerdem bin ich ein Fan von Authentizität und Transparenz.

Ist das gegeben, kann ein Mensch auch auswählen, ob er von Walter Lübeck lernen möchte oder von XY. Das ist Eigenverantwortlichkeit und die entspricht auch Usuis Lebensregeln, soweit ich sie verstehe.

Sich die Grundlagen des Meister-Seins in alten Zeiten anzuschauen und davon zu lernen ist sicherlich eine gute Idee. Aber das Leben bleibt nun mal nicht stehen, auch wenn wir manchmal meinen "früher war alles besser". Manches war sicher besser, anderes nicht.

Die Kunst besteht für mich darin, "gerade heute" zu leben, zu lernen, zu lieben, und meine Kraft dafür einzusetzen, dass um mich herum ein Umfeld entsteht, in dem ich das gerne tue. Dadurch entsteht in mir Zufriedenheit. Ich persönlich brauche dazu keinen extravaganten Lebensstil.
Obwohl, das Leben, das ich führe, aus Sicht anderer Menschen durchaus extravagant sein könnte... ich lebe in Deutschland und das ist im Moment ein Land mit sehr viel Luxus.

Wie man leben möchte, was wirklich wichtig ist, kann jeder Mensch nur sich selbst beantworten, denn es entsteht aus persönlichen Erfahrungen, aus der eigenen Geschichte und dafür gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept.
Was mich in meinem Leben unterstützt, was nicht, entscheide ich nach besten Wissen und Gewissen. Das ist freie Lebensgestaltung.
Ich glaube, dass sie heute deutlich freier sein dürfte, als zu Zeiten der Urbuddisten, Insofern wäre es schön, wenn Menschen erst einmal daran arbeiten, Meister des eigenen Lebens zu werden. Ja.
Aber wie sie das tun, mag und kann ich nicht beurteilen.

Ich danke dir für diesen regen Austausch hier! Liebe Grüße und einen schönen Tag für dich.
Lamia ;-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Rainbow Reiki Lizenzierung
BeitragVerfasst: Di, 17.01.2017 19:44 
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Reiki-Feuer
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Hallo Lamia,

erst mal sorry für das zusätzliche "n". Bitte entschuldige.

Ich stimme deinen Ausführungen zu, möchte aber zwei Aspekte näher beleuchten.

Lamia hat geschrieben:
Ist das gegeben, kann ein Mensch auch auswählen, ob er von Walter Lübeck lernen möchte oder von XY. Das ist Eigenverantwortlichkeit und die entspricht auch Usuis Lebensregeln, soweit ich sie verstehe.


Ja, ein Mensch , der sich schon lange mit Reiki beschäftigt, kann wählen, denn er kennt vielleicht schon den einen oder anderen Unterschied zwischen verschiedenen Stilen.
Ein Mensch der aber noch nie Reiki praktiziert hat, müsste sich nun erst mal genau darüber informieren.
Und nun passiert beim Reiki-Marketing ja genau das, was auch bei anderen Dingen passiert.
Mann hört ständig und dauern nur noch einen Markennamen und denkt, das sei auch das bessere - oder besser: das passendere - Produkt.
Das weiß man am Anfang aber überhaupt noch nicht.
Ich habe es vor sehr langer Zeit mal so gelernt: allein die Suche nach dem passenden Meister (heutzutage vielleicht auch nach dem passenden Stil) ist schon Teil des Reiki-Weges. Bei dem Marketing-Rummel könnte dies schon unterbleiben.
Die großen Firmen stecken mittlerweile fast ein Drittel bis die Hälfte ihrer Ausgaben ins Marketing und das tun sie nicht, damit die Menschen wählen oder ausprobieren, sondern damit sie von vornherein glauben, das Produkt XY sei des beste für einen.

Der andere Aspekt ist der, dass wir derzeit in einer sehr hektischen Zeit leben. Wir sollen allen möglichen Umständen gerecht werden und/oder viele Bereiche "unter einen Hut bekommen.
Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Musiker, der kurz zuvor in einem Orchester eine Anstellung fand. Für mich hörte sich das, was er erzählte so richtig gut an, als hätte er es geschafft, sein bislang gepflegtes Hobby zum Beruf zu machen. Ich war recht "erstaunt" als er sagte: "Ja das ist schon richtig. Aber wer sein Hobby zum Beruf macht, verliert ein Hobby. Ich kann jetzt nicht mehr musizieren, wann ich möchte, in welcher Tonart oder Tempo und welches Musikstück ich spielen möchte. All das wird mir jetzt vorgegeben."

