Petter – Yamaguchi: Die Reiki-Techniken des Dr- Hayashi

Frank Arjava Petter / Tadao Yamaguchi: Die Reiki-Techniken des Dr. Hayashi

Windpferd Verlag, Aitrang 2003, 128 Seiten, 14,90 Euro
Veröffentlicht im Reiki-Magazin Nr. 3/2003



petter6 Im Jahr 2000 traf sich Frank Petter mit Frau Chiyoko Yamaguchi, einer Schülerin Dr. Hayashis, und ihrem Sohn Tadao. Er lernte bei Ihnen die ersten beiden Reiki-Grade so, wie Dr. Hayashi dies vor 60 Jahren gelehrt haben soll und begann 2002 die entsprechende Meisterausbildung. Die dabei gewonnen Kenntnisse und Informationen werden in diesem Buch vorgestellt.

Der historische Teil des Werkes beginnt mit einer Zusammenfassung der Lebensgeschichte Dr. Hayashis, gefolgt von der "Familiengeschichte der Yamaguchis im Licht des Reiki". Anhand des Weges der Mitglieder dieser Familie eröffnet sich dem Leser ein tiefer Einblick in die Praxis und Lehre des Usui-Systems nach Dr. Hayashi. So zeigt sich hier wieder einmal die große Bedeutung der Lebensregeln bei damaligen Treffen. Ebenso die Bedeutung des Shikan-kaku-Grades, der als Assistent des Lehrers dem des heutigen traditionellen Meisterschülers entspricht, und wohl weniger mit den aufgeweichten Meister/Lehrer-Graden der freien Reiki-Szene zu tun hat.

Eine der wesentlichsten Informationen besteht in der Bedeutung des Byosen, der Fähigkeit, Problembereiche im Körper des Klienten aufzuspüren. Hierzu gibt Tadao Yamaguchi klare Hinweise, die im späteren Praxisteil vertieft werden. Hilfreich ist der Hinweis, daß das Erleben von Schmerz durch den Behandelnden nichts mit dem Empfang von negativen Energien von Seiten des Patienten zu tun hat, da dies nicht möglich ist, sondern als stärkste Sinneswahrnehmung des Byosen durch entsprechende Techniken schnell gelindert werden kann.

Mit den Umständen von Dr. Hayashis Tod und den anschließenden Entwicklungen schließt das zweite Kapitel. Interessant dabei ist die Information, daß Chie Hayashi die Schule ihres Mannes fortführte und 1952 Frau Takata bat, die Nachhilfe Dr. Hayashis anzutreten, was diese ablehnte.

Der historische Teil endet mit einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1928, den ein Schüler Dr. Hayashis verfaßt hat. Daraus geht hervor, daß die Ausbildung im Usui-System damals sehr viel Geld gekostet haben muss und weder Dr. Usui noch Dr. Hayashi daran lag, das System einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als Begründung läßt sich herauslesen, daß aufgrund der Dominanz der westlichen Schulmedizin alternative Praktiken wie Reiki als Verletzung des Medizinrechtes angesehen wurden – eine interessante Parallele zur heutigen Situation in Deutschland. Somit ließe sich die orale Tradition auf einen notwendigen Selbstschutz zurückführen und nicht als eine durchgehende Notwendigkeit des Usui-Systems betrachten (vgl. Seite 35); schriftliche Lehrbücher erhielten nur bereits eingeweihte Schüler.

Der praktische Teil des Buches informiert als erstes über Byosen. Dabei weisen die Autoren dankenswerterweise auch auf alle Umstände hin, die diese Technik im Umgang des Anwenders mit seinen Klienten mit sich bringt. Über die Ebenen der Beobachtung bis hin zu fortgeschrittenen Techniken ist dieses Kapitel förmlich ein Muss für alle, die professionell mit Reiki arbeiten und ihre Möglichkeiten erweitern wollen. Auch die Blutzirkulationstechnik namens "Ketsueki Kokan", die m.E. den Ursprung des heutigen "Energiestriches" bildet, wird mit Texten und Bildern ausführlich erklärt.

Das letzte große Kapitel enthält "Ryoho Shishin", den Behandlungsplan nach Dr. Hayashi. Laut den Autoren wurde das japanische Original "unter anderem in einer Broschüre veröffentlicht, die später auch einige Mitglieder der Reiki Alliance erhielten." ( S. 67) Aufgegliedert nach Körperpartien und Erkrankungen enthält dieses Kapitel zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten von Reiki mit Behandlungsfotos und illustrierenden Grafiken. Mehrere Personen, denen ich dies zeigte, empfanden die Zeichnungen des weiblichen Körpers (z.B. Seite 70, links unten) als unproportioniert und sexualisiert, was allerdings den Nutzwert nicht schmälert. Das Buch schließt mit einem Fotoanhang, wo in alphabetischer Ordnung eine Vielzahl von Handpositionen dargestellt werden.

Während vor allem die Familiengeschichte der Yamaguchis einen sehr authentischen und lebendigen Eindruck macht, läßt das Buch bei mir dennoch einige Unklarheiten zurück. Denn manche Informationen decken sich nicht mit anderen Quellen. So steht gleich zu Anfang (Seite 7), daß die Grabschrift auf Usuis Gedenkstein von Juzaburo Ushida, dem zweiten Vorsitzenden der Usui Reiki Ryoho Gakkai, verfaßt wurde. Eine direkte Übersetzung dieser Inschrift aus dem Altjapanischen ins Deutsche (siehe Reiki-Magazin Ausgabe 2/2003, S. 40) besagt allerdings, daß Herr Ushido lediglich die Kalligrafie anfertigte, während der Text offensichtlich von einem professionellen Nachrufverfasser stammte, der wohl nicht Mitglied der Gakkai war. Informationen von Don Alexander, der mit zwei noch lebenden, über 100jährigen Schülern Usuis in Kontakt steht, bei einem Lehrgang im Jahr 2002 in Chemnitz gegeben, besagen zudem, daß die Gakkai erst nach Usuis Tod von seinen Schülern gegründet wurde. Hier ist für mich denkbar, daß Usui vielleicht erst posthum zum ersten Vorsitzenden ernannt wurde.

Wie auch immer: mögliche Ungenauigkeiten in Detailinformationen können in meinen Augen nicht den Wert dieses Buches schmälern, das einen tiefen Blick in Ursprung und Praxis des Systems erlaubt, das wir heute praktizieren. Insofern kann es jedem Meister und Praktizierenden wärmstes empfohlen werden.

 

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Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Doerr

Intensive Reiki-Praxis seit 1993 und beständige Fortbildung. Seit 1998 Reiki-Meister der 6. Generation in der Linie Usui – Hayashi – Takata – Furumoto – Kindler. Gründer der Reiki Convention (seit 2010) sowie Gründungsmitglied von ProReiki, dem Reiki Berufsverband. Publikationen: Die Reiki-Lebensregeln (Windpferd 2005), Das Reiki-Meister-Buch (Windpferd 2007). CD mit Merlin’s Magic: Reiki-Elixier inkl. Booklet (Windpferd 2007).

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