Dieter Glogowski: Das Reiki-System der 8 Grade – nach Barbara Ray


Glogowski
Silberschnur, Güllesheim 2006, 173 Seiten, 13,90 Euro

Bereits der Titel dieses grafisch durchgehend sehr schön gestalteten Werkes ließ mich stutzen: Acht Grade? Auch wenn die bislang auf deutsch publizierte Literatur nicht sehr auskunftsfreudig über die höheren Radiance-Grade ist, so ist zumindest eines klar: Barbara Ray unterrichtet ein System der sieben Grade bzw. – wenn man alle A- und B-Grade einzeln zählt – ein zehnstufiges System. Es könnte sich hier also um eine Eigenerweiterung des Autors handeln, die leider an keiner Stelle des Buches dokumentiert wird. 

Dabei startet Dieter Glogowski, laut Website des BFR derzeit zweiter Vorsitzender im „Bund Freier Reiki-Lehrer“, gleich mit sehr zweifelhaften Aussagen, die dem aktuellen Stand der Reiki-Forschung zuwiderlaufen: „Wir können davon ausgehen, dass Mikaomo Usui, der Begründer des Reiki, von der Existenz der acht Grade wusste und dieses Wissen nicht allen seinen Schülern vollständig weitergegeben hat. Dafür dass wir es mit mehr als den bereits bekannten 3 Graden zu tun haben, spricht auch die Tatsache, dass die Einweihungen in die einzelnen Reiki-Grade den einzelnen Chakraebenen zuzuordnen sind.“ (S. 10) Letzteres entspricht dem Gedankengebäude der TRTIA, doch wirkt der Zusammenhang arg konstruiert und wird durch die rechnerische Fehlleistung „Sieben Chakren – acht Grade“ gleich wieder ad absurdum geführt.

Bereits auf Seite 6 finden sich die Reiki-Lebensregeln in einer veränderten bzw. erweiterten Form ohne entsprechende Hinweise, während sie auf Seite 17 in der klassischen westlichen Form publiziert werden, die aber als die japanische Version von Dr. Hayashi bezeichnet wird. Auch Angaben zu Gründungszeiten der Reiki-Organisation von Barbara Ray sind nicht korrekt (vgl. meinen Artikel „Die Radiance Technik“ im Reiki Magazin, Ausgabe 4/03). Die Ausführungen über das Reiki-Symbol sind – bevor sie ins Esoterische abgleiten – sicherlich bereichernd, da dieses Symbol in vielen Grundlagenwerken leider zu kurz kommt. Dann folgen Informationen zur Behandlung mit angenehm wenigen zehn Positionen bei der Selbstbehandlung, aber 24 Positionen bei der Partnerbehandlung. Die Abbildungen des menschlichen Körpers auf Seite 30f stammen aus dem Buch "Reiki-Essenz" von Diane Stein (S. 58f), ohne jegliche Quellenangaben.

Die Symbole des zweiten Grades werden in Wort und Bild dargestellt mit einigen Abweichungen zu der Form, wie sie beispielsweise im Usui Shiki Ryoho gelehrt werden, oder sogar gespiegelt wie bei Diane Stein (vgl. Rezension im Reiki Magazin, Ausgabe 2/05). Manch absolut formulierte Aussagen wie „Auch die Fernbehandlung erfolgt an vier Tagen hintereinander“ (S. 57) oder „Fernreiki findet für die ganze Erde statt, täglich um 12 Uhr“ (ebd.) hätte ich mir differenzierter gewünscht. Die Erklärungen für die Symbole wirken weit hergeholt, beispielsweise dass das Mentalsymbol „beide Gehirnhälften“ (S. 67) darstellen soll. Die Gedichte zu den Symbolen sind weitestgehend aus dem Buch "Der Weg zum wahren Reiki-Meister" von Andreas Dalberg übernommen (vgl. in der Erstausgabe S. 217 und 225), allerdings wiederum ohne Quellenangabe. Anregend können dagegen die Anwendungsmöglichkeiten des zweiten Grades sein, von denen der Autor Karmareinigung, Sterbebegleitung oder die Möglichkeit, mit Reiki Ziele zu verstärken, kurz darstellt.

Danach geht es um den Meistergrad: „Eine der wichtigsten Funktionen des Meistersymbols ist seine Schutzfunktion“ (S. 89) behauptet der Autor – eine Zuordnung, die ich früher noch für das Kraftsymbol kennen gelernt hatte. Bei der Abbildung widerspricht zumindest der letzte Teil allen mir bekannten vertrauenswürdigen Quellen, indem die Kanji für Sonne und Mond nahezu gleich geschrieben werden.

Dann folgt ein Novum: die bislang von Radiance-Vertretern sehr unter Verschluss gehaltenen höheren Grade werden mit Mantren, Symbolen und Anwendungsgebieten in Bezug auf Krankheitssymbole und deren Behandlung vorgestellt. Inwieweit die Wiedergabe authentisch ist, können nur Vertreter des Radiance-Stiles beurteilen. Möglicherweise handelt es sich hier um Techniken, die als „Großmeistergrade“ in Teilen der freien Reiki-Szene gehandelt werden. Irritierend wirken aber auf jeden Fall die Herkunftsangaben „aus dem tibetanischen Reiki“, da es bislang keine Quellen zu diesem Thema gibt und auch der Autor keinerlei Erklärungen abgibt.

