William Lee Rand: An Evidence Based History of Reiki

william lee rand history of reiki

International Center for Reiki Training, 114 Seiten, 17,54 Euro

William Lee Rand, international bekannter Reiki-Lehrer und -Autor, ist in Deutschland vor allem als Begründer des Karuna Reiki© und durch Publikationen u.a. zusammen mit Walter Lübeck und Frank Petter bekannt („Das Reiki-Kompendium“). Mit dem von ihm gegründeten International Center for Reiki Training gibt er in Amerika das Reiki News Magazine heraus. Aus dem Fundus an Artikeln zur Geschiche des Reiki ist das vorliegende Buch entstanden, über „die evidenzbasierte Geschichte von Reiki“.

Die meisten der Artikel sind von William Rand selbst verfasst, zwei stammen von Marianne Streich und einer ist von Hyakuten Inamoto. Mir gefällt, dass es jetzt eine Sammlung dieser Artikel in Buchform gibt. William Rand ist seit vielen Jahren dafür bekannt, dass er immer wieder die Ursprünge von Reiki erforscht. Die meisten seiner Publikationen sind, wie auch dieses Werk, lediglich in englischer Sprache erhältlich. Ob es eine deutsche Übersetzung dieses Buches geben wird, ist fraglich. Ich denke nicht, dass man darauf warten sollte. Es wäre demnach gut – bei Interesse an diesem Buch –, wenn man des Englischen mächtig ist oder jemanden kennt, der einem die wesentlichen Inhalte übersetzen kann.

Auf dem dunkelblauen Cover mit weißer Schrift ist ein Bild vom Gedenkstein für Mikao Usui zu sehen, der neben seinem Grab steht, am Saihoji-Tempel in Tokio. Insgesamt sind zwölf Artikel im Buch enthalten, in denen es um die Reiki-Geschichte, die Zeit vor Reiki und auch die Zeit von Takata geht. Die Inhalte jener Artikel, in denen es um die Reiki-Geschichte von Usui bis Takata geht, sind den meisten sicherlich weitgehend bekannt. Es handelt sich hier um die geschichtlich belegbare Form und um die Gedenksteininschrift. Auch die Übersetzung des Usui Reiki Hikkei ist nicht neu, diesen Text gibt es auch in deutscher Übersetzung.

Die Frage, ob es Reiki schon vor Usui gab, wird in dem Artikel „Reiki before Usui“ mit einem klaren Ja beantwortet. Usui war so gesehen nicht der Schöpfer des Wortes Reiki – jedoch natürlich der Art von Behandlung, die wir heute als Usui Reiki Ryoho, die Usui Reiki Behandlung, kennen. In dem Artikel geht William Lee Rand auf den Begriff „Reiki“ näher ein und schaut sich die genaue Bedeutung des Kanjis an. Hingewiesen wird auch auf eine bereits 1919 in Japan erschienene Publikation mit dem Titel „Reiki Healing and its Effects“ (hier: englische Übersetzung des japanischen Titels).

In den Interviews, die William Rand mit Hiroshi Doi führte, geht es natürlich vor allem um Gendai Reiki ho – darum, wie es zu diesem Reiki-Stil kam, die Unterschiede zu Usui Reiki Ryoho usw. Hiroshi Doi ist Begründer dieses Reiki-Stils. Für mich noch interessanter sind hier jedoch die Informationen zum Thema „Ursprung und Geschichte von Reiki“ sowie die Angaben, die Hiroshi Doi zur Usui Reiki Ryoho Gakkai macht und zu dem, was er dort gelernt hat.

Über das Kapitel zu den Ursprüngen des Reiki-Meistersymbols habe ich mich besonders gefreut. Das sogenannte Meistersymbol ist wohl allen Reiki-Meistern bekannt, die in der Linie von Hawayo Takata ausgebildet wurden. Durch das Aufkommen bzw. Bekannt-werden anderer Reiki-Stile wie beispielsweise Jikiden Reiki kam es zu der Frage, ob Usui oder Hayashi überhaupt mit diesem Symbol gearbeitet haben. Werden doch im Jikiden Reiki nur drei statt vier Symbole gelehrt. Im Artikel wird auch darauf eingegangen, ob es in der Gakkai ein Meistersymbol gibt und wann vermutlich das Meistersymbol aufgekommen ist.

Wie Hawayo Takata Reiki praktizierte und lehrte ist ein wichtiger Teil der neueren Reiki-Geschichte – geht doch die Linie eines Großteils aller heutigen Reiki-Praktizierenden, trotz des Aufkommens neuerer, japanisch geprägter Stile, nach wie vor auf Takata zurück. Zudem ist das Leben von Takata mit am besten dokumentiert. 22 Meister/innen hat sie in ihrer Zeit mit Reiki ausgebildet. In dem Artikel wird, soweit dies zurückverfolgbar ist, eine Liste der 22 von Takata ausgebildeten Meister abgedruckt, mit den Daten, wann sie jeweils ihren ersten, zweiten und Meister-Grad absolviert haben. Schüler von Takata beschreiben, dass sie sehr auf ihre Ernährung geachtet habe und auch einen „Reiki-Saft“ empfahl. Heute würden wir das wohl einen Smoothie nennen. Das Rezept hierzu findet sich ebenfalls im Buch, jeder kann es ganz einfach nachmachen. (Anm. d. Red.: Dieses Rezept wurde in deutscher Sprache im Reiki Magazin veröffentlicht, in Ausgabe 3/2010.) Auch Schüler von Takata kommen in dem Artikel zu Wort. Sie beschreiben, was sie mit Takata erlebt oder wie sie sie wahrgenommen haben bzw. was sie auf ihren Seminaren an sie weitergegeben hat.

Insgesamt ist das Buch eine interessante Sammlung von Artikeln und Informationen über Reiki und dessen Geschichte. Was mir besonders gut gefällt, ist, dass die Quellen, aus denen William Rand sein Wissen bezieht, auch genannt werden. So kann jeder selbst nachprüfen und forschen, inwieweit die Informationen stimmen. Bei einer Sammlung von Artikeln, die über die Jahre in einem Magazin erschienen sind, bleibt die ein oder andere Doppelung von Informationen natürlich nicht aus. Das ist aber keinesfalls störend. Manches Wissen aus diesem Buch, vor allem wenn es ursprünglich auf Frank Arjava Petter oder Tadao Yamaguchi zurückgeht, wurde bereits in deutschsprachigen Büchern vermittelt. Dennoch: Alles in allem eine gelungene Sammlung von Artikeln mit wissenswertesten Informationen!

Einschätzung der Redaktion: Gelungen – lesenswert!
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Dieser Artikel wurde verfasst von Janina Köck

Janina Köck ist seit 1996 in Reiki eingeweiht und lehrt seit 2001 Reiki im Usui System. Sie ist freie Reiki-Lehrerin, in Shoden und Okuden in Jikiden Reiki eingeweiht und Karuna Reiki (R) Lehrerin. Sie schreibt die Buchrezensionen fürs Reiki-Magazin seit 2008 und ist von Beginn an Mitorganisatorin der Reiki-Convention, hat 2010 und 2011 das Reiki-Festival mitorganisiert und ist Gründungsmitglied von ProReiki.
Janina lehrt Reiki in ihrer Praxis Leben in Einklang in Köln und sie steht für eine geerdete, tiefe und humorvolle Spiritualität. Offenheit für Neues aber auch eine große Liebe zu den Ursprünge des Reiki findet man bei ihr.

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