Genauso hört es sich für mich an, wenn jemand seinen Reiki-Stil vermarktet.
Es geht immer weniger um Reiki.
Es geht immer mehr um Beschäftigungen, die mit Reiki an sich wenig zu tun haben und im Fall von WL dazu sich immer mehr um Marketingfragen kümmern, also Werbung für sein Produkt machen und dabei die von ihm eingeweihten Meister auch als "Werbeträger" zu nutzen.
Es passiert dort etwas ähnliches, wie es in anderen Frenchize-Bereichen (schreibt sich das so ? :upside: ). Nur wer lizensiert ist, darf ein Produkt nutzen, unternehmerische Freiheit Fehlanzeige, dafür aber viel Verdrängen kleinerer Reiki-Praxen.
Und wenn dann jemand nicht alles genauso macht, wie es "vorgeschrieben" wird, darf man halt nicht mehr den Markennamen verwenden.
Und zu guter Letzt wird man verklagt.
Das hat für mich nichts mehr mit "Selbstständigkeit" oder freier Lebensführung zu tun.
Schau dich mal in Tankstellen um oder Lebensmittel-Läden, die einer bestimmten Kette angehören. Da ist nix mehr mit Eigengestaltung und auch nix mit Eigenverantwortung.

Es ist meist eigentlich genau das, woraus die meisten gern rausmöchten ... ziemlich starke Fremdbestimmung.

LG Kanji


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 Betreff des Beitrags: Re: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Mi, 18.01.2017 18:12 
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Reiki-Kerze
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Liebe Kanji,
klar, die Auswahl heute ist riesig groß. Marketing ist vielfältig und superpräsent, da stimme ich zu. Und ich stimme auch zu, dass wohl manch einer meint, dass ein Produkt, das gut beworben wird, auch das beste Produkt ist.
Aber ich traue Menschen insgesamt tatsächlich mehr kritisches Denken zu.

Nehmen wir mal Coca-Cola als Beispiel. Super Werbespots, riesig aufgestelltes Marketingkonzept. Und trotzdem ist es schon zu vielen Menschen durchgedrungen, dass man die Produkte mit Vorsicht geniessen sollte - um es hier mal vorsichtig auszudrücken.

Dass Marketing aber grundsätzlich unlauter ist, bzw. darauf angelegt, Menschen an der eigenen freien Wahl zu hindern, kann ich daraus nicht schliessen. Es geht grundsätzlich mal darum, auf ein bestimmtes Produkt aufmerksam zu machen.

Klar, die Wahl ist schwierig bei der Riesenauswahl, die wir haben.

Franchising ist für mich persönlich auch keine Option, aus den Gründen die du auch anführst. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass diese Systeme für manche Menschen Risikominimierung beim Schritt in die Selbstständigkeit bedeuten. Aus der Sicht gibt es da m.E. schon eine Parallele zur Lizensierung.

Du schreibst jedoch auch selbst, dass die Wahl des Meisters Teil des Weges ist.
Ja stimmt, und vielleicht führt mich die eine oder andere Wahl auf einen Irrweg. Okay, dann ist auch das Teil meines Weges. Tatsächlich habe ich persönlich in meinem Leben schon viele unterschiedliche Dinge getan, bin verschiedene Wege und Umwege gegangen... letztlich hat genau das dazu geführt, dass ich meiner eigenen Intuition mehr vertraue. Ich möchte keinen dieser Wege missen. Und wenn man einen Weg geht, (auch wenn er nicht immer zielführend ist) kann man die Aussicht (und manches andere) geniessen und Erfahrungen sammeln, die an Ende auch zu mehr Weisheit führen. Das kann einem niemand abnehmen, denn es ist Teil unseres Lebensweges, Lebenserfahrung eben.

Auch der Musiker, von dem du berichtest, wird von niemandem daran gehindert zu musizieren. Wenn ihm durch das Orchester seine Motivation abhanden kommt, ist das tragisch.
Vielleicht braucht er jedoch genau diese Erfahrung, um zu erkennen, dass er als Solist mehr Spass hat und wird ein begnadeter Musiker, der Menschenmassen bewegt - wer weiß das schon?

Wieviel Zeit Walter Lübeck in Werbung und Marketing investiert... keine Ahnung. Wie gesagt, ich kenne ihn nicht. Ich finde jedoch, er macht das Marketing gut.
Über Inhalte weiß ich zu wenig, um sie beurteilen zu können.
Was ich bisher weiß, würde mich (trotz gutem Marketing) nicht davon überzeugen, Rainbow-Reiki zu lernen.
Ich kann eine Werbung und/oder ein Marketingkonzept gut finden, aber das Produkt selbst überzeugt mich nicht, bzw. es entspricht nicht dem, was ich mir vorstelle.

Ich glaube immer noch daran, dass Menschen das Recht der Wahl haben und bin überzeugt, dass das absolut wichtig ist.
Beim Recht auf freie Wahl gibt es aber auch Pflichten und Verantwortlichkeiten.
Ich kann nicht etwas wählen und hinterher jemand anderen dafür verantwortlich machen - auch wenn mir das mit Marketingmethoden schmackhaft gemacht worden ist.
Voraussetzung ist natürlich immer, dass niemand absichtlich oder wissentlich schaden will.

