Martin Fieber: Steh endlich auf

Bergkristall Verlag, Bad Salzuflen, März 2003, 128 Seiten, 14,90 Euro
Veröffentlicht im Reiki-Magazin Nr. 1/2004


fieber "Fieberchen" ist ein unterwürfiger, ängstlicher Mensch. Einer, der sich für wertlos, dumm und klein hält, ganz allein in dieser Welt. Bis sich etwas ändert: "Mit 25 fing mein eigentliches Leben an. Mein Tor in die neue Welt war Reiki. Eine Methode des Handauflegens. An diesem Wochenende, an dem ich Reiki erlernte, hatte ich zum ersten Mal kurz Kontakt zu diesem wunderschönen Etwas in mir. Ein Licht durchflutete mich und mir wurde bewusst: Gott existiert. Ich bin hier auf der Erde, weil ich es so wollte." (S. 16)

Doch dann schließt er sich einem parapsychologischen Forschungskreis an und begegnet dort Bärbel. Auf Anraten eines Geistwesens beginnt seine Geschichte mit ihr, eine Geschichte voll Abhängigkeit und Machtmissbrauch. Martin geht durch seine eigene persönliche Hölle, bis er irgendwann begreifen lernt, wie wichtig es ist, aufzustehen, sich seinen Ängsten zu stellen und sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

Diese Geschichte seines Lebens beschreibt Martin Fieber in dem vorliegenden Buch. Immer wieder bewundere ich den Mut des Autors, sich einem Publikum mit all seinen Ängsten und Schwächen zu stellen. Hier versteht er es, einfach seine Geschichte zu teilen und den Leser mit auf die spannende Reise zu sich selbst zu nehmen. Leider trägt dies nicht das ganze Buch über. Wenn der Autor beginnt, über UFO’s und unsere Herkunft als Außerirdische zu philosophieren, über Jesus Christus und die Rettung der Erde, verliere ich den Kontakt zu ihm. Dabei weiß er es als Betreiber einer Buchhandlung doch besser: "Die meisten Kunden wollen autobiographische Erlebnisberichte, worin sie sich als Mensch wiedererkennen können." (S. 103)

Glücklicherweise findet er immer wieder zu seiner Haltung des Aufstehens und seiner eigenen Geschichte zurück, und dann finden sich auch ab und zu wichtige, kritische Äußerungen zur Reiki-Praxis: "Auch ich bin leider eine ganze Zeit auf diesem "Ich-rette-die-Erde-mit-Reiki"-Zug mitgefahren" (S. 85), ein Hinweis auf die hinterlistige Gedankenfalle "Ich-habe-viel-geholfen -und-Gott-hat-gesehen -wie-gut-ich-bin -und-jetzt-wird-es-mir-hoch-angerechnet, -da-ich-auch-einer-der-auserwählten-Menschen-bin, -die-von-Reiki-erfahren-haben -und-ich-jetzt-zu-einem-eingeweihten-Mystiker-geworden-bin, -der-schon-weit-auf-seinem-spirituellen-Weg-fortgeschritten-ist." (S. 85f)

Gleichfalls erfrischend ist seine wiederholte Kritik an der Esoterik-Szene: an erleuchtetem Gehabe, esoterischen Unwörtern und der möglichen Entmündigung durch das Pendeln, die in seinen hilfreichen Praxistipps und einer Buch- und Seminarcheckliste gegen Ende des Buches gipfeln. Da verzeihe ich dem Autor gern, dass er an manchen Stellen nicht weit genug zu reflektieren scheint, über das Ziel hinausschießt oder mit logischen Begründungen daneben liegt, kurz gesagt: der Eso-Szene noch recht weit verhaftet ist und mit seinem Faible für spiritistische Channeling-Sitzungen nicht ganz dem mündigen Bild entspricht, dem er folgen möchte. Überraschend einseitig nehmen sich schließlich die Buchempfehlungen am Ende des Buches aus, stammt der absolut größte Teil dieser "Perlen der Wahrhaftigkeit" doch vom Autor selbst bzw. aus dem Gesamtprogramm des Bergkristall Verlages, bei dem er Geschäftsführer ist.

Abschließend lässt sich sagen: Der Selbstmord seiner durchs Pendeln entmündigten Reiki-Meisterin oder die selbstgerechten psychischen Störungen der Person Bärbel, die sich als Inkarnation Mutter Marias und Martin Fieber als Manifestation Adolf Hitlers und Satans betrachtet, sind kein einfaches Lesefutter für zarte Gemüter. Esoterisch versierte Reiki-Praktizierende, die unter der "Geistigen Welt" nicht die Abteilung Hochprozentiges im Supermarkt verstehen, werden hier allerdings ein zuweilen spannendes und immer wieder lehrreiches Buch finden. Und vielleicht macht es dem einen oder anderen Mut selbst aufzustehen.

 

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Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Von 1994 bis 2009 Mitarbeiter beim Reiki-Festival. 1996 Mitbegründer des Reiki Magazins und seitdem Redaktionsmitglied bzw. freier Mitarbeiter. Seit 1999 Chefredakteur von Reiki-land.de. Veranstalter der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin's Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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