Masaki Nishina: Reiki and Japan

Masaki Nishina: Reiki and Japan

CreateSpace Independent Publishing Platform (20. April 2017), 222 Seiten in englischer Sprache, 17,12 Euro

Ein neues englischsprachiges Buch über Reiki ist dieses Jahr herausgekommen. Es gibt nur wenige Reiki-Bücher, die von Japanern geschrieben und ins Englische oder Deutsche übersetzt wurden. Als bekannteste Autoren zu nennen sind hier Hiroshi Doi und Tadao Yamaguchi. Masaki Nishina ist mir als Autor vorher nicht bekannt gewesen.

In seinem Buch „Reiki and Japan“ macht er sich auf die spannende Reise, einen kulturellen Blick auf das sogenannte „westliche“ und „japanische Reiki“ zu werfen. In der Autorenbeschreibung erfahre ich, dass er sowohl westliches Reiki als auch Jikiden Reiki erlernt hat und in letzterem bis zum Dai-Shihan ausgebildet wurde. Wie seine Ausbildung im westlichen Reiki aussah, ist leider nicht beschrieben.

Das Cover ist eher unscheinbar und setzt sich von den sonst gängigen Reiki-Covern gestalterisch ab. Das Bild einer japanischen Frau, die aus einem Fenster in die grüne Landschaft schaut, wirkt sehr ruhig. Zugleich ist der überwiegende Teil des Buchumschlages schwarz, was auf mich insgesamt doch recht dunkel wirkt. In japanischer Sprache ist „Reiki and Japan“ bereits 2013 erschienen. Es hat also vier Jahre gedauert, bis das Buch jetzt auch auf Englisch verfügbar ist.

Der erste Blick in das Buch ist vielversprechend, schon das Inhaltsverzeichnis macht Lust auf’s Lesen. Zunächst gibt Masaki Nishina einen allgemeinen Einblick in die japanische Kultur und auch in die Heilmethoden, die es in Japan zur Zeit Usuis gab. Einblicke in gesellschaftlichen Umstände zu Zeiten Usuis finde ich immer wieder erhellend, da uns die japanische Kultur ja häufig eher fremd ist, und für ein tieferes Verständnis von Reiki schadet es sicher nicht, sich auch mit dem Herkunftsland der Reiki-Methode etwas tiefer zu beschäftigen.

In dem Kapitel über die „Anfänge von Reiki“ stellt der Autor u.a. die interessante Frage, ob Reiki einfach nur eine weitere Methode des Handauflegens ist. Dabei geht er schließlich auf die Einzigartigkeit von Reiki ein und räumt Missverständnisse über Reiki aus, so beispielsweise, dass Reiki aus Tibet komme. Diese Vorstellung hält sich ja bei manchen schon seit längerem. So wird in dem einen oder anderen Reiki-Buch immer mal wieder ein möglicher Ursprung von Reiki in Tibet erwähnt. Beweise oder Fakten, die dafür sprechen, können die Autoren in der Regel jedoch nicht vorweisen. Weiterhin geht der Autor auf weitere Punkte ein, bei denen es sich seiner Ansicht nach ebenfalls um Missverständnisse handelt, so beispielsweise, dass Reiki eine Beziehung zum Kurama-Berg habe oder dass Reiki, da es der japanischen Kultur entstamme, buddhistischer Natur sei.

Sehr spannend finde ich auch das Kapitel über andere Techniken der Handheilung, in dem der Autor u.a. die Energiearbeit nach Toshihiro Eguchi und Reiki einander gegenüber stellt. Eguchi hat Reiki in den 1920er Jahren erlernt und war wohl zwei Jahre lang Mitglied in der Usui Reiki Ryoho Gakkai, bevor er sein eigenes System namens Tenohira Ryoji entwickelte. In den Erläuterungen Nishinas werden die Unterschiede zwischen beiden Methoden, und damit gleichzeitig auch das Besondere an Reiki, klarer. Ich wusste bereits, dass es zu Zeiten Usuis auch andere Energieheilmethoden gab, doch mir war nicht klar, welche das im Einzelnen waren. In diesem Buch finden sich nun einige Informationen hierzu.

Weiterhin wirft der Autor einen sehr umfassenden Blick auf die Geschichte von Reiki. Weitere Kapitel widmet er der Usui Reiki Ryoho Gakkai, Chujiro Hayashi, „Reiki nach dem Krieg“ und auch dem Verlauf, wie Reiki sich im Westen verbreitet hat. Dabei sind Hawayo Takata einige Unterkapitel gewidmet. Auch wie Reiki schließlich wieder „zurück nach Japan“ kam und ebenso die Unterschiede zwischen dem japanischen und dem westlichen Reiki werden sehr intensiv beleuchtet. Dabei geht es u.a. um die Themen Linie, Reiki-Symbole, zeremonielle Techniken, Reiju vs. Einweihung, „den Fluss kontrollieren“ vs. „einfach fließen lassen“. Zum Schluss des Buches wird nochmals auf weitere alternative Therapien eingegangen, die es vor oder während des Krieges in Japan gegeben hat und die bis heute weiterbestehen.

Wer sich für die Reiki-Geschichte interessiert und dazu weitere profunde Informationenen wünscht, ist mit „Reiki and Japan“ gut beraten. Die englische Übersetzung ist leicht verständlich. Dennoch wäre es schön, wenn das Buch auch in deutscher Sprache erscheinen würde. Alle im Buch enthaltenen Angaben sind gut recherchiert, besonders gefällt mir, dass alle nötigen Quellenangaben enthalten sind, so dass die Informationen auch nachvollziehbar sind. Weiterhin ist positiv zu erwähnen, dass die Kapitel sinnvoll aufeinander aufbauen und gut strukturiert sind.

Da ich selbst auch Jikiden Reiki erlernt habe, bemerke ich, dass einige der Erklärungen, besonders in dem Kapitel über die Unterschiede zwischen westlichem und japanischem Reiki, auf Informationen rund um Jikiden Reiki zurück gehen. Ob der Autor hier manche Dinge anders beschrieben hätte, wenn er einen anderen Stil erlernt hätte, ist aus der Ferne leider nicht zu beantworten. In jedem Fall ist das Buch eine sinnvolle Ergänzung der eigenen Reiki-Bibliothek, möchte man noch tiefer in die japanische Kultur und Reiki eintauchen.

Einschätzung der Redaktion: Vielschichtig und interessant!
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Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki. Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

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