Insofern gehe ich davon aus, dass Menschen, die Rainbow- Reiki inklusive Lizensierung wählen, das im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte tun und vorher lesen, was sie unterschreiben. Das ist freie Wahl, und wer bin ich, die Entscheidung von erwachsenen Menschen in Frage zu stellen?

Damit wären wir dann wieder am Ausgangspunkt der Diskussion: einen abgeschlossenen Vertrag einseitig zu ändern, im Nachhinein weitere Klauseln einzufügen und darauf basierend dann finanzielle Forderungen zu stellen oder Berufsausübung unter Strafe zu stellen, ist aus meiner Sicht unlauter. Darum ging es primär.

So wie ich das jetzt aber verstanden habe, entferne ich mich hier nun wieder vom Thema Marketing... also stelle ich weitere Lizensierungsfragen dann evtl. mal in dem "Lizensierungsthread" und wir können dort weiterdiskutieren.

Liebe Grüße
Lamia


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 Betreff des Beitrags: Re: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Fr, 20.01.2017 19:07 
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Reiki-Feuer
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Reiki-System: Usui Shiki Ryoho
Liebe Lamia,

ich lese gerade das Buch "Die Wissenschaftslüge" von Ben Goldacre.
Leider ist der Anfang nicht ganz einfach zu lesen, aber später wird einem schlagartig klar, wie und warum wir durch Marketing so steuerbar werden und gar nicht durchschauen können, was ein Vermarkter da mit uns macht.

Ein Beispiel: ein Versicherungsvertreter oder ein Berater in Sachen Einbruchsschutz wendet sich an dich und teilt dir mit, dass die Anzahl der Einbrüche im letzten halben Jahr um 50 % in deiner Gemeinde oder Stadt, in der du lebst, angestiegen sind. Er will Angst bzw. Unsicherheit schüren, damit er sein Produkt verkaufen kann und geht dann auch gleich von seinen Zahlen zu seinem Produkt über. Er preist dir all die Vorteile bzw. guten Inhalte seines Produkts an und in der Tat scheint es ein gutes Produkt zu sein.
Die Frage ist aber, ob du dieses Produkt tatsächlich brauchst.
Was heißt denn eine Steigerungsrate von 50 % ?
Wenn es im letzten halben Jahr anstatt vier Einbrüche nun sechs Einbrüche gegeben hat, ist das eine Steigerung von 50 %.
Wenn in deiner Stadt 100 Haushalte leben, dann sind aber bei vier Einbrüchen gerade mal 4 %, bei sechs Einbrüchen 6 % der Haushalte betroffen.
Es liegt also aus diesem Blickwinkel betrachtet nur eine Steigerung um 2 % vor.
Bei 1000 Haushalten läge die Anzahl der betroffenen Haushalte bei 0,4 % bzw. 0,6 % und die Steigerung somit bei 0,2 %.
Mit solchen Zahlen verkauft sich dann aber fast gar nichts mehr.
Also wird in die Beschreibung des Produkts immer wieder noch was anderes eingeflochten, was an sich gar nicht falsch sein muss. Dein Gehirn versucht nun alles zusammenzubringen und da uns unser Gehirn auch prima selbst tunneln kann, bleibt bei einem geschickten Marketing-Menschen am Ende bei dir nur noch hängen "In 50 % der Haushalte wird eingebrochen." Und als nächstes "Oh Gott, ich muss mich davor schützen."
Und dann schließt du eine Versicherung ab, oder kaufst Türriegel, obwohl faktisch nichts (oder kaum was) los ist.

Marketing dient nicht der Information. Es dient lediglich dazu Verkaufsstrategien anzuwenden, um einem potenziellen Kunden zu einem tatsächlichen Kunden zu machen.

Ähnliches passiert auch bei angeblich wissenschaftlichen Studien, die für Marketing-Zwecke genutzt werden. Diese Studien sind so angelegt, dass sie genau das beweisen, was sie beweisen sollen. Die Studien werden so angelegt bzw. hinterher sogar noch so verändert, dass alles was Zweifel an der Aussage der Aussage aufkommen lässt, rausgenommen wird.
Seltene Einzelphänomene etwa ....
Wenn man etwas beweisen will, ist es definitiv für einen Marketing-Menschen nicht wünschenswert, wenn das Gegenteil sehr leicht bewiesen werden kann. Daher sagt auch kein Markteing-Mensch "alle Menschen ....", denn ich brauche nur einen einzigen zu finden, bei dem etwas anders als gewünscht funktioniert.