Auch über die eigenen Qualifikationen und seinen Reiki-Weg gibt sich Dieter Glogowski leider recht zugeknöpft. Nach Exkursen zu esoterischen Themen wie Aurasehen oder Zahlenmystik findet sich lediglich der Hinweis „erfahrener Reiki-Lehrer“. Zahlreiche Fehlinformationen und eigenwillige Interpretationen statt qualifizierter Hintergrundangaben sowie nicht belegtes Kopieren anderer AutorInnen sprechen allerdings nicht für die Fachkompetenz des Autors. Somit dürfte das vorliegende Werk nur für diejenigen interessant sein, die gern ohne Netz und doppelten Boden mit undokumentierten energetischen Techniken unbekannter Herkunft experimentieren wollen.



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Erstveröffentlichung im Reiki-Magazin Nr. 1/2007
Nachtrag: Siehe auch hier: „Die Höheren Meistergrade des Reiki“ von Einar Stier.

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin's Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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3 Antworten zu “Dieter Glogowski: Das Reiki-System der 8 Grade – nach Barbara Ray”
  1. Bine sagt:

    Ich habe dieses Buch bereits im Sommer entdeckt und war ebenfalls neugierig als ich den Titel las.Aber dann die große Enttäuschung. Der Autor hat hier mehrere verschiedenen ,,Reikischulen,, Querbeet durcheinander gemixt ohne es selbst wahrscheinlich besser zu wissen. Was er beschreibt ist weder Original Usui noch original Radiance Technik.Ein Teil der Symbole entstammt dem Usui Reiki( 1-3 Grad) , einige Symbole sind von Frau Ray (Hals-und Herzchakrasymbol), der Rest geht auf Raj Martin Petter (Große Harmonie,Großes Teilung) bzw .auf einen Herrn Keil (Weisheitssymbol) der Rest auf mir leider nicht bekannte Leute zurück.Also ein bunter Mix von allem,dazu zum Teil unzureichende Beschreibungen zu den Symbolen und ihre Anwendung.Da ich selbst in diesen Systemen ausgebildet bin und die ,,original Ausbildungen,, (soweit man davon sprechen kann) habe ,komme ich zu dem Fazit, dass der Autor nicht nur schlecht recherchiert hat, sondern offensichtlich auch nicht erkannt hat dass es sich bei seiner Darstellung um verschiedenen Systeme handelt , bleibt für mich leider wieder mal nur ein Fazit. Schade um das Papier,schade um das Geld und schade für die Reikianer die dieses Buch für authentisch halten.
    Es gibt wesentlich bessere Bücher über diese Stile.

  2. Frank Rolofs sagt:

    Hallo zusammen,

    leider muss ich Euch recht geben. Auch ich bin sehr enttäuscht von diesem Werk. Ich war schon sehr überrascht über die vielen negativen Rezessionen bei „Amazon“.

    Ich stimme Ihrer Rezession und dem Kommentar von „Bine“ voll zu. Das Buch ist, grade in der heutigen Zeit, ein Buch, was man nicht unbedingt unter dem Weihnachtsbaum wünscht.

    Ich persönlich fände es besser, wenn der Verlag dieses Werk so schnell wie Möglich aus dem Verkehr ziehen würde.

    Herzliche Grüße
    Frank

  3. Frank Doerr sagt:

    Heute gab es einige Ergänzungen zum Artikel, nachdem mich unsere Administratorin Janina Köck darauf hingewiesen hat, dass Inhalte des Buches ohne Quellenangaben teilweise von anderen Autoren kopiert wurden (Diane Stein, Andreas Dalberg). Wir sind hier weiterhin am Forschen.
    Ausserdem ist einiges im Buch doppelt – Behandlungs- und Symptombeschreibungen tauchen völlig identisch an mehreren Stellen des Buches auf.
    Ansonsten verweise ich auf den Newsletter 1/2007 von Einar Stier (www.lichtsegen.de), in dem dieser u.a. schreibt: „Aus seiner umfangreichen Recherche im Internet hat sich der Autor des „Reiki-Systems der 8 Grade nach B. Weber-Ray“ ein Märchen gedichtet, seine Internet-Quellen nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin geprüft, und so einiges durcheinander gebracht“. Und weiter: „Der 7. und 8. Grad (nach meiner eigenen Zählweise), Dai Ji Yu und Dai Hey Wa, stammen aus dem Jahre 2000 und sind von Wolfgang Keil und mir (unter Mithilfe einer meiner japanischen Schülerinnen Makiko U.) entwickelt worden. […] Leider ist das im Buch abgebildete Symbol des 8. Grades, das „Dai Hey Wa“, verändert worden, sowohl in der Schreibweise als auch in der Schwingung entspricht es nicht mehr dem Original“.
    Leider ist dieser Newsletter nicht im Internet zugänglich.

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