Distel – Wellmann: Der Geist des Reiki

Goldmann Verlag, München 1995, 192 Seiten, 14,90 DM, 7,61 EUR
erschienen im Reiki-Magazin Nr. 2/2001


distel2 Der Nachfolgeband des Buches "Das Herz des Reiki" handelt davon "wie der Geist des Reiki […].sich im Rahmen anderer Heilungs- und Gesundheitssystems befruchtend auswirken kann und inwiefern dieses anderen Systeme sich befruchtend auf die Reiki-Praxis auswirken können." Unter diesem Geist des Reiki verstehen die Autoren eine durch Einweihung und Praxis herangewachsene innere und äußere Haltung und Einsicht sowie die Universelle Lebensenergie selbst.

Im ersten Kapitel "Reiki zur Jahrtausendwende" wird Reiki in den Kontext des beginnenden Wassermannzeitalters gestellt und beispielsweise als Helfer zur wahren Religiösität jenseits erstarrter Formen gezeigt. Dann wird die Selbstorganisation offener Systeme, die morphische Resonanzwirkung und der Bezug zu Reiki erklärt (z.B. wenn Reiki bei manchen Menschen ohne Einweihung funktioniert). In diesem Kontext wird die Veröffentlichung des Meistersymbols begründet, da es einen leichteren Zugang zu Heilung und spirituellem Wachstum schaffen soll. Das Symbol wird anhand seiner Teile erklärt und Möglichkeiten seiner Nutzung als Meditationsmittel werden vorgestellt.

Den Abschluß dieses Kapitels bilden Ausführungen über Reiki-Heilkreise und den Frieden mit zentralen Aussagen: "Bei all unserem Tun sollte die Reihenfolge immer sein ‚Liebe Dich selbst, deinen Nächsten, die Welt‘. Denn jeder Mann und jede Frau ist Schöpfer und Gestalter seiner und ihrer eigenen Welt" Und: "Friedensarbeit im Kontext von Reiki bedeutet an erster Stelle, sich die Hände aufzulegen, still zu werden und auf harmonische Weise Abstand zu finden zu eigenen Vorstellungen und Bewertungen."

Es folgt das Kapitel "Reiki und ganzheitliche Heilmethoden", in dem die Autoren ihrem Wunsch Ausdruck verleihen, "daß sich die Anwendung der Reiki-Kraft zu einer Art ‚Hausmittel‘ entwickeln wird und das grade auch in Verbindung mit den vielen anderen bewährten Heilungsmethoden." Einige dieser Methoden und ihre Ergänzung durch Reiki werden erläutert: Bachblüten, Homöopathie, Aromatherapie, Edelsteine und Kristalle, AuraSoma, Musik und Klang. Im Rahmen dieses Kapitels wird Reiki den Menschen, die in Heilberufen tätig sind, empfohlen als

  • Schutz vor Auslaugung und negativen Energien und als
  • Verstärkung, Unterstützung und Harmonisierung der jeweiligen Technik durch Mitfließen von Reiki und die besondere Qualität, die Körperkontakt dadurch erhält.

Im folgenden wird auf Körper- und Psychotherapie eingegangen, mit der in meinen Augen zentralen Aussage, daß Therapie nur dann Wert besitzt, wenn sie den Klienten für Meditation öffnet. Am Ende des Kapitels erfolgt eine ganzheitliche Sicht auf Krankheiten wie Krebs und Aids und die Darstellung von Reiki als Heilungschance. Dabei legen die Autoren sehr großen Wert darauf, Versprechen zu vermeiden und einfach ein Angebot des Lebens zu unterbreiten. Daß dann allerdings auch AIDS als Grund für die Veröffentlichung des Meistersymbols herhalten muß, hinterläßt einen schalen Geschmack.

In dem Exkurs über Gesellschaft, Wirtschaft und Individuum breiten die Autoren ihre Vision einer möglichen Zukunft aus, als Gegenüberstellung zu dem, was heute die Regel ist. Beginnend mit der Kampfkunst folgen weitere Ergänzungen zum Reiki-Weg. Dabei wird Huna als besonders gute Quelle der Inspiration für den Reiki-Praktizierenden vorgestellt, da sie laut den Autoren auffällig viele Parallelen zu Reiki aufweist. Dies bleibt für mich anhand der Ausführungen allerdings nicht nachvollziehbar. Ergiebiger scheinen mir die Erklärung von Wesen und Bedeutung von Meditation und Meditationstechniken in Verbindung mit Reiki wie beispielsweise "Aufmerksamkeit auf den Körper richten".

Im Folgenden definieren die Autoren ihre Vorstellungen von den Aufgaben der Reiki-Lehrer und -Lehrerinnen zur Jahrtausendwende:

  • "möglichst vielen Menschen den Zugang zur universellen Lebensenergie zu vermitteln"
  • Über das Usui-System hinaus ein pures "Meditations-Reiki für sich" zu entwickeln
  • über persönliche Erfahrungen mit verschiedenen Methoden persönlichen Wachstums zu verfügen, um Schülern beratend zur Seite stehen zu können und
  • Schülern die Erfahrung Universeller Lebensenergie strukturlos vermitteln zu können, d.h. sie auf völlig anderen Wegen zu übertragen.

Dabei stellen die Autoren viele traditionelle Ansichten in Frage: "So mag sich auch die Erkenntnis einstellen, daß Reiki sich dahin entwickeln wird, daß es keine Meister-Grade mehr gibt, keine Traditionslinien und keine Titel."

Im letzten Kapitel "Reiki und mehr" sind unterschiedliche Themen versammelt. Zum einen wird die letzte Frage gestellt: "Was suche ich wirklich?" Dabei zeigt sich: "Reiki räumt den Weg frei, so daß wir endlich anfangen können, wirklich zu suchen, ohne uns dabei immer nur selbst im Weg zu stehen." Es folgen die persönlichen Bemerkungen eines Menschen über seinen Weg zu Reiki. Da hier kein Name genannt wird und auf dem Umschlag zwei Autoren stehen, löst dies – siehe auch die Nachbemerkungen dieser Rezension – einige Fragen aus. Über Reiki hinausgehend wird noch der Begriff des Disciple und vor allem das Wesen der Hingabe erklärt. Eine umfangreiche Literaturliste rundet das Buch ab.

 

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Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin’s Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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