Auch anders kann man mit Zahlen faken ... "97 % aller Befragten, würden dieses Produkt ihrer Freundin empfehlen" ... sehr schön .... wenn aber 90 % der Befragten das Produkt Mist finden, haben wir nur noch 10 % Nutzerinnen und von denen empfehlen es dann 97 % weiter ... insgesamt also 9,7 % und ob diese Empfehlung dann aufgegriffen wird, weiß kein Mensch. Außerdem sagen diese Zahlen nichts darüber aus, ob die Befragten das Produkt tatsächlich verwenden, nur ob sie es empfehlen würden. Nicht ein einziger muss es verwenden. Trotzdem empfiehlt man es.

Und dann gibt es noch so etwas wie ein "Gruppen-Tunnel-Blick", so eine Art gegenseitige Bestätigung, dass das, was man tut, auch gut und richtig ist.
Im Fernsehen lief mal eine Sendung über das Phänomen "Selbstoptimierung" durch Botox und andere Eingriffe im Gesichtsbereich.
Das saßen dann diverse Menschen, die alle irgendwelche Eingriffe hinter sich hatten und lobten sich gegenseitig, wie gut sie doch aussehen würden und ob sie mal die Adresse von dem Arzt haben könnten etc.
Ich saß dann da und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Menschen, die kaum mehr menschliche Gesichtszüge aufwiesen, dank silikonaufgefüllter Wangen und Lippen, nach hinten gezogener Gesichter dank Lifting und vollkommener Unfähigkeit zu irgendeiner Mimik dank Botox beweihräucherten sich gegenseitig, wie schön sie doch seien ....
Mir geht es hier nicht darum, ob diese Menschen tatsächlich schön sind oder nicht, dass muss jeder selber entscheiden. Es geht um den Selbstverstärkungsmechanismus.

Nach all dem, was da so Gang und Gebe ist in diesem Bereich, sage ich:
Für mich ist Marketing die schlimmste Lüge, die Menschen Menschen antun können.

Du bekommst nicht mehr die Information, du bekommst eine Interpretation einer Information, die je nach dem wofür sie genutzt wird, anders aussieht.

Auf RR bezogen (und im Grunde genommen auch auf die anderen Reiki-Stile), gäbe es da mal einige Aussagen zu hinterfragen.

Der Sinn eines jeden Reikimeisters, eines jeden Arztes, eines jeden Heilpraktikers, eines jeden Psychologen besteht im Grunde genommen darin, sich für den "Ratsuchenden" möglichst schnell überflüssig zu machen. Da immer mehr Reikipraktizierende nun aber von Reiki leben möchten, passiert genau das Gegenteil. Den Leuten wird eingeredet, sie bräuchten Reiki (oder auch irgendeine andere "spirituelle" Praxis), denn sonst würde all die Reikimeister auf einmal ohne "Job" dastehen.

Für PROReiki wäre es auch mal wichtig über den Tellerrand ihres Vereins hinauszugucken.
In PROReiki sind etwa 400 Mitglieder versammelt. Wie viele davon sind aktiv, wie viele passiv.
Wie viele "Reikimenschen" gibt es überhaupt in Deutschland ? Wie viele sind in den ersten Grad eingeweiht, wie viele in den zweiten, wie viele sind Meister ? Wie viele jeden Grades praktizieren aktiv ? Wie viele haben "irgendwann" mal eine Einweihung erhalten, nutzen Reiki aber nicht (mehr) ?
Wie viele Interessierte gibt es, die z.B. das Reikimagazin (oder etwas Vergleichbares) abonniert haben ?
Die Aussage von WL oder jedem anderen Meister, er habe souodsoviele Schüler eingeweiht ist ohne Kontextzahlen wertlos (siehe oben).
Psychologiestudenten müssen zu Beginn ihres Studiums zwei Semester Mathematik belegen, Schwerpunkt Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik, damit sie überhaupt mit Studienmaterial vernünftig arbeiten können.

Marketing wird ausschließlich von Firmen oder Menschen ge-/missbraucht, die etwas verkaufen möchten.

Ich finde es wichtig (zum Thema Authentiziät), dass ein Reikischüler sieht, dass seine Mitschüler ähnliche Probleme haben mögen wie er selbst. Und dass auch sein Meister ähnliche Probleme hatte oder noch hat, aber anders damit umgeht, so dass es eben kein Problem mehr ist.
Und wenn dann ein sehr extrovertierter Meister mit seinem Verhalten erst für Probleme sorgt, dann finde ich, dass das dann sehr an Sinn und Zweck von Reiki vorbeigeht.
Und solange ein Meister dann die Informationen zu seinem Stil auch noch schützen lassen will und sie auch an "Kritiker" nicht herausgibt, kann gar kein vernünftiger Austausch stattfinden und damit auch keine wirkliche Annäherung.

