Distel – Wellmann: Schlussbetrachtung




Die Rezensionen der drei Bücher von Wolfgang Distel und Wolfgang Wellmann, die im Reiki-Magazin 1/2001 ihren Anfang nahmen, haben bereits zu einigen Reaktionen geführt. Vor allem traditionelle westliche als auch der japanischen Linie nahestehende Meister äußerten ihren Unmut darüber, diesen Büchern die Energie unserer Aufmerksamkeit zu schenken.

Meine Einstellung dazu ist: Auch Verdrängung ist Energie. Etwas ins Licht der Aufmerksamkeit zu rücken, mag erst einmal Unangenehmes aufwirbeln, sorgt letztendlich aber für mehr Klarheit und Freiheit. Eine möglichst offene und gleichzeitig kritische Betrachtung kann auch zeigen, daß das im Dunklen vermutete Gespenst so furchterregend gar nicht ist.

So auch diese Bücher. Jedes hat seine unbestreitbaren Stärken. "Das Herz des Reiki" ist ein sehr kompetent geschriebenes Grundlagenwerk. "Der Geist des Reiki" mag Menschen bereichern, die in ihren Reiki-Weg andere Formen des Heil- und Ganz-Werdens integrieren. Und wer seine Erfahrungen mit Reiki auf einem Weg der Selbsterfahrung vertiefen will, für den gibt es meines Wissens auf dem deutschsprachigen Büchermarkt nicht besseres als "Die Praxis des Reiki".

Daß ich diese Werke dennoch nicht uneingeschränkt empfehlen kann, liegt an zwei Aspekten: Zum einen der Veröffentlichung des Meister-Symbols bzw. -Mantras. Die Autoren können in ihren Büchern, obwohl sie Gott und die Welt bemühen, keine schlüssige Begründung für diese Handlung liefern. Für mich persönlich sind die Symbole etwas Heiliges. Ihrer Energie wird mit einer Veröffentlichung – egal in welcher Form – und der zwangsläufig damit einhergehenden Profanisierung nichts Gutes getan.

Zum zweiten sind es die Autoren selbst. Wie mir vom Goldmann-Verlag bestätigt wurde, handelt es sich bei Wolfgang Distel und Wolfgang Wellmann um Pseudonyme. Nun ist die Verwendung von Pseudonymen in der schöngeistigen Literatur durchaus gängig. Oftmals haftet Autoren, die unter ihrem wirklichen Namen veröffentlichen, der Verdacht der Egopflege an. Unter diesem Aspekt könnte es manchen Reiki-AutorInnen gut tun, unerkannt hinter ihr Werk zurückzutreten.

Aber es handelt sich hier nicht um Belletristik, sondern um Lehrbücher. Diese nicht unter dem wahren Namen zu veröffentlichen, mag den Ruch von Feigheit erzeugen und widerspricht dem von Distel/Wellmann propagierten Geist der Offenheit und Wahrheit. Auch auf Anfragen des Reiki-Magazins, die der Goldmann-Verlag an die Autoren weiterleiten wollte, erhielten wir keine Antwort. Da meine Informationen über die mögliche Identität der Autoren bzw. des Autors unbestätigt blieben, möchte ich an dieser Stelle keinen Spekulationen Raum geben.

Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich die Bücher angesichts ihrer Stärken zulegen oder ihnen aufgrund obengenannter Einwände keine weitere Energie schenken will.

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin’s Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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