Ute Wehrend-Segers: Das große Buch der Reiki-Heilmethode

Ute Wehrend-Segers: Das große Buch der Reiki-HeilmethodeArche Noah Verlag, 222 Seiten, 19,80 €

Mein erster Gedanke, als ich das Buch in den Händen hielt und im Inhaltsverzeichnis stöberte, war, dass mir das alles doch sehr bekannt vorkommt. Nachdem ich gelesen hatte, dass Frans und Bronwen Stiene die Lehrer von Ute Wehrend-Segers sind, wurde mir klar, warum – kannte ich doch einige der hier gegebenen Informationen bereits aus dem in der letzten Ausgabe des Reiki Magazins von mir rezensierten Buch “Die Wurzeln des Reiki” aus der Feder des Ehepaares Stiene. Warum also schreibt Ute Wehrend-Segers ein Buch, das in vielen Punkten diesem sehr ähnelt?

Beide Bücher kamen in Deutschland im Jahr 2008 heraus. Die Autorin Ute Wehrend-Segers ist mir bereits von ihrem ersten Buch, “Das Reiki-Buch – Heilung und Weg”, bekannt, und ich wertschätze sie sehr dafür. Ich nehme also an, dass es ihre Motivation war, die Informationen aus dem Buch des Ehepaares Stiene, das bereits seit 2003 in englischer Sprache vorliegt, für die deutschsprachige Reiki-Community zugänglich zu machen.

Ute Wehrend-Segers ist Reiki-Meisterin des Usui Shiki Ryoho, bildete sich, auf der Suche nach den Ursprüngen von Reiki, in Gendai Reiki-ho fort, bis ihr Weg sie zu den australischen Reiki-Lehrern Frans und Bronwen Stiene führte, die selbst viel im Reiki-Bereich forschen.

“Das große Buch der Reiki-Heilmethode” macht einen guten ersten Eindruck. Der Umschlag ist ein Hardcover und dezent-zurückhaltend gestaltet. Das Buch ist klar gegliedert und enthält einige Bilder z. B. zur Ganzbehandlung und vom Kurama-Berg, bei Kyoto, wo Mikao Usui eine erleuchtende Erfahrung gehabt hat. Die Art des Eingehens auf theoretische Hintergründe und praktische Übungen ist harmonisch, und es gefällt mir, dass man von der Flut an Informationen in diesem Buch nicht erschlagen wird – und dass an einigen Stellen auch die persönliche Erfahrung der Autorin hervorblitzt.

Leider ist das Lektorat des Buches nicht zufrieden stellend: Zu viele Rechtschreibfehler, die nicht hätten sein müssen, haben sich eingeschlichen. So wird Reiju zu Reju, Avalokiteshvara wird mal zu Avalokitesvara, mal zu Avalokiteshwara, Namen wie Hawayo Takata, Chujiro Hayashi und Phyllis Furumoto werden teils falsch geschrieben. In der Aufzählung der Reiki-Linien der Autorin steht Frans Stiene auf einmal vor Mikao Usui, als Begründer ihrer Reiki-Linie – und es gibt noch einige Fehler mehr. Gerne hätte ich über die meisten Fehler hinweggelesen oder sie einfach ignoriert, leider war das wegen ihrer hohen Anzahl nicht machbar – hier ist für die nächste Auflage des Buches eine gründliche Überarbeitung angeraten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass weitestgehend auf Quellenangaben verzichtet wurde. Dabei wäre es interessant gewesen zu erfahren, von der Seite welcher der von ihr erlernten Reiki-Stile sie die jeweiligen Informationen zusammengetragen hat; und welche auf ihre eigenen Forschungen zurückgehen oder vielleicht ihren persönlichen Erfahrungen entsprechen.

Da mir das Buch des Ehepaars Stiene bekannt ist, kann ich viele der Informationen auf diese beiden zurückführen. An diesem Punkt hätte ich mir von der Autorin mehr Transparenz gewünscht. Zum Beispiel schreibt sie u. a. über Jikiden Reiki, wobei interessant gewesen wäre zu erfahren, aus welcher Quelle sie diese Informationen hat. So ist auf Seite 71 zu lesen: “Bevor sie [Chiyoko Yamaguchi] ihre Methode später Jikiden Reiki nannte, wurden in ihren Seminaren auch nur drei Reiki-Symbole verwendet. Das vierte Symbol ist erst später (beim Jikiden Reiki) hinzugekommen”. Soweit mir bekannt ist, ist das 4. Symbol, das DKM (aus Respekt gewählte Abkürzung), weiterhin nicht im Jikiden Reiki enthalten. Ebenso unklar ist für mich die Aussage, dass Schüler von Hawayo Takata im zweiten Reiki-Grad “…zwei bis drei…” Einstimmungen bekommen haben sollen. Im Usui Shiki Ryoho – das auf Hawayo Takata zurückgeht – wird traditionell, so wie das System von Phyllis Furumoto und Paul Mitchell formuliert ist, jedenfalls nur eine Einstimmung für den 2. Grad gegeben. Solche und ähnliche Ungereimtheiten gibt es in dem Buch noch mehrere.

So führt z. B. die Verwendung von verallgemeinernden Formulierungen zu weiteren Unklarheiten. Die Autorin behauptet u.a.: “Im Westen wurde gelehrt, nach dem zweiten oder dritten immer auch das erste Symbol zusätzlich zu verwenden.” (S. 148) Es gibt sicherlich viele Reiki-Praktizierende, die es so gelernt haben – vielleicht hat die Autorin selbst es auch so erfahren -, aber gilt das deshalb gleich für alle? Für meine Reiki-Ausbildung gilt dies z. B. nicht – dabei wurde auch ich “im Westen” ausgebildet.

Aber nichtsdestotrotz sind der Großteil der Informationen interessant, und das Buch ist gut zu lesen und dabei auch für Reiki-Einsteiger leicht verständlich. Man erfährt mehr über die “drei Diamanten”, die eher der japanischen Kultur zugehörig sind als die Chakrenlehre. Und es gibt einige praktische Übungen, die leicht erklärt und gut nachvollziehbar sind. Interessant ist auch der Beitrag zu den so genannten “drei Giften”, die “Gier, Hass und Unwissenheit” sind. Mich hat die von Dave King gelehrte, im Buch wiedergegebene Reiki-Meridianbehandlung interessiert, die ich in noch keinem anderen Buch gefunden habe; diese ist bebildert und gut erklärt. Zu meiner Überraschung sind die Handpositionen der Meridianbehandlung nur geringfügig abweichend von den von Takata gelehrten Handpositionen der Eigen- bzw. Partnerbehandlung.

Am Ende des Buches gibt es noch ein “Buch im Buch”, das so genannte “Reiki Ryoho Hikkei”, mit Behandlungsvorschlägen zu verschiedenen Krankheiten. Es folgen Erfahrungsberichte seitens einiger Schüler von Ute Wehrend-Segers sowie eine Zeittafel, die einen geschichtlichen Überblick über markante Punkte in der Reiki-Geschichte gibt. Schließen möchte ich diese Rezension mit einem Zitat von der Autorin selbst, dem ich mich voll und ganz anschließen kann: “Das regelmäßige Praktizieren der Methoden des Reiki-Systems ist das entscheidende, die theoretischen Kenntnisse sind demgegenüber zweitrangig.” (S. 222)

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Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki. Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

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