WL schlägt gerade einen Kurs ein, bei dem er von guten Freunden und Bekannten gleichen Ranges mal wieder "eingefangen" werden müsste. Stattdessen unterstützen ihn Schüler und andere Meister, weil es ihren eigenen Interessen genauso dient, wie denen von WL.
Damit ist aber Reiki kein guter Dienst erwiesen, sondern es zeigen sich die Lücken "im System", aber auch bei Vereinen.

Wie gesagt, ich denke, die meisten spirituell Suchenden, wissen noch gar nicht genau, wonach sie suchen und können auch mit den Informationen noch nicht das anfangen, wie ein langjährig Praktizierender. Und wenn diese auf einen vermarkteten Reikistil treffen, geraten sie im Grunde genommen von Regen in die Traufe.

LG Kanji


Zuletzt geändert von reiki-kanji am Fr, 20.01.2017 19:21, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Fr, 20.01.2017 19:10 
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Reiki-Feuer
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Lamia hat geschrieben:
Auch der Musiker, von dem du berichtest, wird von niemandem daran gehindert zu musizieren. Wenn ihm durch das Orchester seine Motivation abhanden kommt, ist das tragisch.


Noch ein kleiner Nachtrag.
Dieser Musiker war weder demotiviert noch unzufrieden. Er hat mir nur schlagartig die Unterschiede zwischen einem Beruf und einer Berufung klargemacht.

Bei einer Berufung stehen innere Bereitschaft und äußere Gegebenheiten einfach sehr viel mehr im Einklang zueinander. Bei einem Beruf muss das nicht unbedingt so sein. Da kann man auch nach Berufsregeln arbeiten, ohne dass das eigene Innere in Übereinstimmung steht.

Wenn jemand ins Marketing will, dann soll er am besten da ins Marketing gehen, wo seine Fähigkeit und Zuneigung zu dieser Tätigkeit geschätzt und gebraucht wird, und nicht vorgeben etwas ganz anderes zu machen (z.B. Reiki) und dann tatsächlich eine Marketing-Nummer durchziehen.

Auch so etwas ist nicht authentisch.

LG Kanji


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 Betreff des Beitrags: Re: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Sa, 21.01.2017 14:03 
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Erstmal eine Begriffsdefinition (laut Wikipedia):
Zitat:
Der Begriff Marketing oder (deutsch) Absatzwirtschaft bezeichnet zum einen den Unternehmensbereich, dessen Aufgabe (Funktion) es ist, Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten (zum Verkauf anbieten in einer Weise, dass Käufer dieses Angebot als wünschenswert wahrnehmen); zum anderen beschreibt dieser Begriff ein Konzept der ganzheitlichen, marktorientierten Unternehmensführung zur Befriedigung der Bedürfnisse und Erwartungen von Kunden und anderen Interessengruppen (Stakeholder). Damit entwickelt sich das Marketingverständnis von einer operativen Technik zur Beeinflussung der Kaufentscheidung (Marketing-Mix-Instrumente) hin zu einer Führungskonzeption, die andere Funktionen wie zum Beispiel Beschaffung, Produktion, Verwaltung und Personal mit einschließt.

Anlass zum Start dieses Threats war das Lob eines ehemaligen Rainbow Reiki Meisters für Walter Lübeck in Sachen Marketing. Dieser Meinung schließe ich mich gern an: Walter ist in Sachen Marketing aus meiner Sicht der wohl erfolgreichste deutsche Reiki-Lehrer. Dies ist eine Leistung, die ich grundsätzlich anerkenne. Nicht umsonst hatte ich Walter für mein Reiki-Meister Buch gebeten, das entsprechende Kapitel beizutragen.

Marketing ist für mich nichts schlimmes. Als sich Usui mit einer brennenden Fackel auf den Marktplatz gestellt haben soll, hat er nichts anderes getan als Marketing. Für mich bedeutet es: Ich zeige mich mit dem, was ich anbiete, in der Öffentlichkeit.

Marketing verachte ich dann, wenn es manipuliert und lügt. Was leider sehr oft passiert. Marketing ist für mich dann sinnvoll und integer, wenn es authentisch ist. Einfach nur sagt: Hier bin ich und das tue ich. So dass man eine Chance hat, wahrgenommen zu werden, und seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ich bin sicher, Walter hat mit seinen vielen Publikationen viel dazu beigetragen, Reiki bekannter zu machen. Insofern hat er, bevor die ganze Lizenzierung von Rainbow Reiki begann, viel positives für das Usui-System getan. Und ich vermute, dass er für Reiki als Praxis der Selbstheilung und Selbstentwicklung viel Begeisterung hatte. Warum soll man Marketing als Beruf wählen, wenn einen Marketing als solches nicht interessiert? Es macht vielmehr Sinn, seine diesbezüglichen Fähigkeiten dort einzubringen, wofür man brennt.

