Bronwen & Frans Stiene: Die Wurzeln des Reiki

Bronwen & Frans Stiene: Die Wurzeln des Reiki
Schirner Verlag, 2008, 432 Seiten, 19,95 €

Bronwen und Frans Stiene sind Reiki-Lehrer aus Australien, die sich in
ihrem Zentrum “The House of Reiki” damit beschäftigen, die Ursprünge
und Lehren des Usui-Systems des Reiki zu erforschen. Die Ergebnisse
ihrer Forschungsarbeit und die Erkenntnisse, die sich daraus für sie
ergeben, vermitteln sie in ihrem Buch “Die Wurzeln des Reiki”.

Ich
hatte schön länger auf die deutsche Version des Buches gewartet (das
zuvor auf Englisch als “The Reiki Sourcebook” erschienen war) und war
also besonders gespannt darauf. 

Schon beim ersten Aufschlagen und Durchblättern des Buches fällt auf, dass es sowohl in theoretischer Hinsicht als auch auf der Ebene der Praxis sehr viele Hinweise und Anregungen gibt. Es ist ein großformatiges Buch, das meinem Empfinden nach sehr schön gestaltet ist. Das Lektorat ist weitestgehend gelungen. Etwas peinlich finde ich allerdings, dass der Name der Linienhalterin des Usui Shiki Ryoho, Phyllis Furumoto, mehrfach falsch geschrieben wurde.

Das Ehepaar Stiene stellt an sein Buch hohe Ansprüche. “Es möchte allen Reiki-Anwendern weltweit, inklusive Japan, als vollständige Quelle dienen.” (S.11) Doch schon eine Seite weiter wird dieser Anspruch wieder relativiert: “Das Reiki System wandelt sich weiter. Es kommen ständig Informationen hinzu und es tauchen immer neue Fragen auf” (S. 12) Die angestrebte Vollständigkeit kann also doch gar nicht erlangt werden?!

Auch an anderen Stellen im Buch taucht diese Ambivalenz und teilweise Unklarheit der Autoren wieder auf. Einerseits werten sie z. B. gleich zu Anfang die von Takata erzählte Reiki-Geschichte ab: “Ihre unterhaltsamen historischen Anekdoten haben sich aber leider als unzuverlässig erwiesen.” (S. 14) Andererseits ehren sie die Arbeit Frau Takatas bei u. a. der Verbreitung von Reiki im Westen und in ihrer ernsthaften Hingabe zu der Energie. Um dann ein paar Kapitel weiter, als es vermehrt um das Leben Frau Takatas geht, es  wieder an Grundrespekt ihr gegenüber mangeln zu lassen. Gerade in dem Kapitel “Hawayo Takata (1900-1980)” fehlt es den Autoren an einer gewissen Feinfühligkeit, mit der sie in angemessener Weise auf die Veränderungen hätten hinweisen können, die Frau Takata tätigte (z. B. der Reiki-Geschichte), ohne dass der Eindruck hätte entstehen müssen, dass sie Takatas Lehren herunter spielen bzw. klein machen wollen.

Im gleichen Kapitel taucht in der Fußzeile sehr oft als Quelle auf: “Informationen von einem Schüler Hawayo Takatas” (z. B. auf S. 166). Doch wer mag dieser Schüler sein? Wieso nennen die Autoren hier nicht eine bestimmte Person und, falls diese Person nicht genannt werden möchte, welche Gründe hätte sie dafür – und wieso benutzen dann Frans und Bronwen Stiene diese Informationen für ihr Buch?

“Die Wurzeln des Reiki” ist ein Buch, das sehr vielschichtig aufgebaut ist. Es gibt viele Informationen über das Leben zu der Zeit Usuis in Japan, Hintergründe zu Richtungen wie dem “Shugendô” (Weg des Trainings von Wunderkräften) oder “Shintô” (Japanischer Volksglaube), die Usui und so auch Reiki wahrscheinlich beeinflusst haben und dem einige Techniken zugrunde liegen können. Weiterhin geht es um wichtige Persönlichkeiten, die Reiki maßgeblich geprägt haben. Die Autoren zeigen aber auch heutige Trends auf und geben einen Überblick über verbreitete Reiki-Stile und z. B. die wissenschaftliche Erforschung von Reiki.

Den Autoren ist hoch anzurechnen, dass sie die Informationen klar strukturiert, sehr umfassend und gut verständlich aufs Papier gebracht haben – und natürlich, dass sie ihre Forschungen mit der weltweiten Gemeinschaft der Reiki-Praktizierenden teilen.

Aber auch wenn Frans und Bronwen Stiene die Leser charmant bitten, über eventuelle Fehler hinwegzusehen, wirken manche Absätze doch so, als würden sie die alleinige Wahrheit für sich in Anspruch nehmen – und ich rate jedem Leser dazu, ruhig auch kritisch zu sein, weiterhin zu hinterfragen und bei ambivalenten Aussagen der Autoren die eigene Praxis in Betracht zu ziehen und auf das eigene Gefühl zu hören.

Im hinteren Teil des Buches geben die Autoren traditionelle Techniken wieder, die u.a. auch in den Büchern von Frank Arjava Petter zu finden sind, und beschreiben nicht-traditionelle Reiki-Techniken, die verschiedenen Reiki-Stilen wie z. B. dem Karuna Reiki® entlehnt wurden. In welcher Weise die Autoren die Techniken der vielen verschiedenen Reiki-Stile recherchiert haben und ob sie in diese Stile auch eingeweiht sind oder nicht, bleibt unklar. So ist schwer nachprüfbar, ob die Techniken auch in richtiger Weise wiedergegeben werden. Einige Übungen, z. B. aus dem Karuna Reiki®, werden z. B. erst wirklich klar und anwendbar, wenn man in das System eingeweiht ist, da die hier verwendeten Symbole zwar benannt, aber nicht gezeigt werden. Und zumindest für die Karuna Reiki® Technik des Violetten Atems kann ich sagen (da ich als Meisterin im Karuna Reiki® eingeweiht bin), dass das im Buch genannte Symbol nicht zum System gehört.

Am Ende des Buches findet sich ein Adressverzeichnis mit weltweiten Reiki-Zentren, Reiki-Vereinigungen und auch zu Reiki im Internet. Ein ausführliches Glossar, verschiedene Anhänge zu beispielsweise Mikao Usuis Gedenkstein sowie ein Stichwort-Verzeichnis folgen.

Alles in allem ein weiteres Buch, das dem momentanen Trend des “Back to the Roots” in Sachen Reiki folgt. Die vielen Anregungen, Hinweise und Informationen sind für fortgeschrittene Reiki-Praktizierende durchaus interessant. Anfängern bzw. Reiki-Interessierten rate ich aber für den Anfang zu etwas leichterer Kost. Auch wenn die Inhalte gut aufgearbeitet sind, kann die Flut an Informationen etwas verwirren.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki. Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

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