Lawrence Ellyard: Was Sie schon immer über Reiki wissen wollten

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Arbor Verlag, 1. Auflage 2009, 255 Seiten, 18,80 €

„Was Sie schon immer über Reiki wissen wollten“ – dieser Titel machte
mich gleich neugierig auf das Buch! Schließlich gibt es mittlerweile
viel über Reiki zu wissen, und das alles soll jetzt in 200 Fragen und
Antworten geklärt werden? Ich war gespannt, ob und wie der Autor dies
umsetzt.

Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, fiel mir gleich das zurückhaltende, ruhige Design auf. Weiße Schrift auf dezentem Dunkelblau, mit einem kunstvoll-kalligraphischen Reiki-Zeichen. Mich spricht dieses Design sehr an, auch wenn das Reiki-Zeichen noch etwas mehr zum Ausdruck hätte kommen können.

Lawrence Ellyard ist Reiki-Meister in Australien und hat dort sein eigenes Reiki-Institut gegründet, das „International Institute for Reiki Training“. Auf der dazugehörigen Website ist zu lesen, dass der Autor in verschiedenen Reiki-Stilen ausgebildet und der Begründer von zwei eigenen Reiki-Stilen ist.

Das Inhaltsverzeichnis des Buches ist klar gegliedert – es sind für jeden interessante Fragen dabei, ob man sich nun als Neueinsteiger für Reiki interessiert oder Reiki-Meister ist. Auf den ers­ten Seiten werden grundlegende Informationen zu Reiki gegeben. Eine ausführliche Erklärung des Reiki-Zeichens in „alter“ und „neuer“ Schreibweise gefällt mir gut. Die Erläuterungen zu möglichen Empfindungen, die ein Reiki-Klient wäh­rend einer Reiki-Anwendung haben kann, gefallen mir besonders gut. Hier werden die verschiedenen Ebenen angesprochen, und Ellyard geht auf die kinestetische, olfaktorische, visuelle und auditive Wahrnehmung genauer ein. Für den Behandler gibt es dazu noch Hinweise, welcher Art seine Empfindungen während einer Behandlung sein können.

Wohl durch die Erfahrungen des Autors in verschiedenen Reiki-Stilen ist das Buch sehr offen geschrieben und respektvoll gegenüber anderen Lehren und Stilen formuliert. Diese Offenheit bemerke ich in neueren Reiki-Büchern allgemein immer öfter und begrüße dies sehr. Leider gelingt es nicht jedem Autor (wie in einigen anderen, hier bereits besprochenen Reiki-Büchern ersichtlich), neues Wissen, das aufgrund eigener Erfahrungen zustande kommt, in Einklang zu bringen mit einem respektvollen Umgang gegenüber altbewährten Stilen (wie z. B. dem Usui Shiki Ryoho). Lawrence Ellyard hat dies aber in seinem Buch überwiegend gut hinbekommen, abgesehen von einigen wenigen, kritischen Aussagen zur Version der Reiki-Geschichte von Hawayo Takata und zu dem auf sie zurückgehenden Preissystem für die verschiedenen Grade. Diese Anmerkungen stören aber nicht das allgemein gelungene Bild, und Ellyard findet, auch wenn er manchmal etwas zunächst kritisch bespricht, schlussendlich immer noch einen positiven Abschluss.

Natürlich werden in dem Buch viele Fragen geklärt, über die man als Reiki-Praktizierender schon in zahlreichen anderen Büchern lesen konnte. Da es sich hier um ein Buch mit Fragen zu Themen handelt, die alle Grade sowie auch Anfängerwissen umfasst, finde ich dies jedoch vollkommen in Ordnung. Der Autor schafft es hin und wieder auch, wohl bekannte Fragen in überraschender Weise aus seiner eigenen Praxis heraus gewissermaßen neu zu beantworten, so dass das Buch auch für Reiki-Fortgeschrittene interessant bleibt.

Bemerkenswert auch die Antworten auf Fragen, die in der Regel nicht so häufig gestellt werden. Zum Beispiel schreibt Lawrence Ellyard über Reiki mit Behinderten, psychisch kranken und körperlich schwer kranken Menschen und darüber, was man bei der Reiki-Gabe diesbezüglich beachten sollte. Die Tipps sind wertvoll, weiterhin sehr respektvoll allen Beteiligten gegenüber und folgen keinem erkennbaren Dogma.

In einigen Textpassagen werden dem Leser praktische Tipps und Übungen an die Hand gegeben. Diese reichen von oft genannten und effektiven Möglichkeiten der Erdung bis hin zum Rezitieren des Medizinbuddha-Mantras. Erstaunt war ich darüber, dass bei den praktischen Übungen, die Ellyard vorstellt, oft die Visualisierung einer blauen Energiekugel eine Rolle spielt. Diese verwendet er sowohl beim Fernreiki als auch bei einer Meditation zum Medizinbuddha-Mantra, sowie auch während einer normalen Reiki-Anwendung. Diese Übungen und Meditationen im Reiki-Kontext waren mir neu, und ich konnte keine Verbindung zu einem mir bekannten Reiki-Stil herstellen. Einen Dank an Oliver Klatt, der mich darauf aufmerksam machte, dass die Farbe Blau u. a. mit dem Medizinbuddha in Verbindung gebracht wird. Ein selbst entwickeltes Reiki-System von Lawrence Ellyard ist „Sangye Menlha Reiki“, das auch „Medicine Buddha Reiki“ genannt wird. Wahrscheinlich gehen diese Übungen darauf zurück. Im Buch hätte ich mir gewünscht, dass er den zu den Übungen jeweils dazugehörigen ­Reiki-­Stil auch benennt.

Leider beinhaltet das Kapitel zum Thema Reiki-Meisterschaft lediglich zwölf Fragen und ist so, im Vergleich zu anderen Kapiteln, recht kurz geraten. Im Kapitel zum Thema Zweiter Grad sind ebenfalls nur relativ wenige Fragen zu finden (rd. 40) – wobei sich hier jedoch sagen lässt, dass alle wichtigen Fragen dabei sind. Der Hauptteil der Fragen im Buch klärt also die Reiki-Grundlagen und Themen des Ersten Grades.

Kann nun das Buch halten, was der Titel verspricht? Natürlich gibt es den ein oder anderen Kritikpunkt, wie bereits erwähnt, aber ich kann sagen: ein Großteil der Fragen wird zufriedenstellend geklärt, und auch die Auswahl der Fragen ist gut getroffen. Sowohl Themen, die am Anfang des Reiki-Weges aufkommen, als auch Fragen, die erst nach längerer Reiki-Praxis auftauchen, werden behandelt. Man merkt beim Lesen der Antworten, dass der Autor sich ausgiebig Gedanken gemacht und viel Erfahrung im Reiki-Bereich gesammelt hat. Die Vergleiche, die er zwischen den japanischen und den westlichen Stilen anstellt, sind interessant, gut erläutert und respektvoll formuliert. Ein Buch, das ich Reiki-Neueinsteigern sowie auch Fortgeschrittenen empfehlen kann!

Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki. Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

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