Ab 1999 habe ich einigen Reiki-MeisterInnen, deren Arbeit ich sehr schätzte, angeboten, für sie Webseiten zu erstellen. Sie wollten nicht. Denn es war Marketing und damit schlecht. Oder sie hatten ein persönliches Problem mit öffentlicher Darstellung. So haben dann andere Reiki-Meister, die vielleicht weniger essentielles zu sagen hatte, die Öffentlichkeit erobert, und diese Alliance Meister haben immer weniger Schüler gefunden. Dieses Problem mit sinnvoller und guter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zieht sich aus meiner Sicht seit Anbeginn durch The Reiki Alliance und dem, was daraus entstanden ist. Bis aktuell hin zu ProReiki (wenn es auch wesentlich besser geworden ist als früher bei der TRA). Dies sind aus meiner Sicht Altlasten eines Systems, so wie auch Rainbow Reiki beispielsweise energetische Altlasten zu haben scheint (dazu habe ich ja einiges im Lizenzierungsthread geschrieben).

Ein Reiki-Lehrer sollte aus meiner Sicht kein grundsätzliches Problem mit den Thema Marketing haben, solange es im Sinne einer authentischen Öffentlichkeitsarbeit erfolgt. Wenn es allerdings Haltungen im Sinne von "Mein Reiki ist das Richtige" (wie früher gern als Tendenz bei The Reiki Alliance erkennbar) oder "Mein Reiki ist besser" (wie in den letzten Jahren als Tendenz bei Rainbow Reiki oder Jikiden Reiki erkennbar) ausdrückt, dann halte ich es für sehr bedenklich. Mit ein wenig angebrachter Bescheidenheit hat man zwar nicht ganz so viel Erfolg, zieht dafür aber die passenderen Schüler an :)
Die richtige Balance zwischen Bescheidenheit und seiner eigenen "Größe" zu finden, ist wichtig. Dies ist kein einfacher, aber dafür ein sehr lehrreicher Prozess, der Teil des Meister-Weges ist. Jeder Anbieter muss hier seinen eigenen, individuellen Weg finden mit Respekt vor anderen authentischen Wegen.

_________________
"Hallo ihr inneren Kinder, ich bin der innere Babysitter" (Terry Pratchett, Hogfather)
Fragen zu Reiki, Forum oder Reikiland bitte nicht via PN oder eMail, sondern im Forum posten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Sa, 21.01.2017 14:11 
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Liebe Kanji,
ja, spannend und ausführlich, was du da über das Marketing schreibst.
Daran ist viel Wahres, leider. Und ich glaube auch, dass sehr oft, und seit Jahrzehnten zunehmend Gewinnoptimierungssucht die Motivation war und bedauerlicherweise noch ist.

reiki-kanji hat geschrieben:
Marketing wird ausschließlich von Firmen oder Menschen ge-/missbraucht, die etwas verkaufen möchten


Aber dass das grundsätzlich bei jeder Marketingmaßnahme so sein muss, glaube ich nicht.
Auch die Natur kennt Marketing: siehe Balztänze - auch das ist Marketing... manchmal sogar in einer sehr schönen Form. :wink:

Aber, wie schon gesagt: ich bin auch Freiberuflerin, habe eine Website, verteile Flyer, versende Newsletter und Informationen. Ich möchte zudem von meiner Arbeit, die auch spirituell ist, gerne leben können.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ich gezielt Fehlinformationen herausgebe und/oder versuche, Menschen zu manipulieren.

Und so, wie die Sensibilität im Umwelt- und Nahrungsmittelbereich langsam steigt, könnte auch in anderen Bereichen Veränderung stattfinden... und ich weiß, dass es sehr viele Menschen mit Kraft, Kompetenz, Klarheit und ganz viel Liebe gibt, die daran arbeiten. Zum Glück, kann ich nur sagen!

Gesellschaftlich leben wir im Moment ein "Anthropozentrisches Prinzip" - der Mensch als Krone der Schöpfung. Das ist ein hierarchisches Modell, dass automatisch andere naturliche Lebensformen (Tiere, Pflanzen etc.) als untergeordnet betrachtet (und auch so behandelt...)
In meinem Arbeitsbereich sprechen wir jedoch von einem "Biozentrischen Prinzip". Das bedeutet das Leben (griechisch:Bios = Leben) in dem Mittelpunkt zu stellen. Ganz praktisch wäre damit z.B. die Absicht einer Firma, die etwas produziert, nicht mehr Gewinn- und/oder Machtoptimierung, sondern die Idee, das Leben zu fördern.
Tatsächlich gibt es bereits Firmen, die nach diesen Prinzipien wirtschaften.
Wir haben von unserer Kompetenz, unserem Wissen und technischen Möglichkeiten her bereits alle Voraussetzungen, Bedingungen zu schaffen, in denen wir Menschen gerne und motiviert leben und arbeiten. Bedingungen, wo Gemeinschaft gelebt wird und gegenseitiger Respekt, Toleranz und Wertschätzung wichtige Grundlage des Zusammenlebens sind, wo die Natur erhalten und gefördert wird, und Produktion ressourcenschonend stattfinden kann.

Und nein, ich bin keine abgehobene Träumerin, sondern versuche, nach bestem Wissen und Gewissen die notwendigen Schritte dazu auch in meinem Alltag zu realisieren.

Fridjof Capra, ein System-Theoretiker und Philosoph der Neuzeit, Mitbegründer der New-Age Bewegung, hat viele Bücher zum Thema veröffentlich (z.B. Wendezeit) Er kritisiert darin auch den ungesunden, nicht nachhaltigen Lebensstil der westlichen Welt und zeigt umweltfreundliche Alternativen auf. Statt Beherrschung, Ausbeutung und Unterwerfung der Erde zielt Capra auf einen respektvollen Umgang mit Natur und Umwelt ab, auf eine ressourcenschonende Koexistenz von Menschen und dem sie umgebenden Ökosystem.
Weitere Grundlagen zu der Idee ist der Begriff der "Autopoesis", das bedeutet ganz kurz zusammengefasst: sich selbsterschaffende und auf Vernetzung basierende, sich-selbstregulierende Systeme, z.B. beschrieben von Maturana und Varela, im soziologischen Bereich von Luhmann.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht, ist es auch immer die Frage, wohin ich meine Kraft und Aufmerksamkeit lenke. Auf Verschwörungstheorien und darauf, dass ja alles so schlimm ist und jeder jeden über den Tisch zieht? Oder darauf, an eine Zukunft für den Planeten und die Lebewesen darauf zu glauben, und meine Kraft dahin zu lenken, dass das Realität wird?

Ganz klar ist meine Entscheidung Nummer 2. Die Probleme blende ich nicht aus, sonst würde ich hier nicht mit dir diskutieren.

Dass der Reiki-Meister sich, ebenso wie ein Arzt überflüssig macht... ? Wieso sollte das so sein? Wenn die Ausrichtung wäre, fortlaufend ein lebendiges System mit speziellen Wissen und Können zu unterstützen ist weder der Arzt noch der Reikimeister überflüssig. Arbeitsgebiete auf diesem Planeten gibt es noch für die nächsten 1000 Jahre, meine ich.

Was den Schutz der Marke angeht: ich bin einer Meinung mit dir, dass lebensunterstützende Maßnahmen wie z.B. Reiki, keinen Markenschutz brauchen.
Jeder Meister ist für sich einzigartig.

Vielleicht wäre es eine Idee, das "Anti-Walter-Programm" nicht zu sehr zu füttern, denn damit begibt man sich zu schnell auf eine Stufe mit dem, was man eigentlich ablehnt.
Siehe die Geschichte der zwei Wölfe- ich nehme an du kennst sie?

Wenn du zuviel Moos und Kräuter auf einer Wiese in deinem Garten hast, kannst du Unkraut-Ex einsetzen, damit das Moos und wahrscheinlich auch einiges an Gras vergiften, oder du düngst auf natürliche Weise, um das Gras stärker werden zu lassen als das Moos. Auch da entscheide ich mich klar für Möglichkeit Nummer 2...
Gesunde Organismen (oder im übertragenden Sinne auch Reiki-Syteme) brauchen ganz viel weitere Unterstützung, kranke Systeme vernichten sich selbst.

Ich wünsche dir und allen ein nährendes unterstützendes liebevolles und entspanntes Wochenende :bussi:
Lamia


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 Betreff des Beitrags: Re: Reiki und Marketing
BeitragVerfasst: Sa, 21.01.2017 23:20 
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Reiki-Feuer
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Hallöli,

also ich möchte die Sache mit dem Marketing noch mal ganz anders und auch an einem anderen Beispiel als Reiki darstellen, und auch ohne die unschönen Praktiken, die ich oben geschildert habe.

Man stelle sich vor, in einem bestimmten Gebiet gibt es 1000 Schornsteinfeger.
Nun stellt man fest, dass die immer mehr arbeiten müssen und dass es eigentlich Arbeit für 1500 Schornsteinfeger gibt.
Also beschließt man Werbung für diesen Beruf zu machen, um mehr Schornsteinfeger auszubilden.
500 Schornsteinfeger beschließen neue Lehrlinge einzustellen. Da nach dem ersten Lehrjahr natürlicherweise noch keine Veränderung auf dem Schornsteinfegerarbeitsmarkt eingetreten ist, werden auch im nächsten Jahr 500 Lehrlinge eingestellt. Da die ersten 500 noch nicht fertig sind gibt es ein drittes Jahr, in dem 500 Lehrlinge ausgebildet werden.
Nach insgesamt fünf Jahren gibt es also plötzlich 3000 Schornsteinfeger, also eigentlich schon mehr als genug, aber die Menschen denken immer noch Schornsteinfeger seinen "Mangelware" und so wollen nun immer noch ganz viele Menschen Schornsteinfeger werden.
Es werden also immer mehr. Und plötzlich kann man als Schornsteinfeger gar nicht mehr so viel Geld verdienen, wie man erhofft hat. Klar kann man nun sagen, ok, dann müssen halt welche dahin umziehen, wo immer noch welche gebraucht werden. Aber da hat zufälligerweise der gleiche Prozess stattgefunden.
Um nun weiter als Schornsteinfeger seinen Lebensunter halt zu verdienen, gibt es nun eigentlich nur noch die Möglichkeit, bei der Bevölkerung dafür zu werben, mehr Kamine in ihren Wohnungen installieren zu lassen.
Und da stelle ich dann einfach die Frage, macht das Sinn ?

Vorher hatten die Menschen einen Kamin, die ihn auch wirklich gern haben wollten und wahrscheinlich auch nutzten. Nun haben vielleicht auch Menschen einen Kamin, die ihn gar nicht so oft nutzen und sich vielleicht sogar darüber ärgern, viel Geld dafür ausgegeben zu haben und nun auch einmal im Jahr den Schornsteinfeger bemühen und bezahlen zu müssen.

So einen ähnlichen Effekt sehe ich auch bei Reiki. Ich kenne einige Menschen, die "irgendwann mal" eine Einweihung erhalten haben, aber schnell das Interesse verlogen haben.
Und ich finde es immer noch sehr faszinierend, dass ich Mitte der 90er Jahre vollkommen ohne Internet zu meiner Reikimeisterin gefunden und Ende der 90er Jahre vollkommen ohne Internet Phyllis Furumoto kennengelernt habe. Und so etwas soll heutzutage - und auch bei anderen sehr bekannten Reikimeistern nicht mehr gehen ? Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen.
Wer sucht, der findet .... auch ohne, dass der oder das Gesuchte viel Marketing macht.

Zu der Sache mit Mikao Usui und der Fackel auf einem Marktplatz kann ich nicht viel sagen, außer dass es in der heutigen Zeit wohl eine weitaus effektivere Art und Weise sein könnte, auf sich aufmerksam zu machen als im Internet. :D
Vielleicht sollte man da mal ein Experiment starten ... :)
Einen Teil der Reiki-Geschichte kenne ich aber so, dass Mikao Usui sich bei bzw. nach einem Erdbeben sehr um die Verletzen und Obdachlosen gekümmert hat und als er nach langer Zeit zurückkehrte feststellte, dass der Großteil der Menschen sich nicht mehr um das kümmerte, was er sie gelehrt hatte, worauf er beschloss, künftig nur noch Schüler auszubilden - insbesondere für den zweiten Grad (was wohl zu dieser Zeit noch nicht so genannt wurde) - die ernsthaftes Interesse zeigten. Das hört sich für mich eher so an, als habe er zwar kundgetan, was er tut, aber dann mussten die Interessierten schon selbst aktiv werden.

Ich denke, die zweiundzwanzig von Frau Takata eingeweihten Meister hatten es mit Sicherheit sehr viel leichter, ohne viel Werbung zu machen, Schüler zu finden. Es gab ja nur sie, wenn man es lernen wollte, man musste aber auch schon bereit sein, ein paar Mühen in Kauf zu nehmen.
Und Frau Takata selbst ist wohl auch nicht durch Werbung (oder das Internet, das es ja noch gar nicht gab) zu Reiki gekommen.
Klar, die Zeiten ändern sich.
Aber ich finde genau darum geht es auch ein bisschen bei Reiki .... suchen.
Nicht alles gleich vorgesetzt bekommen.
Aber das ist ein Phänomen unserer Zeit. Obwohl die Menschen fast alles durch einen Klick im Netz erhalten können (selbst Reiki), sind sie immer noch auf der Suche und alles andere als zufrieden.
Vielleich ist die Überpräsenz (egal wovon) eher das Problem, als die Lösung. Und wenn dies stimmen sollte (wobei ich nicht sagen will, dass es so sei, denn das weiß ich nicht), müsste man mal den guten alten Herrn Albert Einstein zitieren, der gesagt hat, dass ein Problem nicht durch dieselben Mittel gelöst werden kann, durch das es verursacht wurde.

Zu den Balztänzen sage ich mal nichts ... denn auch die meisten Menschen balzen .... und ob man das dann noch Marketing nennen mag ... nu ja.
Ansonsten hab ich schöne Anregungen gefunden, in welche Bücher ich mal (wieder) reinschauen könnte. Danke dafür.

LG Kanji


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